Wootzer War Betreuer beim HSV : Glaube an Handball nicht verloren

HSV-Torwart Johannes Bitter (l.) besuchte Mirko Großer Pfingsten 2011 in dessen Heimatort Wootz.
HSV-Torwart Johannes Bitter (l.) besuchte Mirko Großer Pfingsten 2011 in dessen Heimatort Wootz.

Mirko Großer aus Wootz war acht Jahre lang Betreuer des nun insolventen Bundesligisten HSV Handball, hofft aber auf einen Neuanfang

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29. Januar 2016, 21:17 Uhr

Mit der Abmeldung der HSV-Handballer vom Spielbetrieb der Bundesliga in dieser Woche endete nach acht Jahren zumindest vorerst auch das Arbeitsverhältnis zwischen Betreuer Mirko Großer und den Hanseaten. Seit 2008 war der in Wootz lebende Großer an der Seite der HSV-Profis, erlebte Höhen und Tiefen. Davon gab es auch in den vergangenen sechs Wochen einige. Mitte Dezember stellte die HSV Handball GmbH den Insolvenzantrag. Aber es gab Hoffnung. Die zerschlug sich am 15. Januar. Die Mitarbeiter der HSV-Geschäftsstelle und die Betreuer wurden freigestellt. Keine fünf Tage später entzog die Handball-Bundesliga (HBL) dem HSV endgültig die Lizenz.

Grundlage der Entscheidung waren laut HBL „nicht vollständig und wahrheitsgemäß vorgelegte“ Unterlagen im Lizenzierungsverfahren für die aktuelle Spielzeit. Im Kern geht es um eine Zusatzvereinbarung zur Verpflichtungserklärung des ehemaligen Vereinspräsidenten und Mäzens Andreas Rudolph über 2,5 Millionen Euro. Die Verpflichtung sei so „zumindest ganz gravierend eingeschränkt beziehungsweise sogar aufgehoben“ worden.

„Als wir an diesem Freitag die Nachricht unserer Freistellung erhielten, war die Gemütslage komplett negativ. Wir hatten vorher positive Signale bekommen und gehofft, dass es irgendwie weitergeht“, sagte Mirko Großer. Nach diese Nachricht gingen großer und die verbliebenen Spieler in die Halle und absolvierten ein letztes gemeinsames „Abschlusstraining“.

Die Hoffnung war mit Lizenzentzug und Abmeldung vom Spielbetrieb dahin. Damit endete nach 14 Jahren vorerst das Kapitel Profi-Handball in der Hansestadt. In der Saison 2002/03 hatte der HSV, nachdem zuvor die Lizenz des VfL Bad Schwartau übernommen worden war, erstmals in der Bundesliga angegriffen. Höhepunkte dieser Zeit waren die DHB-Pokalsiege 2006 und 2010, der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 2007, die Deutsche Meisterschaft 2011 und der Triumph in der Champions League 2013.

Seit 2008 war Mirko Großer mit dabei. Hatte stets ein gutes Verhältnis zu Spielern und Trainern. Um nicht jeden Tag von Wootz nach Hamburg und zurück fahren zu müssen, übernachtete er schon das ein oder andere Mal in Hamburg. In der Trainingshalle, auf einer ausrangierten Couch von Spieler Stefan Schröder. Oder er verpflegte die Handballer auf der Busfahrt zum Champions-League-Spiel ins dänische Kolding mit einer Soljanka aus der Prignitz.

Bereits im vergangenen Sommer waren die finanziellen Probleme der Hamburger bekannt. „Aber dann hat es in dieser Saison sehr gut funktioniert. Mit der Mannschaft und Trainer Michael Biegler. Wir lagen in der Tabelle auf Rang vier, die Fans kamen wieder in die Halle. Und dann wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt“, berichtet der 46-Jährige.


Erstmal zurück in den alten Job


Beruflich geht es für Großer weiter. Er fängt im April wieder bei einem Busunternehmen an. „Aber das ist komplett etwas anderes als das, was ich in den vergangenen acht Jahre gemacht habe“, erinnert sich der auch für den Verbandsligisten Blau-Weiß Perleberg auflaufende Handballer. Und das scheinbar sehr gern: „Es soll ja einen Masterplan für den Hamburger Handball geben. Die U23 des HSV führt die Oberliga an, wird wohl in die 3. Liga aufsteigen. Vielleicht kann – wenn das Umfeld stimmt – diese Mannschaft verstärkt mit einigen Routiniers in drei Jahren wieder an die Tür zur ersten Liga klopfen. Ich wäre der erste, der sogar mit dem Fahrrad nach Hamburg fahren würde, um dabei mitzuhelfen.“

Viele HSV-Profis, die jetzt den Verein verließen, haben bei ihren neuen Clubs nur Verträge bis zum Saisonende unterschrieben, würden bei Signalen aus Hamburg eventuell zurückkehren. Und Großer hofft auch noch auf Routiniers wie Pascal Hens oder Stefan Schröder, die Hamburg noch nicht verlassen haben

Hat der ehemalige HSV-Betreuer durch die ganzen Querelen den Glauben am Handballsport verloren? „Nein, ich will ja was machen. Das ist dem geschuldet, was ich acht Jahre lang machen konnte. Es hat mir viel bedeutet. Ich konnte dort auch trainieren, meinen Fitnesszustand halten“, erklärt der begeisterte Motorradfahrer.

Auch Erlebnisse wie die Party auf dem Rathausbalkon nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2011 oder dem Triumph in der Champions League 2013. Oder spontane Besuche beim Vereinspräsidenten und Mäzen Andreas Rudolph auf Mallorca. „Vielleicht hätte man das eine oder andere weglassen sollen“, meint Großer vielsagend.

Der Tagesablauf des Wootzers hat sich mittlerweile geändert. Der Kontakt zu den Spielern und zum Trainer ist aber noch da. So rief er am Mittwoch vor dem letzten Zwischenrundenspiel der Handball-EM Michael Biegler an und wünschte dem – mittlerweile zurückgetretenen – Coach der polnischen Mannschaft noch viel Glück.

Auch die HBL hat Mirko Großer nicht vergessen. Er bekam eine Einladung zum Allstar-Spiel am kommenden Wochenende in Nürnberg und wird dort als Betreuer der Bundesliga-Allstars fungieren. „Das hat mich sehr gefreut. Aber vor allem kann ich mich dann ja ordentlich von Hans Lindberg, der während der EM vom HSV zu den Füchsen nach Berlin wechselte, verabschieden“, denkt der Prignitzer gern an die Zeiten als HSV-Betreuer zurück.  

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