DDR-Länderspiel : Historisches Himmelfahrtskommando

Historisch: Matthias Sammer erzielte die beiden letzten Tore der DDR-Nationalmannschaft.
Historisch: Matthias Sammer erzielte die beiden letzten Tore der DDR-Nationalmannschaft.

Heute vor 25 Jahren: Fußball-Nationalelf der DDR siegt in ihrem letzten Länderspiel mit 2:0 in Belgien

svz.de von
12. September 2015, 16:00 Uhr

2:0 gegen Belgien, zwei Tore von Matthias Sammer: Auf dem Papier war das letzte Spiel einer DDR-Fußballauswahl heute vor 25 Jahren ein voller Erfolg. Doch dem damaligen Auswahltrainer Eduard Geyer schwillt heute noch der Kamm, wenn er an seine Stars denkt. Die meisten zeigten ihrem Coach am 12. September 1990 die kalte Schulter und pflegten lieber ihre Westkontakte.

Windige Berater und Manager gingen bei den Ost-Clubs ein und aus, die Top-Spieler hatten am 293. und letzten Auswahlspiel der DDR kaum Interesse. „Ulf Kirsten, Andreas Thom, Thomas Doll – alle ließen sich durch fadenscheinige Begründungen entschuldigen“, erinnert sich der 70-Jährige in einem neuen Buch „Einwürfe“ (erscheint am 16. September).

In Brüssel wollte man sportlich mit Anstand von der Weltkarte verabschieden. Die Stimmung im Brüsseler Constant-Vanden-Stock-Stadion war getragen von Wehmut. Von der DDR-Hymne wurden alle drei Strophen gespielt. Insgesamt 36 Spieler hatte Geyer zu diesem Spiel eingeladen. Gerade mal 14 Spieler fanden den Weg nach Brüssel. „Sie haben die Botschaft verstanden, die wir aussenden wollten“, sagt Geyer. Zum Glück für die DDR-Auswahl war Matthias Sammer dabei. „Mit seinen zwei Toren machte er sich unsterblich. Es tat uns natürlich gut, dass er dabei war“, sagt Geyer über seinen Matchwinner. Es waren die Treffer 500 und 501 der DDR-Auswahlgeschichte. Nach der Partie wechselte Sammer in die Bundesliga zum VfB Stuttgart. Im Dezember 1990 wurde der gebürtige Dresdner als erster DDR-Auswahlspieler gegen die Schweiz im Team des Deutschen Fußball-Bundes eingesetzt.

Außer Sammer waren durchweg Spieler der zweiten Reihe im „Himmelfahrtskommando“ (Geyer) in Belgien aufgeboten. Aber auch sie wurden vor und nach dem Match von Spielerberatern umlagert. „Ich weiß noch genau, wie nach dem Spiel diverse Spielerberater um uns herumturnten. Es war beschämend, wie sich einige von denen aufführten“, sagt Geyer: „Ich dachte ich wäre auf dem Sklavenmarkt. Ich fand es erschreckend, wie da gefeilscht und gehandelt wurde.“

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