zur Navigation springen

Saison-Rückblick : Start ins Jahr 2015 rettet den FC Hansa

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

24 Punkte in zwölf Spielen bringen das Polster, das nach einer grausamen Saison zum Klassenerhalt reicht. Marcel Ziemer mit 15 Treffern bester Torschütze

von
erstellt am 28.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Eine Saison liegt hinter dem FC Hansa, wie es sie grausamer in der Vereinsgeschichte bisher noch nicht gab. Jedenfalls, was jenen Teil des Spieljahres betrifft, der 2014 über die Bühne ging. Weil hier um ein Haar die Basis für den Sturz in die Regionalliga gelegt wurde.

Dabei sind die Ostseestädter doch so zuversichtlich gewesen, am Ende einen einstelligen Tabellenplatz belegen zu können und auf gar keinen Fall etwas mit dem Kampf gegen den Abstieg zu tun zu haben. „Wir werden den Kader so verbessern, dass Hansa Rostock eine deutlich bessere Position als in den vergangenen beiden Jahren erreichen kann (Platz zwölf bzw. 13 – d. Red.)“, hatte Trainer Peter Vollmann angekündigt – der Mann, der den FCH 2010/11 nach dem erstmaligen Abstieg in die Drittklassigkeit auf Anhieb und in geradezu sensationeller Manier in die 2. Bundesliga zurückgeführt hatte.

Doch Vollmanns zweite Amtszeit in Rostock stand von Anfang an unter keinem glücklichen Stern. „60 Punkte wären eine gute Ausgangsposition für mehr. Unser Ziel ist es, 20 Spiele zu gewinnen, dann ist alles möglich“, sagte er im Interview mit unserer Zeitung. Es ließ sich mit einem 4:3 am 1. Spieltag in Münster auch gut an…

Allerdings war Münster für Peter Vollmann nicht nur die erste, sondern auch seine letzte Partie: Nach dem 0:2 im Rückspiel am 6. Dezember 2014 vor der Heim-Minusrekord-Kulisse von 5600 Zuschauern teilte ihm Uwe Klein, seit November Sportlicher Leiter des FCH, mit einer seiner ersten Amtshandlungen die Beurlaubung mit.

Hansa nur noch Vorletzter! Aus 20 von 38 Spielen, in über der Hälfte der Saison also, wurden ganze 17 Zähler (davon vier Siege) eingefahren. Was für ein Kontrast zu den eigentlichen Bestrebungen!

Klein holte Karsten Baumann, mit dem zusammen er den Fußball-Lehrer-Schein gemacht hatte, als neuen Chefcoach. Der konnte natürlich nicht aus dem Stegreif Wunder bewirken, startete mit einem 1:4 in Erfurt und einem 0:4 gegen Kiel – bevor seine Truppe ab Jahresbeginn 2015 in nur zwölf Partien 24 Punkte holte, davon sieben Dreier. Aus vier Zählern Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz hatten die Mecklenburger bis zu neun Vorsprung gemacht!

Das war – inklusive der damit einhergehenden Serie von sechs nicht verlorenen Heimspielen hintereinander, darunter fünf Siege am Stück – jenes Polster, das zwar zum Ende hin wegen vier Niederlagen in Folge auf zwei Punkte zusammenschrumpfte, jedoch reichte, um als 17. (also auf dem ersten Nichtabstiegsplatz) den Klassenerhalt zu gewährleisten.

Ganz entscheidend: Baumann und Klein gelang es, die Mutlosigkeit, die Kopfblockade, die mentalen Probleme aus der Mannschaft zu entfernen – indem sie die Defensive vom Torwart bis einschließlich der Sechser fast komplett mit neuen Leuten besetzten (einzige Ausnahme: Innenverteidiger Steven Ruprecht): Marcel Schuhen, Maximilian Ahlschwede, Oliver Hüsing, Mikko Sumusalo, José-Alex Ikeng, Marco Kofler – das waren alles Spieler, die nervlich unbelastet an die Aufgabe herangingen, die heiß waren, sich in Rostock beweisen wollten.

Die genannten sieben Akteure zuzüglich Denis-Danso Weidlich, Christian Bickel, Halil Savran und Marcel Ziemer leisteten im Endeffekt den Hauptanteil zur Rettung.

Auch das Glück stand Hansa einige Male zur Seite. Erinnert sei an das 2:2 gegen Osnabrück, als Mustafa Kucukovic in der Nachspielzeit (90.+1, 90.+4) den 0:2-Rückstand noch egalisierte. Oder an die späten Siegtreffer in Halle (2:1 Hüsing/90.+2) und gegen Borussia Dortmund II (3:2 Bickel/90.). Oder an die Szene beim SV Wehen Wiesbaden (2:1), als der mit nach vorn geeilte Torhüter Kolke nach Ablauf der Spielzeit den Pfosten traf statt ins Netz…

In angenehmer Erinnerung von dieser verkorksten Saison 2014/15 bleiben u. a. der 4:2-Heim-Erfolg über Meister Arminia Bielefeld und der höchste Saisonsieg beim 4:0 gegen den SC Fortuna Köln.

„Unvergesslich“ auch das 4:4 (1:0) in Regensburg, bei dem die Gäste nach zweimaliger Führung in der spektakulärsten Halbzeit der Saison auf einmal 2:4 hinten lagen (81.) – und wohl dennoch als Gewinner vom Platz gegangen wären, hätte nicht Schiedsrichter Schröder (Hannover) äußerst pünktlich ohne Nachspielzeit abgepfiffen. Marcel Ziemer, Torschütze in der 18., 60., 84. und 88. Minute, hätte sonst an diesem Tag gewiss noch ein fünftes Mal getroffen.

Nicht unter den Tisch fallen soll an dieser Stelle auch der Abgang eines verdienstvollen Spielers: Keeper Jörg Hahnel, der für den FC Hansa zwischen 2006 und 2014 in der 1. bis 3. Liga zwischen den Pfosten stand, sollte am 18. Oktober 2014 beim 2:2 gegen Unterhaching mit Gelb-Rot (83.) keinen Abgang bekommen, wie er ihn verdient gehabt hätte. In der Winterpause bat „Jockel“ um die Vertragsauflösung und wechselte zum FC Schönberg, Tabellenführer der Oberliga Nordost/Nord.

Bemerkenswert war ebenfalls, dass sich die Rostocker durch ein 1:0 im Greifswalder Landespokalfinale gegen Regionalligist TSG Neustrelitz – so grottig der Auftritt dort auch war – für den DFB-Pokal qualifizierten (mit insgesamt sechs Siegen und 26:0 Toren). Was einhergeht mit einer Einnahme von 140 000 Euro. Und jedwede positive Nachricht in wirtschaftlicher Hinsicht ist höchst willkommen. Zumal ja vor kurzem erst dank der Einnahmen aus dem Benefizspiel „Marteria & Friends vs. Paule & Friends“ der drohende Lizenzentzug abgewendet werden konnte.

Zu denken gab die Tordifferenz der Hanseaten. 54 erzielte Treffer – allein 15 gingen auf das Konto von Marcel Ziemer – waren sogar mehr als nur akzeptabel. Soviel schaffte selbst der Dritte Kiel nicht. Nur Bielefeld (1.), Duisburg (2.) und Stuttgarter Kickers (4.) trafen öfter.

Aber 68 Gegentore (im Schnitt 1,789 pro Partie)?! Schlechter war keiner. Hier haben wir einen der Hauptansatzpunkte für die Zukunft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen