Nach Anschlag auf BVB : Auf der Suche nach Normalität

Nachdenklich:  Thomas Tuchel geht auch mit der Uefa hart ins Gericht.
Nachdenklich: Thomas Tuchel geht auch mit der Uefa hart ins Gericht.

Nach dem Sprengstoffanschlag auf ihren Teambus geht für die Dortmunder heute der Bundesliga-Alltag weiter

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14. April 2017, 21:00 Uhr

Die Profis von Borussia Dortmund verarbeiten immer noch den „schlimmsten Tag ihres Lebens“, doch Schritt für Schritt wollen sie in die Normalität zurückkehren. Der Verein hat seinen Spielern dafür professionelle Hilfe durch Psychologen angeboten. Thomas Tuchel geht allerdings von einer längeren Verarbeitungsphase des schockierenden Sprengstoffanschlags auf den Mannschaftsbus aus. „Wir müssen einen Weg finden, damit klarzukommen. Wir wissen aber noch nicht, wie das passieren wird. Es ist unglaublich schwer, darüber zu sprechen. Wir können das nur untereinander teilen und verstehen“, sagte der BVB-Coach vor dem heutigen Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Man müsse aber einen Weg finden, um in die Normalität zurückzukehren, so Tuchel.

Der Trainer war daher darum bemüht, den Fokus auf das Sportliche zu lenken. Er arbeitete die 2:3-Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen AS Monaco mit seinen Spielern anhand der statistischen Daten auf und bereitete sie seit gestern Nachmittag auf das Spiel gegen die Hessen vor, bei dem Nationalspieler Marco Reus nach überstandenem Muskelfaserriss im Oberschenkel sein Comeback nach sechswöchiger Verletzungspause in der Startelf geben wird. „Wir müssen versuchen, mit der Zeit einen Umgang damit zu finden, der es uns erlaubt, wieder mit Spaß an die Sache heranzugehen. Wir wollen am Sonnabend auf dem bestmöglichen sportlichen Level spielen“, sagte Tuchel. Er weiß aber um die Schwierigkeit dieser Aufgabe. „Du bist der beste Sportler, wenn du dir keine Sorgen machst“, sagte der 43-Jährige.

Frei von Sorgen sind die BVB-Profis noch lange nicht. Dies wurde nach dem Königsklassen-Spiel gegen Monaco keine 24 Stunden nach dem Attentat auf den Teambus mit drei Explosionen deutlich. Ihr „Therapiezentrum“ Signal-Iduna-Park verließen die Spieler mit einer Mischung aus Wut, Enttäuschung und Unverständnis. Niemand konnte verstehen, warum sie nach so kurzer Zeit wieder auf die große Fußball-Bühne geschickt wurden. „Wir sind keine Tiere, wir sind Menschen, die Familie und Kinder zu Hause haben. Ich fühle mich wie ein Tier, nicht wie ein Mensch. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben“, sagte Abwehrchef Sokratis. Seine sichtlich mitgenommenen Mitspieler teilten diese Einschätzung. „Dass man mit Fußball ein Zeichen setzen soll, ist weit entfernt von meinem Verständnis“, erklärte Nuri Sahin, während Weltmeister Matthias Ginter betonte, dass „von unserer Seite aus niemand spielen wollte“.

Inzwischen ist eine Diskussion darüber entbrannt, warum das Spiel bereits am Mittwochabend wieder angesetzt wurde. Tuchel kritisierte die Europäische Fußball-Union (Uefa) scharf, diese wies in einer Erklärung darauf hin, dass die Entscheidung „gemeinsam mit allen Beteiligten gefallen“ sei. Sie hätte zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Anzeichen bekommen, dass nicht gespielt werden sollte. Tuchel konnte das nicht beruhigen. „Wir waren in die Entscheidung überhaupt nicht eingebunden. Das hat die Uefa in der Schweiz entschieden. Das ist kein gutes Gefühl, es war ein Gefühl der Ohnmacht. Die Termine werden vorgegeben, und wir haben zu funktionieren“, sagte Tuchel und erklärte, dass man behandelt worden sei, „als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen“.

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