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Sport

24. Oktober 2017 | 13:42 Uhr

Liveticker : Löw beruft EM-Kader

vom

Vier Weltmeistern sagt Löw ab. Vier Neulinge mit dabei. Kapitän Schweinsteiger startet auf Bewährung in die EM-Vorbereitung.

svz.de von
erstellt am 17.Mai.2016 | 13:02 Uhr

Berlin | Joachim Löw setzt klare Signale. Kein Freibrief für Kapitän Bastian Scheinsteiger, Treue zum „ewigen“ Lukas Podolski - und gleich vier junge Wilde dürfen den Konkurrenzkampf im vorläufigen EM-Kader kräftig anheizen. „Das Kollektiv ist wichtiger als jeder einzelne Spieler“, sagte der Bundestrainer bei der Bekanntgabe seines 27-köpfigen Aufgebots in der Französischen Botschaft in Berlin. Die Maxime für das Titelunternehmen 2016 war auch als eine Warnung an die Weltmeister zu verstehen. „Wir sind selbstbewusst, aber nicht überheblich. Wir sind stark, aber nicht unbesiegbar. Wir wissen, dass wir Einiges zu tun haben, um in Frankreich auf einem Toplevel zu spielen“, erklärte Löw vor seinem fünften Turnier als Chefcoach.

Auch der nach seiner zweiten schweren Knieverletzung in der Rehabilitation kämpfende Anführer Schweinsteiger wird hart dafür arbeiten müssen, um am 31. Mai eines der 23 persönlichen Tickets für die Tour de France der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu bekommen. „Man muss sehen, ob er in der nächsten Woche ins Training einsteigen kann. Wenn es nicht reichen sollte, was ich nicht hoffe, werden wir uns entscheiden, wer Kapitän wird“, sagte Löw. Zunächst sei er froh, dass der 114-malige Nationalspieler wieder „in voller Belastung“ sei, „was das Lauftraining betrifft“.

Die Länderspiel-Neulinge Bernd Leno, Julian Brandt (beide Leverkusen), Joshua Kimmich (FC Bayern) und Julian Weigl (Dortmund) gehen für Löw mit denselben Chancen in den Ausscheidungskampf ab 24.

Mai im Trainingscamp in der Schweiz wie die etablierten Kräfte. „Es gibt im Moment keine potenziellen Streichkandidaten. Ich habe keine Tendenz, wer den Weg nach Hause antreten muss“, betonte der Weltmeistercoach. Auch der Schalker Leroy Sané mit erst einem Länderspiel gehört zur jungen Fraktion, die auch schon im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland ins A-Team hineinwachsen soll.

„Einige von ihnen waren schon in einem Kurzurlaub, der eine oder andere ist aus dem Bett geklingelt worden“, berichtete Löw von seinen Telefonaten am frühen Dienstag. Er überbrachte dabei gemeinsam mit seinen Assistenten freudige, aber auch traurige Botschaften. „Sie wissen, dass sie sehr viel lernen müssen, die Freude spürt man durchs Telefon“, erzählte er von den positiven Gesprächen. „Mit der Nominierung geht für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung“, erklärte etwa der 24 Jahre alte Torhüter Leno.

Gleich vier Weltmeistern von 2014 teilte Löw mit, dass sie beim EM-Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich keine Rolle spielen werden. Die Dortmunder Erik Durm und Matthias Ginter, der Leverkusener Christoph Kramer sowie Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler hatten vor zwei Jahren in Brasilien noch den Jubel über einen Titelgewinn miterleben dürfen. „Da stößt man nicht auf Unverständnis, aber auf große Enttäuschung“, sagte Löw, schloss aber an: „Es muss für sie nicht das Ende in der Nationalmannschaft sein.“

Weitere vier Akteure, die erst einmal die EM-Vorbereitung aufnehmen dürfen, muss der Bundestrainer bis Ende des Monats noch streichen.

