Geschäftsjahr 2017/18 : HSV vor nächstem Rekordminus - Aufstieg würde helfen

Frank Wettstein gab die Zahlen zum Geschäftsjahr 2017/18 des Hamburger SV bekannt.
Frank Wettstein gab die Zahlen zum Geschäftsjahr 2017/18 des Hamburger SV bekannt.

Dem HSV droht nach dem Abstieg im laufenden Geschäftsjahr ein Rekordminus. Finanzvorstand Wettstein sieht aber die Liquidität nicht in Gefahr und ist auch zuversichtlich für die erneute Lizenzerteilung

svz.de von
21. November 2018, 13:44 Uhr

Sportlich läuft es für den Hamburger SV derzeit nach Plan, wirtschaftlich hingegen ist die Schieflage schon seit Jahren beängstigend.

Und nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte wird es für den Fußball-Traditionsclub von der Elbe im Finanzbereich noch dicker kommen. Dem HSV droht im laufenden Geschäftsjahr ein Rekordminus - bisher sind die 16,9 Millionen aus der Saison 2014/15 der höchste Verlust. Finanzvorstand Frank Wettstein, der am Dienstag mit 5,8 Millionen Euro schon den achten Jahresfehlbetrag in Serie erklären musste, wollte sich auf Zahlenspiele nicht einlassen. Ein erneutes Minus sei aber in der 2. Liga «leider unvermeidlich».

«Allein die Einbußen auf der Umsatzseite liegen bei rund 40 Millionen Euro gegenüber der abgelaufenen Saison, die sich nicht allein durch Kosteneinsparungen innerhalb eines Jahres kompensieren lassen», sagte Wettstein. Die Liquidität sieht der 45-Jährige trotz 85,4 Millionen Euro an Verbindlichkeiten jedoch nicht gefährdet: «Wir können alle eingegangenen Verpflichtungen jederzeit und fristgerecht erfüllen.»

Damit das so bleibt, müssen die Verantwortlichen aber äußerst kreativ sein. Eine große Herausforderung wird die im Herbst 2019 fällige Rückzahlung der Fan-Anleihe von 2012 in Höhe von 17,5 Millionen Euro, die Voraussetzung ist für die Erteilung der Lizenz durch die Deutsche Fußball Liga (DFL). Dies muss der HSV schon im Frühjahr im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens nachweisen. Wettstein: «Wir arbeiten daran und sind zuversichtlich, dass dies auch für beide Lizenzen gelingt.»

Details nannte er nicht. Denkbar ist, dass das Finanzierungsproblem durch eine neue Anleihe aufgefangen und so die Basis für die erneute Lizenzerteilung gelegt wird. Dennoch bleibt der HSV ein «massiver Krisenclub», wie der aktuelle Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann erst kürzlich in einem Interview festgestellt hat. Hoffmann war es übrigens auch, der 2010 - kurz vor Ende seiner ersten Amtszeit als Vorstandschef - letztmals schwarze HSV-Zahlen präsentieren konnte.

Ein knappes Jahrzehnt später müssen beim HSV, der seither reichlich Personal auf der Trainerbank sowie in der Sport- und Vereinsführung verschlissen und teuer bezahlt hat oder sogar noch weiter bezahlt, die nächsten Probleme gelöst werden: Im Sommer enden die Verträge mit dem langjährigen Hauptsponsor (Emirates) und mit Klaus-Michael Kühne über die Stadion-Namensrechte. Dafür zahlt der Investor bisher vier Millionen pro Jahr - Fortsetzung offen, weil der Milliardär sein Engagement zuletzt stark reduziert hat.

Die sofortige HSV-Rückkehr in die 1. Liga ist nahezu alternativlos. Sie würde dem finanziell stark belasteten Club allein im Bereich der Fernseh- und Werbeeinnahmen vielfach höhere Millionen-Beträge einbringen und die Probleme zumindest abfedern. Immerhin sieht es im sportlichen Bereich für den HSV positiv aus: Nach einem guten Drittel der Saison steht das Team von Hannes Wolf auf Tabellenplatz eins.

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