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Hansa-Krise : Worum es eigentlich geht?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Waren enttäuschte Investorenhoffnungen Auslöser der Hansa-Vertrauenskrise?

von
erstellt am 26.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Mit dem Stadion-Neubau fing wohl alles an: Ein Millionenunterfangen, das durch Abstieg in die dritte Liga schlicht überdimensioniert war. Hier liegt die Ursache für die chronisch klamme Kasse, die alljährlich zu existenziellem Wettlauf um die Lizenz führt. Im Mai dieses Jahres jedoch schien ein Knoten durchschlagen: Mit dem offenbar potenten Investor Rolf Elgeti, dem einstigen „Wunderknaben“ der Londoner Investment-Szene und gebürtigen Rand-Rostocker, hatte Vorstandschef Michael Dahlmann (auf Anregung eines ehemaligen Aufsichtsrats) einen vermeintlich propperen Fisch an Bord gezogen, der nicht mehr nur für kurzfristige Überbrückung sorgen, sondern Garant für eine strategische Entschuldung und Sanierung des Konzerns Hansa Rostock sein sollte.

Noch in der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10. Mai sang Aufsichtsratschef Harald Ahrens ein Hohelied auf seinen Vorstandschef: „Wir haben einen kompetenten und kreativen Vorstand gefunden, der nicht aus dem Sportbusiness kam, sondern aus dem Finanzwesen. Und der mit all seinem Know-how und seiner Power wie ein Löwe um die Entschuldung des Vereins kämpft“, sagte Ahrens damals. Der neuerlich drohende Lizenzentzug sei dank Dahlmanns Konzept verhindert worden. Ahrens warb für die Ausgliederung der Profi-Abteilung und versuchte Bedenken gegen den Investor Elgeti zu zerstreuen: „Es geht um eine faire strategische und langfristige Partnerschaft.“

Dem Aufsichtsrat lag am 20. April ein Konzept mit zwei strategischen Partnern vor: Für die mittel- und langfristige Entschuldung sollte „Partner E“ einstehen (Elgeti). Für die kurzfristige Deckungslücke von drei Millionen Euro sollte zum zweiten Mal „Partner A“, die Rostocker Vermögensverwaltungsfirma Enex, einstehen. Die hatte bereits im Jahr zuvor eine Liquiditätslücke von einer Million Euro geschlossen, indem sie die Hansa-Geschäftsstelle kaufte und an Hansa zurückvermietete (Sale and lease back). In ähnlicher Weise sollte sie nun die drei-Millionen-Lücke überbrücken, hatte aber als Sicherheit für die erforderliche Bankfinanzierung eine erstrangige Grundschuld auf das Stadiongelände „inklusive aufstehender Bauten“ gefordert.

Dieses Modell schien dem Vorstand zu riskant, warnte er in der Aufsichtsratssitzung am 20. April. Schließlich erwarte auch Elgeti für sein Millionen-Engagement Sicherheiten. So enthielt auch dessen Konzept vom 20. April den Passus, wonach er das Stadiongelände „im Sinne des Vereins entwickeln“ wollte. Wenn der Groß-Investor zugunsten des kleineren im Rang zurücktreten müsste, so Dahlmanns Sorge, könnte das Elgeti-Paket platzen. Daraufhin beauftragte der Aufsichtsrat Dahlmann, mit Elgeti eine Gesamtfinanzierung auszuloten – ohne Enex. Das bestätigen Teilnehmer.

In seiner öffentlichen Stellungnahme vom 2. Oktober kritisierte Aufsichtsratschef Ahrens, Dahlmann und Elgeti hätten Pläne geschmiedet, „die weit über das hinausgehen, was beschlossen worden war“. Er unterstellte Elgeti, die Stadion-Immobilie sei dessen eigentliches Ziel – als wäre dies unlauter. Das aber stand schon im Aufsichtsratspapier vom 20. April.

Seit der Mai-Versammlung kapselte sich Dahlmann zusehends ab, heißt es. So weigerte er sich mit immer neuen Ausflüchten, dem Aufsichtsrat Verhandlungsfortschritte vorzulegen. Einem Aufsichtsrat, den bis dato allerdings Details nie sonderlich interessiert hatten, wie intern zugegeben wird.

Unterdessen stellte Dahlmann Personal ein, zahlte Mitarbeitern unverhofft Prämien - alles vorbei an Vorstand und Aufsichtsrat. Dann ging er fünf Wochen in Urlaub. In Abwesenheit besorgte sich der Aufsichtsrat die begehrten Unterlagen. Was der konkrete Auslöser war, dass sich alte Mitstreiter vom eben noch gefeierten Dahlmann abwandten, bleibt diffus. Einziger Ansatz sind die anrüchigen Mailverkehre mit Ultras und Investor.

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