Nach Erdogan-Fotos : Türkischer Verband kritisiert DFB: "Diffamierende Aussagen"

Auch Ilkay Gündogan überreicht Recep Tayyip Erdogan ein Trikot von Manchester City. AP
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Auch Ilkay Gündogan überreicht Recep Tayyip Erdogan ein Trikot von Manchester City. AP

Der türkische Fußballverband bezeichnet die DFB-Kritik am Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan als inakzeptabel.

svz.de von
15. Mai 2018, 15:53 Uhr

Die "diffamierenden Aussagen" von DFB-Chef Reinhard Grindel habe er mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen, teilte der TFF-Vorsitzende Yildirim Demirören am Dienstag mit. "Die Ansichten des DFB-Vorsitzenden sind in keinster Weise hinzunehmen." Demirören - der als Gefolgsmann Erdogans gilt - warf Grindel vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen".

Hintergrund: Erdogan-Foto laut Gündogan kein politisches Statement

Die für den WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft nominierten Fußballspieler Özil und Gündogan hatten am Montag Kritik hervorgerufen, weil sie Erdogan bei einem Treffen in London Trikots ihrer Vereine überreichten. Grindel hatte den Spielern vorgeworfen, sich von Erdogan für Wahlkampfzwecke missbrauchen zu lassen. Er hatte außerdem mitgeteilt, der Fußball und der DFB stünden für Werte, "die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden."

 

Liverpools Can lehnte Einladung von Erdogan ab

Demirören teilte mit, es sei "ganz normal", dass die Spieler der Einladung Erdogans zu einem Treffen Folge geleistet hätten. "Dass unser Präsident, der ein ehemaliger Fußballer und ein passionierter Fußball-Liebhaber ist, viel dazu beigetragen hat, dass sich dieser Sport in der Türkei entwickelt, ist eine allseits gut bekannte Tatsache", sagte er. Liverpool-Profi Emre Can indes hatte eine entsprechende Einladung von Erdogan abgelehnt.

Der TFF werde ihren Wettbewerb um die Europameisterschaft 2024 "innerhalb der von der UEFA vorgegebenen Regeln" fortsetzen. Die Türkei ist einziger DFB-Konkurrent um die Ausrichtung der EM 2024, die am 27. September von der UEFA vergeben wird.

Löw nimmt Özil und Gündogan in Schutz

Bundestrainer Joachim Löw beendete derweil am Dienstag alle Spekulationen über einen WM-Rauswurf von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit wenigen Worten: "Selbstverständlich nicht. Daran habe ich nicht gedacht. Zu keiner Sekunde!" Dennoch war die Erdogan-Affäre bei der Nominierung des vorläufigen Aufgebots der Nationalmannschaft im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund am Dienstag ein Thema, das weder der Weltmeister-Coach noch DFB-Chef Reinhard Grindel ignorieren konnten.

"Das war keine glückliche Aktion. Wenn man für Deutschland spielt, dann vertritt man das Land und die deutschen Werte", sagte Löw. Und äußerte doch "ein bisschen Verständnis" für die schwierige Situation von Spielern mit Migrationshintergrund. "Es ist nicht immer so leicht, das unter einen Hut zu bringen."

(mit dpa)

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