Bis dahin soll auch Schweinsteiger, einer von 14 Weltmeistern im EM-Kader, deutliche Fortschritte nachweisen. Löw nannte die Fragen, auf die er Antworten erwartet: „Hält sein Knie? Gibt es irgendwelche Nachwirkungen? Wenn er topfit ist, weiß ich um seinen Ehrgeiz. Ob er es zum ersten Spiel schafft, weiß ich nicht.“ Am 12. Juni startet Deutschland in Lille gegen die Ukraine.

Routinier Schweinsteiger könnte auch noch während seines siebten Turniers - so viele sind es auch bei Podolski - eine Rolle spielen.

Bis auf Toni Kroos, der mit Real Madrid im Champions-League-Finale steht, sowie Podolski können alle Akteure pünktlich in das lange ausgetüftelte Vorbereitungsprogramm einsteigen. Für Löw ein Luxus.

Der 30-jährige Podolski wird erst nach dem türkischen Pokalfinale mit Galatasaray Istanbul am 26. Mai in die Schweiz nachreisen.

Löw wischte Zweifel an der sportlichen Tauglichkeit von Podolski auf höchstem Level mit entschiedener Stimme vom Tisch. „Ich weiß, dass Lukas die Leistung noch bringen kann, die wir von ihm erwarten“, sagte er. Zudem sei der 127-malige Nationalspieler „eine große Persönlichkeit, die der Gruppe viel geben kann“, unterstrich Löw.

Ein Turnier-Comeback gibt es für Mario Gomez, der vor zwei Jahren als prominentester Spieler aussortiert worden war. Nach seiner guten Saison mit 26 Toren und dem Meistertitel mit Besiktas Istanbul in der Türkei wird der 30-Jährige seine dritte EM erleben. Dagegen sagte Löw dem Hoffenheimer Angreifer Kevin Volland ab. Der Wolfsburger Max Kruse war schon zuvor von ihm aussortiert worden. Auf den verletzten Dortmunder Ilkay Gündogan muss Löw wie schon 2014 erneut verzichten.

Für weitere mögliche Verletzungs-Rückschläge will Löw sein Team in den kommenden Wochen wappnen. „Es geht darum, eine Einheit zu bilden, ein bedingungsloses Miteinander zu finden. Dies hat uns immer stark gemacht“, sagte Löw. Das Ziel formulierte Manager Oliver Bierhoff: „Wir brauchen den vierten EM-Stern. Das wäre natürlich ein Traum.“ Allerdings warnte der Europameister von 1996, dem letzten Triumph neben 1972 und 1980, auch. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir als Weltmeister starten, aber bei Null anfangen.“

Liveticker zur Nominierung:

 

Ein Rückblick auf die früheren Nominierungen:

