Fanreporter berichtet : Nordiren besiegt – aber zu knapp

Die deutschen Fans haben die Traversen im Pariser Prinzenpark in leuchtendes Fahnenmeer verwandelt.
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Die deutschen Fans haben die Traversen im Pariser Prinzenpark in leuchtendes Fahnenmeer verwandelt.

200 Fans aus dem Camp der Nationalmannschaft vereinigt beim stimmungsvollen Fan-Walk in dem Prinzenpark

svz.de von
22. Juni 2016, 20:00 Uhr

Puh! Der 1:0-Sieg gegen Nordirland im Prinzenpark war trotz überwältigender Überlegenheit und Torchancen im Überfluss ein hartes Stück Arbeit. Man überlege sich nur, wenn die Grün-Betuchten bei null Torschuss, geschweige Chance, den Aussetzer von Hummels bestraft hätten. Aber es reichte, sogar zum gewünschten Gruppensieg und einem neuen Auftritt in Lille, wo die EM-Reise von Ewald Keinert und mir am 11. Juni mit dem Sieg gegen die Ukraine begonnen hatte.

Dabei waren nach dem Auftritt gegen Polen so manche Zweifel aufgekommen. Einige Pessimisten hielten sogar ein Weiterkommen als Gruppendritter für möglich. Aber so etwas als Weltmeister? Für Ewald Keinert war das kein Thema. Er tippte auf Sieg. Ich war nicht ganz so optimistisch, sah Deutschland als Zweiter. Für Ewalds Optimismus sprach allerdings die Stimmung, die die deutschen Fans schon vor dem Spiel verbreiteten. Ansonsten übertönten die nordirischen Gesänge alles, auch noch lange nach Abpfiff und trotz der Niederlage. Aber so sind diese Fans von der Insel.

Aber zurück zur Stimmung der Deutschen. Mit einem beeindruckenden Fan-Walk machten sich 200 Fans aus dem Fan-Camp Indigo des Fan-Klubs der deutschen Nationalmannschaft am Dienstagnachmittag um 15 Uhr Richtung Prinzenpark auf den Weg, denn das Stadion liegt vom Campingplatz nur fünf Kilometer entfernt. Angeführt wurden sie von „Maulwurf“, seinem Megafon und der fahrenden Musikbox mit allen deutschen Fan-Hits.

In dem Tross war auch Lutz Bartel. Der Fürstenwalder kam ohne Anmeldung ins Camp. Ich traf ihn zufällig in der Rezeption. Er erzählte mir, wenn wir ihn mit seinem Auto auf unsere Parzelle lassen würden, dann dürfe er bleiben. Wir waren einverstanden, normale Hilfe unter Campern.

Wir machten uns mit ihm schnell bekannt und erfuhren, dass er, im Harz geboren, Dreifach-Fan ist: Hansa, Union Berlin und Magdeburg, dokumentiert mit Fanartikeln an seinem Auto. Der 55-Jährige, der gern nach Rostock kommt, machte uns auch mit seinen nordirischen Freunden bekannt, die auf dem Zeltplatz waren. Wir lernten Willy Anderson und seinen Sohn Will aus Portadown kennen. Eine fußballverrückte Familie. Vater Willy kickt immer noch in Nordirlands Ü50-Nationalelf.

Eine mich sehr berührende Begegnung gab es noch einmal zu Helmut „Hübi“ Hübner, dem Güstrower, der sich seit der Wende kaum ein Spiel der Deutschen hatte entgegen lassen und der kurz nach seinem Erlebnis Brasilien-WM verstorben war. Maik Lüneburg, unser Nachbar, der mit Helmut bei der WM auf einem Zimmer im Fan-Camp war, rief mich kurz vor dem Stadion zu sich. Er machte mich mit Christian Kaiser bekannt. Der Münchener war ebenfalls bei der WM in Brasilien und hatte dort Helmut Hübner kennengelernt. Er zeigte mir in seinem Handy ein Foto mit Helmut. Das war für mich ein sehr bewegender Moment.

Auf dem Weg zum Stadion war dieses Mal wieder sehr viel Polizei zu sehen – CRS, die Polizei national. Schwer bewaffnet riegelten die Polizisten alle Nebenstraßen ab und übernahmen die erste Eingangskontrolle. Danach gab es weitere drei Kontrollen, wieder durch Security, mit Leibesvisitation und Taschenkontrolle. Alles lief reibungslos, inzwischen nehmen wir die Militär- und Polizeipräsenz gelassen und als gegeben hin. Ich fotografiere mich, um zu beweisen, dass es trotz der ernsten Lage locker zugeht, mit einem Polizisten und einem Sicherheitsbeamten.

Keinen Stress gab es mit den Nordiren. In ihrem Grün fielen sie schon am Tag in der Stadt auf. Wir besuchten mit dem Fahrrad noch zwei Pariser Empfehlungen, die wir sehen wollten: den Place des Vosges, einen der ältesten und schönsten Plätze der Seine-Metropole, und „Au Vieux Paris“, eine der ältesten Pariser Gaststätten, nahe Notre Dame. Wie überhaupt sowohl wir als auch viele andere Fans die EM mit der Besichtigung der Pariser Sehenswürdigkeiten verbanden. Bei uns waren das Eiffelturm, Arc de Triomphe, der Louvre mit den Tuilleries, das Centre Georges Pompidou, die Ile de la Cité mit Notre Dame und das gut 20 Kilometer entfernte Versailles. Die meisten Touren fuhren wir mit dem Fahrrad.

Gestern hatten wir ein volles Programm mit Seine- und Sightseeing-Busfahrt, Besuch des Louvre und des Spiels Island gegen Österreich. Heute geht es nach Hause. Au revoir Paris, au revoir Frankreich!

Hans-Jürgen Kowalzik


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