EM-Fans vor Ort in Frankreich : Rappelvolles Camp vom Fan-Klub der Nationalelf

Thomas Büter, Christian Grote, Leo Schlangen, Heinz Kröger und Theo Vogt (v.l.) kommen aus dem Saterland bei Oldenburg. Bis zum Achtelfinale begleiten sie die deutsche Elf.
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Thomas Büter, Christian Grote, Leo Schlangen, Heinz Kröger und Theo Vogt (v.l.) kommen aus dem Saterland bei Oldenburg. Bis zum Achtelfinale begleiten sie die deutsche Elf.

900 deutsche Fans, darunter viele aus unserer Region, fiebern in Paris gemeinsam Spiel gegen Polen entgegen

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16. Juni 2016, 07:30 Uhr

Die 180 Kilometer von Lille nach Paris zu den deutschen Spielen gegen Polen und Nordirland waren ein Katzensprung. Seit Montagnachmittag sind Ewald Keinert und ich im Fan-Camp des Fan-Klubs der deutschen Nationalelf. Das Stadion St. Denis ist neun Kilometer entfernt, der Prinzenpark nur vier.

Da ich diese Zeilen schreibe, ist aber noch nicht klar, ob es heute mit dem Bootstransfer ins Stade de France zum Spiel gegen Polen klappt. Die Seine führt nach dem Hochwasser vor drei Wochen immer noch sehr viel Wasser. Der Schiffsverkehr ist eingeschränkt, weil viele Boote nicht unter den Brücken durchkommen.

Die Nachwirkungen des Hochwassers sind auch noch auf dem Campingplatz zu spüren, der vollkommen geflutet war. Als wir ankamen, war Strom Mangelware, weil fast alle Verteiler Wasserschäden hatten. Viel Arbeit für die Elektriker. Aber auch die anderen Platz-Mitarbeiter sind von morgens bis abends im Einsatz. Vor allem der Schlamm muss beseitigt werden.

Der Stimmung unter den Fans tut das keinen Abbruch. Auch weil Camper bekanntlich als die Härtesten gelten. Wir hatten mit dem Strom aber Glück. Unser Nachbar überließ uns eine Steckdose. Maik Lüneburg aus Liebenburg in Nordfriesland. Ein Globetrotter in Sachen Nationalmannschaft. Als er hörte, dass wir aus Güstrow kommen, erzählte er uns, dass er bei der WM in Brasilien mit einem Güstrower unterwegs war. Ich brauchte gar nicht lange zu raten: Helmut Hübner, der Taxi-Schiedsrichter. Leider mussten wir Maik erzählen, dass „Hübi“ nicht mehr lebt.

Fast zur gleichen Zeit blieben zwei junge Leute vor unserem Auto stehen. Der Kölner Christian Unkelbach meinte, dass das Kennzeichen für Gütersloh stehe. Kevin Frick wusste es besser. „Es ist Güstrow. Da wohnen schließlich meine Eltern“, erzählte er.

So läuft es in solch einem Camp. Man kommt zufällig an einem Wohnmobil aus Bad Segeberg ins Gespräch und erfährt von Ulrike Riefstahl, dass sie mal in Güstrow gelebt hat. Jetzt wohnt die Familie in Hoppenrade bei Güstrow. „Alle drei Wochen fahre ich aus Hamburg in meine alte Heimat“, berichtete sie. In Hamburg hat die Bürokauffrau auch ihren Liebsten gefunden.

Seit vorgestern Abend haben wir neue Nachbarn. Thomas Büter, Christian Grote, Leo Schlangen, Heinz Kröger, Franz Wienhold und Theo Vogt kommen aus dem Saterland bei Oldenburg. Die Männer-Truppe fährt seit 1998 zu Welt- und Europameisterschaften. Immer montags treffen sie sich zum Altherren-Fußball. Sie begleiten die DFB-Elf bis zum Achtelfinale.

Das Fan-Camp ist mit 900 Fans aus ganz Deutschland rappelvoll. Alle haben ihre Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte bzw. die gemieteten Cottages mit Fahnen, Wimpeln oder Spruchbändern geschmückt. Die Besten werden vom Fan-Klub ausgezeichnet. Public Viewing findet immer im Fan-Zelt statt. Auf der weitläufigen Anlage gibt es ein Beachvolleyballfeld, Tischtennisplatte, Billard, Kicker und Fahrradverleih. Apropos Fahrrad: Wir waren vorgestern in Paris mit dem Fahrrad unterwegs, denn der Indigo-Platz liegt z.B. nur fünf Kilometer vom Eiffelturm entfernt, Paris’ 300 Meter hohes Wahrzeichen. Bei unserer Tour ließen wir es uns nach einem abschließenden Stopp im Hardrock-Cafe nicht nehmen, an allen Staus vorbei um den Triumphbogen und auf den Champs Elysees sowie entlang der Seine und durch den größten Park von Paris, den Bois de Boulogne, zum Fan-Camp zurückzuradeln.

Gestern war die Tour ähnlich: wieder das Zentrum, aber dann ein Gang durch die Tuilleries zum Louvre sowie Notre Dame. Heute sehen wir dann den nächsten deutschen Sieg. Um 13 Uhr geht es los. Wir müssen rechtzeitig da sein, denn in Paris soll es bis zu sechs Sicherheitskontrollen geben, ehe man im Stadion ist. Aber wir werden es locker nehmen. Und wenn es dazu beiträgt, dass alles ruhig bleibt, sind wir zufrieden.


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