WM 2006 (Deutschland) Klinsmann und Löw verblüffen mit der Nominierung des 22 Jahre alten Dortmunders David Odonkor. Den Flügelflitzer ohne Länderspiel hatte kein Experte auf dem Zettel. Andere denken dafür, sie seien sicher dabei: Kevin Kuranyi - neben Fabian Ernst und Patrick Owomoyela der Promi unter den Gestrichenen - kann es kaum glauben, als Klinsmann ihn anruft und ausbootet: „Ich habe gelacht und gesagt: Das ist jetzt nur ein Spaß, oder?“
EM 2008 (Österreich/Schweiz) Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, sorgt Bundestrainer Löw gleich für mehrere Aufreger. Er streicht Torwart Timo Hildebrand, bis dahin die Nummer 2 hinter Jens Lehmann. Hildebrand reagiert „geschockt und irritiert“. In Torwart René Adler und dem Gladbacher Zweitliga-Aufsteiger Marko Marin zaubert Löw dafür zwei Länderspiel-Neulinge aus dem Hut.
WM 2010 (Südafrika) Löw überrascht bei seiner vorläufigen 27-Mann-Liste mit den Neulingen Holger Badstuber und Dennis Aogo. Beide schaffen es auch in den 23-Mann-Kader für Südafrika. Torwart-Veteran Jörg Butt vom FC Bayern ersetzt den verletzten René Adler. Drei Spieler muss Löw „maßlos“ enttäuschen: Für Thomas Hitzlsperger, Marcel Schäfer und Christian Gentner ist kein Platz.
EM 2012 (Polen/Ukraine) Immer was Neues bei Löw: Diesmal nominiert er nicht drei, sondern vier Torhüter. Der Gladbacher Marc-André ter Stegen darf die etablierten Kollegen herausfordern. Schalke-Talent Julian Draxler ist der andere Kaderneuling. Beide schaffen es aber nicht ins endgültige Turnieraufgebot. Zur gestrichenen Prominenz zählt unter anderen der erfahrene Mittelfeldspieler Simon Rolfes.
WM 2014 (Brasilien) Torjäger Mario Gomez und Torwart René Adler fehlen im zunächst noch 30-köpfigen Aufgebot. „Das ärgert mich unendlich“, klagt Gomez. „Mario hat seit September nur 280 Minuten gespielt“, begründet Löw. Zu den gestrichenen Akteuren gehören auch Max Kruse, Sidney Sam, Sven Bender und Heiko Westermann. Die einstige Stammkraft Marcel Schmelzer fliegt nach dem Trainingslager raus, auch Kevin Volland und Shkodran Mustafi erwischt es. Der Abwehrspieler wird dann doch Weltmeister, weil sich Marco Reus im letzten Testspiel vor der Reise nach Brasilien verletzt und Löw dafür Mustafi mitnimmt.

Welche Spieler dürfen auf eine Teilnahme hoffen?

Tor Fest eingeplant: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Chancen: Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Kevin Trapp (Paris St. Germain), Ron-Robert Zieler (Hannover 96)
Abwehr Fest eingeplant: Jérôme Boateng (FC Bayern München), Emre Can (FC Liverpool), Jonas Hector (1. FC Köln), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Shkodran Mustafi (FC Valencia), Antonio Rüdiger (AS Rom)
Chancen: Erik Durm (Borussia Dortmund), Matthias Ginter (Borussia Dortmund), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen)
Mittelfeld Fest eingeplant: Julian Draxler (VfL Wolfsburg), Sami Khedira (Juventus Turin), Toni Kroos (Real Madrid), Thomas Müller (FC Bayern München), Mesut Özil (FC Arsenal), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul), Marco Reus (Borussia Dortmund), André Schürrle (VfL Wolfsburg) - Sonderfall: Kapitän Bastian Schweinsteiger (Manchester United)
Chancen: Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen), Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen), Gonzalo Castro (Borussia Dortmund), Leon Goretzka (FC Schalke 04), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Christoph Kramer (Bayer Leverkusen), Leroy Sané (FC Schalke 04), Julian Weigl (Borussia Dortmund)
Angriff Fest eingeplant: Mario Götze (FC Bayern München), Mario Gomez (Besiktas Istanbul)
Chancen: Kevin Volland (1899 Hoffenheim), André Hahn (Borussia Mönchengladbach)

So sieht der weitere Fahrplan aus:

Die Termine im Mai

17. Mai Benennung des vorläufigen EM-Kaders
21. Mai DFB-Pokal-Finale in Berlin
23. Mai Beginn Trainingslager in Ascona/Schweiz
28. Mai Champions-League-Finale in Mailand
29. Mai Benefiz-Länderspiel in Augsburg
31. Mai Ende Nominierungsfrist der 23 EM-Spieler

Die Termine im Juni

3. Juni Abschluss Trainingslager in Ascona
4. Juni Test-Länderspiel in Gelsenkirchen
7. Juni Einzug ins EM-Quartier in Évian-les-Bains
12. Juni EM-Gruppenspiel in Lille gegen die Ukraine
16. Juni EM-Gruppenspiel in St. Denis/Paris gegen Polen
21. Juni EM-Gruppenspiel in Paris gegen Nordirland

Den gesamten Spielplan gibt es auf dfb.de zum Download.

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