Doppeltorschütze : Tore-Lust und Videospiel-Wahn: Dank Werner RB «bockstark»

Timo Werner durfte beim RB-Sieg in Berlin gleich zweimal über ein Tor jubeln.
Timo Werner durfte beim RB-Sieg in Berlin gleich zweimal über ein Tor jubeln.

Erst holen sich die jungen Leipziger Profis neuen Spaß an der Spielkonsole, dann schlagen sie auf den Rasen zu. Torjäger Werner ist wieder in einer Topverfassung und trifft beim Sieg in Berlin doppelt. Das hat gleich mehrere Gründe. Einer ist der «Fortnite-Wahn».

svz.de von
04. November 2018, 12:16 Uhr

Zum Feiern mit den Fans hüpfte Timo Werner auf einem Bein über die Bande, der rechte Fuß war dick bandagiert. «Er ist blau und dick, aber hat 70 Minuten gehalten. Deswegen: Alles gut», berichtete Leipzigs Doppeltorschütze nach dem 3:0 (1:0)-Sieg der erstarkten Sachsen bei Hertha BSC.

«Er ist im Moment der Spieler, der unsere Spielweise veredelt», sagte RB-Trainer Ralf Rangnick zufrieden zum Matchwinner. Werners vierter Doppelpack in der laufenden Saison - drei in der Fußball-Bundesliga, einer im Pokal - weckt neue Lust.

Als «bockstark» bezeichnete der Nationalstürmer selbst die Leipziger Leistung und auch die Vorbereitung seiner beiden Tore in Berlin (7. und 53. Minute). «Wir haben den Ball wieder super nach vorne gespielt, schnell über mehrere Stationen. Und wurden wieder belohnt», sagte der 22-Jährige. Nun schon zehn Mal nacheinander blieb Werners Team ungeschlagen, in den jüngsten sechs Pflichtspielen kassierten die Sachsen kein Gegentor. «Das ist der richtige Weg, den müssen wir weiter gehen. Die letzten Spiele haben gezeigt, dass wir es können. Das macht Vorfreude auf mehr», betonte Werner.

Schon bei seinem ersten Treffer habe er sich «irgendwie» verletzt, erzählte der Angreifer: «In der Halbzeit war die Frage, ob ich weiterspielen kann.» Die medizinische Abteilung erteilte ihm nach kurzer Untersuchung die Freigabe, in der zweiten Halbzeit traf er erneut. Seine Tore bejubelte Werner frei nach einem derzeit populären Videospiel wie der französische Weltmeister Antoine Griezmann.

«Wir sind im Fortnite-Wahn», berichtete Werner: «Es rückt uns einfach näher zusammen, auch wenn es nur vor der Konsole ist. Wir reden miteinander, wir haben Spaß. Das sieht man auch auf dem Platz.» Was Werner in Berlin zusammen mit seinen Offensivkollegen Bruma und Matheus Cunha auf den Rasen zauberte, war einfach zu schnell für die in dieser Saison erstmals zu Hause bezwungenen Herthaner. Der 19 Jahre alte Brasilianer Cunha stellte mit seinem Liga-Premierentor in seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn an den 3:0-Endstand her (75.).

Fast alle Hertha-Fans hatten schon zuvor ihrem Team die Unterstützung verweigert als Antwort auf das Kollektiv-Verbot des Vereins, der alle Banner, Spruchbänder und Blockfahnen im Stadion verboten hatte. Die Berliner Ultras stehen nach den massiven Ausschreitungen in Dortmund mit 45 Verletzten unter besonderer Beobachtung.

Für Werners Aufschwung nach durchwachsenem Saisonbeginn gibt es gleich mehrere Gründe. «Dadurch, dass wir ein bisschen anders spielen in dem System und der Trainer mir ein bisschen mehr Freiräume gibt, kann man sich viel besser freispielen», nannte der Knipser einen. Ein weiterer: Werner ist nach der WM-Belastung und -Enttäuschung sowie der knappen Saisonvorbereitung physisch wieder auf einem Toplevel.

«Ich bin fünf Wochen nach allen anderen ins Training eingestiegen. Ich war immer mal wieder angeschlagen, vielleicht auch nicht fit zu den ersten Spielen. Jetzt merke ich einfach, dass ich wieder richtig im Saft bin auch durch die Länderspiele. Es fühlt sich gut an, wieder zu laufen ohne sich ständig hinknien zu müssen und zu pumpen», sagte Werner. Sein Trainer ordnete das als «ein Stück normal» ein: «Dass er seinen Torinstinkt nicht verloren hat, ist auch klar.»

Mit 19 Punkten steht RB Leipzig nach zehn Runden auf Tuchfühlung zur Spitze. Werner sieht sein Team auf Champions-League-Kurs. «Was die Mannschaft gerade leistet, macht richtig Lust auf das, was vor uns liegt», bemerkte Rangnick, der mit seiner Mannschaft «schon ganz gerne vorne mitspielen» möchte.Celtic Glasgow am Donnerstag in der Europa League und Bayer Leverkusen am Sonntag in der Bundesliga sind die nächsten Aufgaben. Chefcoach Rangnick rechnet damit, dass der dicke Zeh seinen Topstürmer Werner dabei nicht behindern wird: «Ich gehe mal davon aus, dass es wieder geht.»

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