FC Hansa Rostock : Zukunft heißt Hansa GmbH

Informierten gestern über die Ausgliederungspläne der Profi-Abteilung beim FC Hansa: Vorstandsvorsitzender Michael Dahlmann (rechts) und Vorstandsmitglied Rainer Friedrich.
Informierten gestern über die Ausgliederungspläne der Profi-Abteilung beim FC Hansa: Vorstandsvorsitzender Michael Dahlmann (rechts) und Vorstandsmitglied Rainer Friedrich.

Der notorisch klamme Rostocker Fußball-Drittligist könnte mit der Ausgliederung der Profi-Abteilung externes Kapital akquirieren.

svz.de von
29. April 2015, 08:00 Uhr

Gleich mehrere Paukenschläge beim FC Hansa: Der Rostocker Fußball-Drittligist will seine Profi-Abteilung aus dem Gesamtverein ausgliedern und so strategischen Partnern ermöglichen, sich daran zu beteiligen. „Ich glaube, dass das der Weg ist, der für den FC Hansa Rostock in der Zukunft der richtige ist. Wir haben damit die Möglichkeit, wirtschaftlich auf gesunden Füßen zu stehen und auch sportlich wieder andere Ziele anzupeilen“, sagte Michael Dahlmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins.

Der Club ist offenbar bereits in weit gediegenen Gesprächen mit einer Investorengruppe – zu der Friedemann Kunz (Scanhaus Marlow) gehören soll –, die bereit ist, 45 Prozent der Anteile an der neugegründeten FC Hansa Rostock GmbH & Co KGaA zu kaufen. Dabei handelt es sich um eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, deren Komplementär eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist, die wiederum zum Verein gehört. „Es ging darum, das Mitspracherecht der Mitglieder im höchsten Maße zu wahren. Das ist bei dieser Rechtsform, die es unter anderem auch bei Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach gibt, ideal. Die Partner können sich mit Kapital beteiligen, aber ohne Stimmrecht. Sie sind praktisch Kommandisten. Für uns war es wichtig, die Vereinsstruktur, die Kompetenzen und Satzungen so wenig wie möglich zu verändern“, erklärt Dahlmann, der von einem großen Entgegenkommen der Investoren sprach.

Mit der zu erwartenden Einnahme im zweistelligen Millionenbereich schwimmt der FC Hansa zukünftig jedoch nicht im Geld, sondern wird seinen größten Gläubiger, die Deutsche Kreditbank, aus der Stadiongesellschaft auslösen, so dass die Arena in das Eigentum des Vereins übergeht. Eine Übereinkunft mit der DKB wurde offenbar bereits getroffen. Damit würde auch der Vertrag über die Namensrechte – läuft noch bis 2017 – vorzeitig enden und der alte Name „Ostseestadion“ zurückkehren.

Arena heißt künftig wieder Ostseestadion

Ein großes und zugleich wichtiges Zugeständnis an die breite Fanbasis der Rostocker, die einer Ausgliederung skeptisch gegenüber steht. Bereits am Montagabend wurden ausgewählte Vertreter verschiedenster Fanclubs von Mitgliedern des Aufsichtsrates und des Vorstandes über das anstehende Vorhaben des Vereins informiert. „Wir wussten, dass die Fanszene nicht hurra schreit. Doch ich denke, dass wir deutlich machen konnten, dass es nicht so etwas Schreckliches ist, wie immer alle denken. Ich hatte den Eindruck, dass wir viele Ängste nehmen konnten“, sagte Michael Dahlmann.

Der Vorstandsboss sieht die Ausgliederung als den einzigen praktikablen Weg an: „Wir haben von der Gesamtverschuldung von über 30 Millionen Euro durch den Schuldenschnitt im vergangenen Jahr zehn Millionen runterbekommen und konnten das negative Eigenkapital um sechs Millionen reduzieren. Jetzt mussten wir aber erkennen, dass es einfach nicht reicht. In den vergangenen Jahren sind derartige Verbindlichkeiten aufgelaufen, die für uns in der Liga, in der wir uns jetzt bewegen und hoffentlich auch bleiben, nicht finanzierbar sind. Die Infrastruktur ist auf Bundesliga, zumindest 2. Liga ausgelegt. Sie ist nun einmal da und muss finanziert werden. Das ist in der 3. Liga ganz schwer. Daher ist der Schritt alternativlos.“

Am 10. Mai um 14 Uhr wird der FC Hansa auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der DKB-Arena über seine Pläne informieren. Dort sollen sich dann auch die strategischen Partner den Mitgliedern stellen und ihre Fragen beantworten. In einer ersten Abstimmung, bei der die einfache Mehrheit genügt, will der Club von seinen Mitgliedern wissen, ob er sich weiter mit dem Thema der Ausgliederung beschäftigen soll. Auf der turnusmäßigen Mitgliederversammlung im November würde – bei positivem Entscheid in gut einer Woche – über die Ausgliederung abgestimmt. Dann wären 75 Prozent der Stimmen der anwesenden Mitglieder nötig.

Außerordentliche Mitgliederversammung

Wird der Antrag des Vorstandes von der Mitgliederversammlung abgelehnt, stünde Hansa wahrscheinlich vor einem Trümmerhaufen. Die Lizenz für die kommende Saison wäre in ernsthafter Gefahr, sogar eine mögliche Insolvenz des Clubs denkbar. „Der Deutsche Fußball-Bund ist in unsere Pläne eingeweiht. Bis zum 28. Mai um 15.30 Uhr müssen wir die Bedingungen und Auflagen erfüllen. Dann fällt der Hammer, muss alles vorliegen und sicher sein. Intern haben wir das Ziel, bereits am 21. Mai fertig zu sein“, so Michael Dahlmann, der verrät, dass das Kapital der Investoren bereits zur Verfügung steht, wenn die außerordentliche Mitgliederversammlung dem Vorstand den Auftrag erteilt, eine Ausgliederung vorzubereiten: „Das Geld fließt schon.“ Ein großer Vertrauensbeweis an den Verein.

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