Fußball-Gehälter Männer und Frauen : Gleicher Lohn für gleiche Tore?

Die deutsche Frauen-National-Elf beim Training
Die deutsche Frauen-National-Elf beim Training

Frauen und Männer verdienen im Fußball sehr unterschiedlich. Ein Sportökonom und der DFB verteidigen die Ungleichheit.

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11. Juni 2019, 05:00 Uhr

Gleicher Lohn für gleiche Tore? Die ungleichen Gehälter und Prämien von Männern und Frauen im Fußball sorgen mit dem Start der WM für heftige Diskussionen. Auch Wirtschaftsexperten mischen mit. „Aus ökonomischer Sicht ist die Forderung nach gleichen Gehältern nicht berechtigt, denn die Arbeitsmärkte für weibliche und männliche Spieler existieren völlig getrennt voneinander“, sagte Sportökonom Frank Daumann.

Frauen generieren weniger Erlöse

Hintergrund: Während die Frauen, die mit einem 1:0-Erfolg über China in das Turnier gestartet waren, für den Weltmeistertitel 75 000 Euro pro Spielerin erhalten würden, hätten die Männer bei einem Erfolg im vergangenen Jahr in Russland 275 000 Euro mehr pro Mann verdient. Laut einer Übersicht von statista verdienen die Fußballerinnen in der Bundesliga in der Saison 2017/18 im Schnitt etwa 43 730 Euro jährlich. In der Bundesliga der Herren sind es im Schnitt 821 000 Euro. Beim Rekordmeister FC Bayern München kassieren die Stars sogar 5,68 Millionen Euro jährlich. Ist das noch fair?

In punkto WM kann Daumann, Experte an der Universität in Jena, die Argumente des Deutschen Fußball-Bundes nachvollziehen. Der Verband hatte die unterschiedlichen WM-Prämienzahlungen damit verteidigt, dass die Frauen-Nationalmannschaft bei weitem nicht die Erlöse erzielt wie das Männer-Team. Daumann unterstrich, dass dieser sogenannte Gender Paygap nicht nur gesellschaftspolitische, sondern auch wirtschaftliche Ursachen habe. „Ein Spieler kann maximal nur das verdienen, was er für den Verein auch erwirtschaftet“, sagte Daumann. „Würden gleiche Gehälter gezahlt werden, wäre das eine Form der Subventionierung.“

DFB-Kapitänin Popp hält nichts von Neid-Debatte

DFB-Interimspräsident Rainer Koch sagte: „Aktuell ist es so, dass mit der Frauen-Nationalmannschaft bei weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden.“ Man müsse mit den Frauen gemeinsam daran arbeiten, die Erlöse zu steigern. „Man kann nur Gleiches gleich behandeln.“

Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (51) sieht es ähnlich: „Wir generieren nicht die Gelder, also können wir sie auch nicht in der gleichen Höhe fordern. Ungerecht sind Gehälter dort, wo Männer und Frauen sich auf der gleichen Ebene bewegen und die Arbeitsbedingungen gleich sind.“ DFB-Kapitänin Alexandra Popp (28) hält ebenfalls nichts von einer Neid-Diskussion: „Die Fifa hat die WM-Prämien jetzt verdoppelt. Vielleicht sollte man bei der Diskussion die Kirche im Dorf lassen.“ Für den EM-Titel 1989 hatte es vom DFB ein Kaffee-Service gegeben.

Fifa-Präsident Gianni Infantino kündigte unterdessen auch für den Frauenfußball neue Wettbewerbe an, regte die Schaffung einer „Weltliga“ für Nationalmannschaften und einer Klub-WM an. „Wir wollen viel mehr tun“, sagte der Schweizer. „Wir müssen den Frauenfußball promoten.“ In einigen Ländern sei der Fußball ein „von Männern, von Machos dominierter“ Sport. „Aber die Dinge ändern sich“, sagte Infantino.

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