Fußball, 2. Liga : Eiserne müssen sich verbiegen

Die neue Haupttribüne des 1.FC Union im Stadion „An der Alten Försterei“ in Berlin.
Die neue Haupttribüne des 1.FC Union im Stadion „An der Alten Försterei“ in Berlin.

In der 1. Bundesliga fehlt der Osten, in der Zweiten ist nur Union aus der DDR-Oberliga übrig

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08. Juni 2015, 12:00 Uhr

Die Mannschaften der ehemaligen DDR-Fußball-Oberliga müssen sich zumeist mit der Drittklassigkeit bescheiden. Nach dem Abstieg von Erzgebirge Aue und dem Aufstieg des 1. FC Magdeburg versammeln sich acht Ostmannschaften in der 3. Liga. Lediglich der 1. FC Union Berlin krallt sich in der 2. Liga fest. Inzwischen kicken die Männer aus der Wuhlheide bereits das siebente Jahr in Folge dort, obwohl ihnen bei einem geschätzten Etat von 20 Millionen keiner die Euros in die Vereinskasse schaufelt.

Auf dem Präsidentenstuhl sitzt seit elf Jahren der Bauunternehmer Dirk Zingler. Das Beharrungsvermögen des 58-Jährigen wirkt sich nicht nur auf die sportliche Seite des Vereins positiv aus. So gehören die Köpenicker zu den 25 mitgliederstärksten deutschen Sportvereinen. Trainer Ralpf Hasenhüttl vom Aufsteiger Ingolstadt schwärmte einmal: „Zu Union kommen wir immer wieder gern.“

Die „Alte Försterei“ gehört zu den schönsten deutschen Fußball-Stadien. Das bestätigte auch Hans-Jürgen Herrmann. Der Europacup-Sieger von 1974 vom 1. FC Magdeburg besuchte unlängst die Unioner und staunte: „ Gegen das heutige Schmuckstück war die ‚Alte Försterei‘ zu meiner Zeit eine Wiese mit Bänken.“ Besonders stolz macht es hunderte Fans, dass sie selbst beim Bau mit Hand angelegt haben. Deshalb auch ihr Ruf: „Niemals vergessen – eisern Union.“

Die Einrichtung des „Wohnzimmers“ in der „Alten Försterei“ während der Fußball-WM sorgte für weltweites Aufsehen. Durch diese Werbung hat sich die Vermietung der exklusiven Klubräume des 1. FC Union um 60 Prozent erhöht. Das ist wichtig für die großen Pläne der Wuhlheider.

Präsident Zingler versprach zum Saisonabschluss: „ Wir wollen endlich unseren Wohlfühlplatz im Mittelfeld der 2l Liga verlassen und nach oben gucken.“ Was nichts anderes heißt, als das die Unioner Hertha BSC nicht mehr allein aus der Hauptstadt den Platz an der Sonne in der Bundesliga überlassen wollen.

Hoffentlich schmieden die Eisernen ihre kühnen Pläne immer nach Kassenlage. Manchmal verzocken sich nämlich auch die cleveren Berliner. Nach der Saison 2013/14 erhielt Simon Terodde keinen Vertrag. Pech, denn in Bochum rückte er mit 16 Treffern an die zweite Stelle der Torjägerliste.

Der Verein aus der Wuhlheide wird nicht von großen Konzernen, sondern von Handwerkern und Klein-Unternehmern gesponsert, deshalb müssen sich auch die Eisernen manchmal verbiegen. Um 600 000 Euro für Neuverpflichtungen aufzubringen, musste die U23-Mannschaft dran glauben. Sie wurde aufgelöst. Andere Vereine wie Viktoria Berlin empfingen die Jungs mit offenen Armen. Ein Verein, der weiter Topfußball bieten will, muss sich nach der Decke strecken, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen.

Union will sich jetzt auf die Jugendabteilung konzentrieren. Offensichtlich mit Erfolg. Die A-Jugend gewann gerade den Berliner Landespokal und die B-Jugend stand im Finale. Nicht schlecht. Mal sehen, ob die Rechnung aufgeht.
 

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