Bayern-Schwächephase : Kovac verteidigt seinen Kurs: «Spieler nie betonieren»

Niko Kovac verteidigte seinen Kurs beim FC Bayern München.
Niko Kovac verteidigte seinen Kurs beim FC Bayern München.

Niko Kovac kann auch anders. Der smarte Coach mag in seiner ersten Krisenlage als Bayern-Coach nicht verbal «die Keule» schwingen. Aber er verwahrt sich gegen einige Kritikpunkte und mahnt zur Wahrheit. Vorm Wiesn-Besuch will er gegen Gladbach die Stimmung drehen.

svz.de von
05. Oktober 2018, 14:56 Uhr

Am Sonntag gehen Niko Kovac und die Bayern-Profis aufs Oktoberfest, aber Katerstimmung herrscht schon vor der ersten Maß.

Nur ein Heimsieg am Samstag (18.30 Uhr) im Liga-Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach kann für Lust auf den traditionellen Wiesn-Besuch sorgen. Das weiß auch der Trainer, der kurz vor Ablauf seiner ersten 100 Tage beim deutschen Fußball-Serienmeister plötzlich sehr kritisch beäugt wird. «Wir wollen uns von unserer besten Seite zeigen», sagte Kovac am Freitag und stöhnte: «Im Moment ist alles gegen uns.» Aber das ist für Kovac alles nur eine Momentaufnahme, wie er sofort hinzufügte: «Es wird sich auch wieder drehen.»

Nach drei sieglosen Pflichtspielen bekommt der 46 Jahre alte Kroate erstmals die Wucht zu spüren, die einem Bayern-Coach in einer Phase ohne Erfolg entgegenschlägt. Kovac stellt sich der Kritik, aber er rief in der Pressekonferenz am Freitag die Medien zugleich dazu auf, «bei der Wahrheit zu bleiben». Kovac spürt, dass sich der Wind gegen ihn zu drehen beginnt, aber er stellt sich dem entgegen.

Noch bevor die Fragerunde eröffnet wurde, rechtfertigte Kovac seine sachliche Analyse im Anschluss an das 1:1 gegen Ajax Amsterdam, die kein Zeichen von Ratlosigkeit gewesen sei. Er hole halt nicht verbal «die Keule» heraus: «Ich werde mich nie hinstellen und meine Spieler betonieren.» Diese wissen wie ihr Chef, was gegen Gladbach passieren muss. «Das ist nicht das Bayern München, das wir wollen», sagte Arjen Robben nach dem Champions-League-Auftritt gegen Ajax: «Wir müssen auf jeden Fall gegen Gladbach gewinnen - egal wie!»

Kovac setzt weiter auf Rotation. Man brauche immer wieder «frische Spieler auf dem Platz», betonte er. Uli Hoeneß hat dem Trainer mit einer unnötig scharfen Wortwahl zur Rotation jedoch keinen Gefallen getan. «Am Ende muss er ja auch den Kopf dafür hinhalten», sagte der Präsident. Kovac wertete das nicht als Kritik, sondern Feststellung.

Ihn ärgert, dass plötzlich vieles gegen ihn verwendet wird und die Startphase mit sieben Pflichtspielsiegen nacheinander ausradiert werde. «Urplötzlich ist keine Spielidee dahinter, keine Struktur, keine Organisation. Da muss ich schmunzeln.» Nachdem er anfangs mit Felix «Quälix» Magath verglichen wurde, bekäme er nun zu hören, «zu lasch» zu trainieren: «Also Männer, jetzt wird's lustig!»

Kovac sieht die Krisensymptome so. «Der springende Punkt ist, dass wir im Moment zu viele leichte Fehler machen.» Und alle Mannschaften durchliefen in einer Saison Phasen, in denen es nicht gut laufe.

Unzufriedene Spieler seien auch normal. Nach dem Ajax-Spiel war besonders James Rodríguez der Ärger über die Reservistenrolle in der Champions League deutlich anzumerken. «James ist ein außerordentlich guter und wichtiger Spieler für diesen Club. Nur: Ich kann nicht zwölf aufstellen», bemerkte Kovac. Gegen Gladbach steht dem Trainer auch Mats Hummels nach dessen Kopfverletzung zur Verfügung.

«Wir müssen es wieder schaffen, den Gegner zu dominieren», forderte Nationalspieler Joshua Kimmich. Gladbach rechnet sich durchaus etwas aus in München. «Ich spüre, dass sie nachdenken. Und das kennt man in München nicht», sagte Borussen-Trainer Dieter Hecking: «Sie merken, dass etwas nicht passt und sind auf der Suche danach, was es ist.» Für Kovac wäre es sehr wichtig, bei der Suche fündig zu werden. Sonst müssten die Bayern schon mit einem Kater auf die Wiesn gehen.

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