zur Navigation springen

Schweriner Stabhochspringerin Martina Strutz knackt die deutsche Bestmarke : Höhenflug mit Rekord gekrönt

vom

"Es hat einfach alles gepasst. Das ist der absolute Wahnsinn. Realisiert habe ich es noch nicht, was passiert ist", berichtete am Mittwoch Martina Strutz gegenüber unserer Redaktion.

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2011 | 07:53 Uhr

Schwerin | "Es hat einfach alles gepasst. Das ist der absolute Wahnsinn. Realisiert habe ich es noch nicht, was passiert ist", berichtete gestern Martina Strutz gegenüber unserer Redaktion. Passiert war am Abend zuvor die absolute Krönung ihrer bislang beeindruckenden Saison. Die Schweriner Stabhochspringerin, die für den Hagenower SV startet, setzte zu einem atemberaubenden Höhenflug an. Sie überquerte beim internationalen Meeting in der Karlsruher Hoepfner Burg die neue deutsche Rekordhöhe von 4,78 Metern - und das im ersten Versuch. Genauso souverän meisterte sie zuvor 4,40, 4,50, 4,60 und 4,67 (Meeting-Rekord). Mit der neuen nationalen Bestmarke knackte sie den beim Wattenscheider Meeting am 7. Juli 2002 aufgestellten Rekord von Annika Becker (Rotenburg/Fulda) um einen Zentimeter.

Gestern war sie mit ihrer Großmutter auf dem Rückweg aus dem Badischen. Jeder versuchte den Blondschopf per Handy zu erreichen, um die besten Glückwünsche zu übermitteln. "Es bimmelt in einer Tour", lachte die gefragte junge Frau. Ihre Großmutter drückte live beim Wettkampf die Daumen. "Wir haben ja Verwandtschaft da unten. Da habe ich meine Omi mitgenommen und sie wollte unbedingt auch meinen Wettkampf sehen. Sie hat mir auf jeden Fall Glück gebracht."

"Hey, und jetzt komme ich wie Phönix aus der Asche"

Neun Jahre lang hatten sich gleich zwei Generationen an der Höhe die Zähne ausgebissen. Vize-Europameisterin Silke Spiegelburg scheiterte regelmäßig daran, die zweifache deutsche Meisterin Carolin Hingst genauso. "Hey, und jetzt komme ich wie Phönix aus der Asche", sagt Martina Strutz und lacht. Am 5. Juli scheiterte auch sie noch im französischen Reims an der magischen deutschen Höhe. "Die letzten Male habe ich es mit Krawall versucht. Am Dienstagabend war ich dann total locker, es ging so flüssig. Und als ich den Meeting-Rekord gesprungen war, habe mir gesagt: ,Du musst jetzt nur das machen, was du schon die ganze Zeit gemacht hast, also nicht unter Zwang springen", berichtete Martina Strutz gestern gegenüber unserer Redaktion und fasste den Abend von Karlsruhe so zusammen: "Die Anlage war super, das Publikum war super und ich war super drauf." Dass sie top in Form ist, bewies die 29-Jährige schon in den vergangenen Wochen. Explosionsartig schraubte sie in dieser Saison ihre Freiluft-Bestleistung um 26 Zentimeter in die Höhe. In den vergangenen drei Jahren kam sie von vielen Verletzungen geplagt über ihre persönliche Bestleistung von 4,52 nicht hinaus. Und dann 2011 der Leistungssprung mit einer unglaublichen Konstanz. In Karlsruhe sprang sie zum sechsten Mal in Serie bei einem Wettkampf 4,70 Meter und höher - erstmals am 18. Juni bei der MV-Landesmeisterschaft in Neubrandenburg. "Da habe ich gedacht, hoffentlich ist das keine Eintagsfliege." War es nicht. Ihren kometenhaften Höhenflug erklärt sie mit dem Trainerwechsel von Andreas Rändler zu Thomas Schuldt, einer verletzungsfreien Vorbereitung sowie einer Ernährungsumstellung. Und am meisten freut es sie, "dass ich so stabil in meiner Leistung bin".

Zur WM-Medaillenhoffnung katapultiert

Und es war nicht nur deutscher Rekord, sondern auch Weltjahresbestleistung. Die hatten bislang Spiegelburg und Weltmeisterin Anna Rogowska aus Polen mit 4,75 Metern gehalten. Damit katapultierte sich der Schuldt-Schützling auch in die Rolle einer deutschen Medaillenhoffnung bei der WM im südkoreanischen Daegu (26. August bis 4. September). "Ich denke nicht an die Weltjahresbestleistung und ich rechne nicht, was bei der WM möglich ist", so "Strutzi".

Ihr nächstes Ziel ist erst einmal die deutsche Meisterschaft am 23./24. Juli in Kassel. Und da will sie unbedingt unter die ersten Drei, um sich ganz sicher das WM-Ticket zu sichern. Aber eigentlich könnte der DLV gar nicht mehr an Martina Strutz vorbei, sollte es - aus welchen Gründen auch immer - mit einer Medaille bei der DM nicht klappen. "Ich weiß, dass ich auch bei schlechtem Wetter gut springen kann. Ich muss meinen Kopf ausschalten. Am besten stecke ich ihn in die Tasche und gebe sie an der Garderobe ab", sagt sie mit einem Lachen. Aber es verdeutlicht, dass die Schwerinerin genau weiß, was sie machen muss.

Und das wird auch in den nächsten zehn Tagen bis zur DM so sein. "Ich habe jetzt das Gefühl, man darf nichts mehr falsch machen. So werde ich die nächsten Tage genauso weitermachen wie bisher, also trainieren, damit ich beschäftigt bin. Da mein Trainer ab Montag in der Reha ist, werde ich mit den SSC-Werfern trainieren, damit ich nicht so alleine bin. Ich will Spaß haben", so "Strutzi".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen