Knappster Meistertitel aller Zeiten

Das hatte wohl kaum jemand erwartet: Der THW Kiel jubelte nach einer unglaublichen Aufholjagd im letzten Spiel über seinen 19. Meistertitel.
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Das hatte wohl kaum jemand erwartet: Der THW Kiel jubelte nach einer unglaublichen Aufholjagd im letzten Spiel über seinen 19. Meistertitel.

THW Kiel setzt sich nach 34 Bundesliga-Spieltagen mit zwei Toren Vorsprung durch / Am 26. Juli in Schwerin gegen Russland

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15. Juli 2014, 17:52 Uhr

Heute in zehn Tagen gibt der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel seine Visitenkarte in Schwerin ab. Um 18 Uhr wird in der Sport- und Kongresshalle das Benefizspiel gegen den zweifachen Weltmeister und Sydney-Olympiasieger Russland angepfiffen. Nach der Partie kommen die Autogrammjäger der Region bei den Stars ausgiebig zu ihrem Recht.

In besonderer Erinnerung dürfte den Handballfans landauf, landab wohl die jüngste Meisterschafts-Entscheidung vom Mai sein. Wir blicken noch einmal zurück.


Emotionalste Feier
seit Langem


24. Mai 2014. 17.36 Uhr. Kiel hat mit dem THW schon viel erlebt, und oft wurde in der Sparkassen-Arena am Ende einer langen Saison gefeiert. Doch das, was vor knapp zwei Monaten um 17.36 Uhr passierte, glich einer emotionalen Explosion: Mit sieben Toren Rückstand auf die Rhein-Neckar Löwen waren die „Zebras“, wie die Handballer des THW Kiel wegen ihrer einst schwarz-weiß gestreiften Trikots genannt werden, in den letzten Spieltag gestartet. Vor 10 285 Fans hatten sie den Pokalsieger Füchse Berlin mit 37:23 aus der Halle gefegt. Als dann die Nachricht durchsickerte, dass es mit dem hauchdünnen Vorsprung von zwei Toren doch zur Meisterschaft gereicht hatte, begann die wohl emotionalste Feier seit Langem im titelverwöhnten Kiel. „Darüber wird man noch in 50 Jahren sprechen. Dieser Titelgewinn ist unerwartet, dramatisch, historisch“, jubelte THW-Erfolgstrainer Alfred Gislason nach der Entscheidung in letzter Saison-Sekunde.

Tatsächlich ist der THW Kiel immer wieder gut für neue Eintragungen im Handball-Geschichtsbuch. Nach den ersten (Hallen-) Titelgewinnen 1962 und 1963 waren die erfolgreichen Jahre der Kieler allerdings zunächst vorbei. In den 1980er Jahren standen die „Zebras“ häufig vor dem Abgrund, retteten den Klassenerhalt aber immer wieder vor allem durch die Heimstärke. Allerdings: An Titel war damals nicht mehr zu denken.

Das änderte sich Anfang der 90er Jahre, als unter Trainer Noka Serdarusic der Aufstieg zur besten Handballmannschaft Deutschlands begann. 31 Jahre nach der letzten deutschen Meisterschaft feierte Kiel 1994 tagelang seine Meisterhelden. 1998 gewann der THW Kiel neben der Meisterschaft erstmals den DHB-Pokal und mit dem EHF-Pokal den ersten europäischen Titel.


Rekordmarken in Serie aufgestellt


2007 gelang gegen Flensburg der erste Triumph in der Champions League. In der Bundesliga gewann Kiel sechs Meisterschaften in Folge – Rekord! 2007 lösten sie mit dem 13. Titel den VfL Gummersbach als Rekordmeister ab. 2009 gelang dem THW Kiel mit dem sechsten DHB-Pokalsieg die nächste Bestmarke.

Unter der sportlichen Führung von Trainer Alfred Gislason, der seit 2008 die Geschicke leitet, sorgten die „Zebras“ mit zwei Champions-League-Erfolgen und der wohl einmaligen 68:0-Triplesaison, in der man neben dem Pokal und der Champions League die Meisterschaft ohne Punktverlust gewann, für ein neues Kapitel in den Handball-Geschichtsbüchern, dem an eben diesem 24. Mai 2014 mit der knappsten Meisterschaftsentscheidung aller Zeiten ein weiterer Eintrag folgte.



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