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Champions League : Schachtar Donezk: Ein Club im Exil

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Krieg hat auch bei Bayern Münchens Champions-League-Gegner alles verändert

Ein Bild aus einer anderen Zeit prangt auf dem Twitter-Account von Schachtjor Donezk. Es zeigt die Donbass Arena, das hochmoderne Stadion des ukrainischen Fußballmeisters. Das Flutlicht strahlt, auf den Tribünen stehen Tausende Fans, im Mittelkreis wird das Champions-League-Logo ausgebreitet. Das Foto ist wenige Monate alt – heute stehen vor der von Granaten beschädigten Arena Panzer. Hilfsmittel und Nahrung werden verteilt. Der Krieg hat alles verändert. An Fußball denkt in Donezk kaum noch jemand, Schachtjor ist längst geflohen, der Klub steht vor einer Zerreißprobe. Aus einer provisorischen Zentrale in Kiew wird die Verwaltung erledigt, das Training findet ebenfalls dort statt. Die Exponate des Klubmuseums wurden an einen „geheimen Ort“ gebracht. Schachtjors „Heimspiele“, so auch das heutige Champions-League-Achtelfinale (20.45 Uhr/Sky) gegen Bayern München, finden nun in Lwiw statt, ganz im Westen des Landes. Um überhaupt Zuschauer ins Stadion zu locken, wurden die Ticketpreise deutlich gesenkt.

Schachtjor, das Aushängeschild des osteuropäischen Fußballs, ist heimatlos geworden. Die Zukunft des Klubs ist völlig offen. Schachtjors Präsident, der milliardenschwere Oligarch Rinat Achmetow, einer der einflussreichsten Männer in der Ukraine, hat derzeit andere Sorgen als Fußball. In der Winterpause wurde nahezu jeder Spieler mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, im Sommer hatten einige aus Angst sogar die Wiedereinreise verweigert. Insgesamt 13 Brasilianer stehen im Kader Schachtjors, ambitionierte, junge, talentierte Fußballer, die dem Ruf des so erfolgreichen Vereins in der vergangenen Dekade gefolgt sind. Doch das war lange, bevor der Krieg begann.

Dennoch sind die Klubverantwortlichen bemüht, für die Fußballer so etwas wie Normalität zu schaffen. Auf die Begegnung mit den Münchnern hat sich das Team in Trainingslagern in Brasilien und Spanien vorbereitet - wie man das als ambitionierter Klub eben so macht. Alles soll so normal wie möglich sein, doch normal ist in diesen Kriegs-Tagen nichts.  

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