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Güstrower EM-Fan-Crew : „Allez, les Bleus!“ half nicht – Portugal heißt der Champion

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Güstrower EM-Fan-Wohnwagen-Crew erlebte ein Finale in einer einmaligen Atmosphäre / Heute wieder zu Hause

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Unsere Güstrower EM-Fan-Wohnwagen-Crew mit Ewald Keinert und SVZ-Reporter Hans-Jürgen Kowalzik, zum Finale mit Dieter „Charly“ Schult aufgestockt, hatte sich kurzfristig entschieden, das EM-Endspiel zu erleben. Allerdings hatten wir eins mit Deutschland eingeplant, auch wenn unsere Tipps nicht übereinstimmten: Ewald sah die Deutschen gegen Frankreich mit 2:1 vorn, Charly mit 3:1, mit zwei Müller-Toren. Ich war der Pessimist (oder Realist?) in unserem Trio: 2:0 für Frankreich.

Das Halbfinale erlebten wir in Aachen, unsere Zwischenstation auf dem Weg nach Paris, im „Schwan“ auf dem Markt am Alten Rathaus, den Dom im Blick. Die Begeisterung war riesengroß, in den vielen Gaststätten war kein Platz mehr zu bekommen. Unser Fazit: Frankreich war zwei Tore besser und ist verdient ins Finale gekommen.

 

Die Fans erlebten das Deutschland-Spiel unterschiedlich. Wir trafen Duisburger auf dem Fan-Campingplatz, die sich übrigens schon auf die Liga-Duelle mit Hansa freuen. Sie hatten beide Halbfinals geordert und nahmen das deutsche Ergebnis sportlich-gefasst auf. Eine Hamburger Familie versicherte uns, dass sie das Viertelfinale in Bordeaux mit dem Italien-Krimi nie vergessen werde. Marseille war ihr aber mit zwei kleinen Kindern zu weit. Sonntag saßen sie jedoch wieder im Stade de France. Münchener Fans dagegen hätten für das Endspiel nur Karten gehabt, wenn sich Deutschland qualifiziert hätte. Das müssen sehr viele Fans so organisiert haben, denn das Fan-Camp in Paris war längst nicht mehr so voll wie zu Beginn der EM.

Wir zogen unser Programm trotzdem durch. Schon am Freitagabend waren wir bis nach Mitternacht rund um den Eiffelturm unterwegs. Sonnabend stiegen wir noch auf den Arc de Triomphe und fuhren mit unseren Rädern auf der Avenue des Champs-Élysées bis zum Louvre und bis Notre Dame. Vor dem Endspiel entschieden wir uns für einen Montmartre-Rundgang und für Sacre-Coeur. Dort und überall in der Stadt beherrschte das Rot-Grün der Portugiesen und das Blau-Weiß-Rot der Gastgeber die Atmosphäre. Aber alles ging friedlich-freundschaftlich zu. Ich könnte nicht annähernd schätzen, wie viele Selfies unter den Fans gemacht wurden.

Das Stadion bot ein ähnliches Bild. Allerdings waren die Franzosen klar in der Übermacht. Ich schätze, dass nicht einmal 10   000 Portugiesen da waren. Deutsche sah man ebenfalls sehr viele, aber auch Schweden und die beliebten isländischen Fans. Im Trubel der 80  000 konnten wir es nicht fassen, als wir auf einmal hörten: „Da sind ja meine Güstrower wieder.“ Vor uns stand Kay Meier, den wir mit Martin Haak schon im Stadion in Lille getroffen hatten. Kay holte aus seinem Rucksack eine große Fahne mit den Logos von Hansa und dem Güstrower SC hervor. Darunter stand in riesigen Lettern: Güstrow. Tolle Werbung für unsere Heimatstadt und unseren Lieblingsverein bei einem EM-Endspiel. Ein Portugiese fotografierte uns. Mehr geht nicht!

Irgendwie aber doch. Der Zufall wollte es, dass wir einige Minuten am VIP-Aufgang des Stadions standen. Innerhalb weniger Minuten hatte ich Fotos mit Lewan Kobiaschwili (früher Freiburg, Schalke, Hertha) und Otto Rehhagel im Kasten. Vielleicht war das ein Omen für den Ausgang des Finales. Portugal wurde letztlich doch überraschend Europameister und das auch noch zum ersten Mal – eben wie 2004 die Griechen unter Trainer Rehakles.

Die Deutschen, hörten wir, wollten sich in die gute Stimmung einbringen. In der 60. Minute wollten sie „Die Nummer eins der Welt sind wir“ anstimmen. Daraus wurde nichts. Dazu waren die Fan-Gesänge der beiden Final-Rivalen zu übermächtig. Besonders die Franzosen stimmten immer wieder ihr „Allez, les Bleus!“ – „Vorwärts, ihr Blauen!“ – an. Aber es half der Mannschaft dieses Mal nicht. Auch wenn sie acht gefährliche Chancen hatten und die Portugiesen nur vier, siegten die Kicker von der iberischen Halbinsel mit 1:0. Wir waren uns einig: Sieg ist natürlich Sieg. Den feierten sie. Lange Autokorsos und Hup-Konzerte machten die Pariser EM-Finalnacht zum Tag. Es war gigantisch, was wir da miterlebten. Trotzdem: Als Gruppendritter und ohne einen Erfolg in der Vorrunde Europameister zu werden, das ist ein neues Kapitel, das der Fußball-Gott geschrieben hat.

Und wir waren dabei. Wir haben es nicht bereut, zum Finale gefahren zu sein. Es war der I-Punkt auf unsere erste EM, die wir erlebt haben. Es wird nicht unsere letzte sein. Und dazwischen gibt es ja auch noch die nächste WM in Russland…



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