zur Navigation springen

Fußballverein FC Hansa Rostock : Wurzeln in Sachsen, Heimat an der See

vom

Die Wurzeln im Erzgebirge, die Heimat an der Küste: Schneider und Hahnel haben dem FC Hansa Rostock ihren Stempel aufgedrückt. Die beiden sächsischen Torhüter schauen jedoch auch nach Aue.

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2011 | 11:27 Uhr

Die Wurzeln im Erzgebirge, die Heimat an der Küste: Dieter Schneider und Jörg Hahnel haben dem Fußballverein FC Hansa Rostock ihren Stempel aufgedrückt. Die beiden sächsischen Torhüter schauen jedoch auch nach Aue und freuen sich über eine "sensationelle Entwicklung".

Ein Kaffee steht für Dieter Schneider in den Katakomben des Ostseestadions immer bereit. Und das, obwohl der ehemalige DDR-Fußball-Nationaltorhüter seit nunmehr einem halben Jahr nicht mehr für den FC Hansa Rostock arbeitet.

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga fiel der 61-Jährige den Sparzwängen des Clubs zum Opfer. "Das hält mich aber nicht davon ab, meine ehemaligen Kollegen regelmäßig zu besuchen", sagt der einstige Platzwart, der im sächsischen Lauter - der Wiege des FC Hansa - geboren wurde.

Im wenige Kilometer entfernten Crandorf erblickte auch Hansa-Stammkeeper Jörg Hahnel das Licht der Welt. Die beiden westsächsischen Torwart-Generationen prägten und prägen die Historie des norddeutschen Traditionsclubs.

"Als ich in Rostock in die Schule kam, hat mich keiner verstanden, da ich erzgebirgisch sprach", erinnert sich Schneider, den in Rostock alle nur "Schnartz" nennen. Nach über 50 Jahren Küstenleben hat sich dies geändert: Schneider schnackt ein wenig platt. Ganz anders hört sich das noch bei Jörg Hahnel an. Nach drei Sätzen ist klar, woher er stammt.

Dennoch haben beide eins gemeinsam: Sie wollen an der Ostsee bleiben. "Ich habe meine Familie hier", erzählt Hahnel, der seit fünf Jahren in Rostock spielt und vor kurzem Vater wurde.

Dennoch verfolgen die beiden Torhüter genau, wie sich der Fußball in der alten Heimat entwickelt. Im Fokus: Zweitligist FC Erzgebirge Aue. "Es ist eine sensationelle Entwicklung, die die Mannschaft hinlegt", meint Hahnel, der 16 Jahre in Aue spielte. "Wenn man aber genauer hinschaut, hat sich in der Vereinsstruktur selbst nicht viel verändert. Das macht den Verein auch irgendwie sympathisch."

Doch passt Aue auch in die 1. Bundesliga? Schneider, der mit dem Rostocker Traditionsteam schon oft am Auer Oldie-Turnier teilgenommen hat, sagt: "Wenn es passieren sollte, darf man nicht den Fehler machen, mit Krampf die Klasse halten zu wollen. Lieber das Geld einstecken und den Verein damit auf Jahre hinaus auf finanziell sichere Beine stellen."

Wie Aue schnuppert auch der FC Hansa am Aufstieg - an der Küste streben die Verantwortlichen den Sprung in die 2. Liga an. "Das ist überlebenswichtig", macht Schneider klar, der 18 Jahre im Kader der 1. Mannschaft stand. Zwischen 1968 und 1986 spielte er 349 Mal für Hansa. In der DDR-Auswahl war er hinter dem legendären Torwart Jürgen Croy aus Zwickau sowie Wolfgang Blochwitz (Jena) die Nr. 3, brachte es auf drei A-Länderspiele. 1972 gehörte er zur DDR-Elf, die bei Olympia Dritter wurde. "Das kann mir keiner nehmen", sagt Schneider, der in Jörg Hahnel einen sehr guten Torhüter sieht: "Er gehört zu den besten der 3. Liga und kann auch in der 1. und 2. Bundesliga bestehen."

Schneider selbst steht nicht mehr im Tor. "Ich habe dieses Jahr einen Schlussstrich gezogen. Nicht, dass noch einer sagt: ,Was will der alte Sack noch im Tor", erzählt der Sohn von Rudolf Schneider, der einer der Spieler war, die 1954 auf politischen Druck der DDR-Führung von Lauter im Erzgebirge zwangsweise nach Rostock wechseln mussten. Da es damals zwar ein neues Stadion in der Hansestadt gab, aber keinen hochklassigen Verein, wurde die Oberliga-Mannschaft von Empor Lauter an die Küste umgesiedelt.

Ihre Wurzeln in Sachsen vergessen beide nie. "Ich reise zwei bis dreimal im Jahr nach Lauter zur Verwandtschaft. Ich liebe es, dort Urlaub zu machen", sagt Schneider. "Aber ich würde die Ostseeküste nie gegen das Erzgebirge eintauschen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen