12. Spieltag : Nagelsmann rügt Defensive nach 3:3 bei Hertha

Herthas Salomon Kalou (l) gegen Hoffenheims Torschützen Ermin Bicakcic im Zweikampf.
Herthas Salomon Kalou (l) gegen Hoffenheims Torschützen Ermin Bicakcic im Zweikampf.

Ganz nah war 1899 Hoffenheim am fünften Bundesliga-Sieg in Serie. Doch statt des erhofften Schwungs für die Champions League nimmt das Nagelsmann-Team nach einem 3:3-Spektakel aus Berlin eine Debatte um die Defensive mit.

svz.de von
24. November 2018, 18:53 Uhr

Am Sechs-Tore-Spaß von Berlin fand Julian Nagelsmann nur wenig Vergnügliches.

«Ich habe schon 15 Mal gehört, wie toll das ist, unsere Spiele anzuschauen», sagte der Trainer von 1899 Hoffenheim mit säuerlicher Miene, nachdem sein Team beim rasanten 3:3 bei Hertha BSC noch einen 3:1-Vorsprung verspielt hatte. «Die Haltung zur Defensive, die beginnt zwischen den Ohren», rügte der Coach seine Mannschaft für ihr einmal mehr ungenügendes Abwehrverhalten, das ihm nun auch für das Champions-League-Spiel gegen Schachtjor Donezk am Dienstag Sorgen machen muss.

Der krachende Ausgleichstreffer durch Herthas Valentino Lazaro in der 87. Minute verdarb dem Tabellensechsten nicht nur den fünften Sieg in Serie in der Fußball-Bundesliga. Zugleich legte der verspielte Punkte-Dreier erneut die Abwehrschwächen der Kraichgauer offen, mit denen sie schon in der Königsklasse ihre Chancen auf einen Einzug in die K.o.-Phase minimiert haben.

Nagelsmann geißelte daher in Berlin das «schöngeistige Spiel» seiner Elf und meinte sogar: «Wenn man es ganz nüchtern sieht, war es nicht so ein megaverdienter Punkt für uns.» Dabei sah es nach den Treffern von Kerem Demirbay schon in der ersten Minute, Andrej Kramaric (10.) und Ermin Bicakcic (55.) nach dem nächsten Sieg aus, mit dem die Gäste einen Vereinsrekord eingestellt hätten.

«Die ersten zwei Tore, da haben wir den Nikolaus vorgezogen und Geschenke verteilt», urteilte Hertha-Coach Pal Dardai. Auch der Ungar bemängelte in der Anfangsphase «Chaosmomente» bei seinem Team, das sich jedoch nie aufgab. Zwar bedeutete das Remis das sechste Spiel nacheinander ohne Sieg für die auf Rang acht liegenden Berliner, die aber dank der starken Aufholjagd am Ende Pluspunkte bei den Fans vor der Mitgliederversammlung am Montag sammeln konnten.

Vor 44.508 Zuschauern trafen Vedad Ibisevic (13.) und der eifrige Mathew Leckie (71.) für die Gastgeber, ehe der Österreicher Lazaro per Fernschuss das Unentschieden rettete. «Ein unglaubliches Lob für die Mannschaft» sprach der 22-Jährige danach aus.

Für einen Stimmungsaufheller nach der jüngsten Ergebniskrise hatte die Hertha schon vor dem Anpfiff gesorgt. Das Verbot von Bannern, das der Club wegen der massiven Ausschreitungen von Hertha-Anhängern in Dortmund verhängt hatte, war diesmal wieder aufgehoben. Doch schon nach 41 Sekunden verstummten die Gesänge im Hertha-Fanblock zum ersten Mal. Marko Grujic, der nach zwei Monaten Verletzungspause wieder in der Startelf der Gastgeber stand, verlor den Ball am eigenen Strafraum. Adam Szalais selbstlose Vorlage schob Demirbay zur Hoffenheimer Führung ein - sein erster Saisontreffer.

Es war der Auftakt für eine rasante Partie mit reichlich Action vor beiden Toren. Das 2:0 von Kramaric, den der oft überforderte Hertha-Ersatzverteidiger Derrick Luckassen aus den Augen verloren hatte, konterte Ibisevic umgehend. Auch danach erwärmten beide Teams die Zuschauer im eiskalten Olympiastadion mit ihrem Offensivgeist und einer Flut bester Torchancen.

Das 3:1 des freistehenden Bicakcic nach Demirbays Freistoß war keineswegs die Vorentscheidung. Leckie machte es nach Vorlage des eingewechselten Davie Selke noch einmal spannend, ehe Lazaro den Hertha-Kraftakt in der Schlussphase belohnte.

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