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Lokaler Sport

17. Oktober 2017 | 13:44 Uhr

Freundschaft trotzt Roter Karte

vom

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2011 | 05:04 Uhr

Prignitz | Der Kreis hat sich geschlossen. Zumindest der als Schiedsrichter. Vor mehr als 20 Jahren entschied sich Henri Heese, Fußball-Schiedsrichter zu werden. Jetzt beendete er am vergangenen Sonnabend mit der Leitung der Landesklasse-Partie Veritas Wittenberge/Breese gegen Chemie Premnitz seine Laufbahn als Unparteiischer auf Landesebene. Im Gespräch mit dem "Prignitzer" blickte Heese auf diese Zeit zurück.

"Es gab schon ein paar Kompromisse", sagt Henri Heese über seine letzten 90 Minuten auf Landesebene, "aber sonst war es für ein letztes Spiel ganz lustig". Vielleicht auch deshalb, weil der Unparteiische aus Wustermark bei seinem letzten Auftritt mit einer für ihn neuen Frage konfrontiert wurde. Als seine Assistenten Frank Spitzner und Andreas Mielke sich mit Caps vor der an diesem Tag starken Sonnenstrahlung schützen wollten, kam vom Spielfeldrand ein "dürfen die das?" Heese war nicht bekannt, dass sie es nicht dürfen und schmunzelte. Auch über die nette Geste des FSV Veritas, der ihn mit einer Flasche Sekt verabschiedete. Bis zum Fußball Landesverband nach Cottbus hatte sich die letzte Partie Heeses scheinbar nicht rumgesprochen. Von dort kam nichts. Wieso wollte er gerade diese Partie als letztes Spiel leiten? "Zu DDR-Zeiten war Wittenberge - Premnitz ein alter Klassiker der Liga-Staffel C, deshalb hatte ich mir diese Begegnung ausgesucht", antwortet Heese.

Es war auch zu DDR-Zeiten, als Henri Heese mit dem runden Leder in Kontakt kam. Der gebürtige Wittenberger spielte Fußball bei Empor, später bei Lok. Dort versuchte er sich auch im Handball, blieb aber den Kickern treu. "Bei unserer 2. und 3. Mannschaft gab es zu wenig Schiedsrichter. Und als ich einmal verletzt war und ein Unparteiischer fehlte, sprang ich ein", erzählt Henri Heese. Es machte ihm Spaß und Gerhard Rosteck, Vorsitzender der Schiedsrichter-Zunft, überredete ihn zum Lehrgang. Der und weitere verliefen problemlos und "mit 27 Jahren habe ich dann Spiele geleitet. Aber um richtig nach oben zu kommen, habe ich zu spät angefangen", erinnert sich der 49-Jährige.

Zwar spielte der Schiedsrichter Hesse auch nebenbei noch weiter Fußball, aber er sah jetzt alles von zwei Seiten. "Mein Sinneswandel hat sich geändert. Früher war ich der größte Meckerkopp, seitdem ich gepfiffen habe, zeigte ich auf einmal Verständnis für die Schiedsrichter. Manchmal sehr zum Leidwesen meiner Mitspieler. Die konnten das nicht verstehen", berichtet Heese. Er umso mehr. Und das half ihm wohl, sein eigenes Referee-Verständnis zu entwickeln. "Für mich stand immer der Spaß im Vordergrund. Ich wollte nie im Mittelpunkt stehen. Wenn das Spiel fair ist, 5:5 ausgeht und keiner über den Schiedsrichter spricht, ist mir das lieber als ein überhartes 0:0", erklärt Henri Heese.

Doch Henri Heese pfiff nicht nur, er stand auch an der Linie. Zum Beispiel in der Verbandsliga als Assistent von Norman Herzberg. Und ein paar Jahre auch als Mitglied von Blau-Weiß Polz in Mecklenburg-Vorpommern. Dort erlebte er mit dem Freunschaftsspiel Polz gegen Hansa Rostock einen der Höhepunkte seiner Karriere. "Die Zeit in MeckPomm möchte ich nicht missen. Die Betreuung der Schiedsrichter war toll. Das können sich einige Vereine hier mal als Beispiel nehmen", denkt er gern zurück. Und auch an den Schiedsrichteraustausch mit Hamburg, wo er beim Spiel der traditionsreichen Clubs Barmbek Uhlenhorst und SC Victoria an der Linie stand.

Es gab schöne, es gab auch heikle Momente. Beim Spiel Neuruppin gegen Brandenburg bedeutete Assistent Heese seinem Schiedsrichter Schwarz nach einer Szene im Strafraum das es sich um ein Foulspiel gehandelt hat und es Elfmeter für Neuruppin geben müsste. Das alles direkt vor dem Brandenburger Fanblock. Aber es blieb ruhig. Und es gab den Moment, in dem sogar eine Freundschaft auf die Probe gestellt wurde. Heese stellte im Spiel Breese gegen Dannenwalde seinen guten Kumpel Enrico Schädler (Breese) vom Platz. "Aber die Freundschaft hat gehalten", sagt Henri Heese.

Wie hat sich der Fußballer in all den Jahren entwickelt? "Die Spieler versuchen heute verstärkt, den Schiedsrichter auszutricksen, sind aggressiver und hinterlister geworden", lautet die Meinung des Referees, der den früheren Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann als sein Vorbild nennt. Und die Unparteiischen selbst? "Vor allem junge Schiedsrichter haben es schwer. Durch die Beobachter draußen und den Wunsch, schnell nach oben zu kommen, stehen sie heute sehr unter Druck", antwortet Heese. Und denkt noch einmal gern an ein Turnier mit Traditionsmannschaften in Elstal zurück. Dort gab es keinen Druck, auch wenn Heese als bekennender Schalke 04-Fan ein Spiel der Altherren von Borussia Dortmund um den damaligen Elstal-Nachwuchstrainer und früheren Nationalspieler Steffen Freund pfeiffen musste: "Als der Stadionsprecher die Vorliebe eines Schiedsrichters für Schalke laut mitteilte, fragten mich die Dortmunder leicht knurrend, ob ich das sei".

Die Gegend um Elstal und Wustermark ist die neue berufliche Heimat von Henri Heese. Doch zieht es ihn immer wieder in die Prignitz zurück. "Der Kontakt ist nie abgerissen. Meine ganzen Freunde so wie Olaf Hoppe sind hier, einmal im Jahr treffen wir uns mit der Schiedsrichtertruppe Gerd Spitzner, Andreas Mielke und Günter Schulz zum Doppelkopf, meine Eltern leben hier", erklärt Heese, der auch vor kurzem seinen ehemaligen Mentor Wolfgang Ehrt ("Ihm habe ich viel zu verdanken") besuchte. Sein nächster Besuch in Wittenberge im Juli wird für den in seiner Freizeit gern Billard spielenden und Rad fahrenden Heese einer mit freudigem Anlass. Ein runder Geburtstag und eine Hochzeit stehen an.

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