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DFB-Pokal : Spiel am Rande des Abbruchs: Hansa unterliegt Hertha

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Kurz vor Ende der Partie fallen zwei Tore für die Berliner. Fast 20 Minuten Unterbrechungen wegen Pyrotechnik und Fanprovokationen

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 23:10 Uhr

Hässliche Szenen in den Ultra-Fanblöcken beider Vereine überschatteten das Pokal-Aus des Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock gegen den den Bundesligisten Hertha BSC Berlin am Montagabend. Nach dem zu Beginn der zweiten Hälfte Chaoten im Fanblock von Hertha BSC durch massiven Einsatz von Pyrotechnik für eine knapp anderthalbminütige Spielunterbrechnung sorgten, revanchierten sich Hansa-Chaoten. Sie zeigten ein geraubtes Banners eines Fanclubs von Hertha, zündeten es an und provozierten so die Gästefans. Daraufhin reagierten die Berliner erneut mit dem Einsatz von Pyrotechnik, wenig später flogen aus beiden Blöcken Raketen hin und her. Schiedsrichter Robert Hartmann schickte daraufhin nach 77 Minuten beim Stand von 0:0  beide Mannschaften in die Kabinen und unterbrach die Partie für knapp 17 Minuten.

Man habe Szenen gesehen, „die kein Mensch im Fußballstadion sehen will“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Trainer Pal Dardai meinte: „In meinem Leben habe ich so etwas noch nicht erlebt.“ Sein Rostocker Kollege Pavel Dotchev sagte zu der Randale: „Leider gibt es immer schwarze Schafe, die alles kaputt machen.“ 

Berlins Mathew Leckie (l) kommt vor Rostocks Bryan Hennings an den Ball.

Berlins Mathew Leckie (l) kommt vor Rostocks Bryan Hennings an den Ball.

Foto: Axel Heimken
 
Ohnmacht nach Fan-Eskalation: „Nur gesamtgesellschaftlich lösen“

Nach der Fan-Eskalation von Rostock wirkten die Verantwortlichen von Hansa und Hertha geschockt und ratlos. „Wir halten bis zur 74. Minute ein grandioses 0:0. Dann ist es 20 bis 50 Vollidioten anscheinend wichtiger, das eigene Wohnzimmer, das Ostseestadion, abzufackeln, anstatt die Mannschaft zu unterstützen“, erklärte Hansas Vorstandschef Robert Marien nach einem Erstrunden-Spiel, das als Schande und zugleich als Warnung in die Geschichte des DFB-Pokals eingeht.

„Das sind Handlungen, die niemand in einem Fußballstadion haben will. Deshalb wird es ein Thema sein, das Vereine, Verbände und die Fanlager in den nächsten Wochen beschäftigen wird“, erklärte Hertha-Manager Michael Preetz. Der 2:0-Sieg des Berliner Fußball-Bundesligisten sowie die gut organisierte und lange erfolgreiche Gegenwehr des Drittligisten Hansa Rostock wurden angesichts der Vorfälle auf den Rängen in den Hintergrund gedrängt.

Im Hertha-Block mit rund 2000 Berliner Anhängern wurden immer wieder Feuerwerkskörper und auch Raketen gezielt Richtung Rostocker Zuschauer gezündet. Die Hansa-Ultras setzen Hertha-Banner und Sitze in Brand. Schiedsrichter Robert Hartmann musste die Partie zweimal unterbrechen, einmal für zwei, dann sogar für 18 Minuten.

Hansa-Chef Marien beschrieb die Ohnmacht der Verantwortlichen, die sich nach dem Eklat mehr als bisher breitmachte. „Wenn man sieht, dass hier 1700 Polizisten und über 300 Ordner unterwegs waren, dass Spürhunde und HD-Kameras im Einsatz sind. Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist.“ Der FC Hansa war gerade vom DFB-Sportgericht wegen diverser Vorfälle auf den Tribünen zu zwei Auswärtsspielen ohne Fans verurteilt worden, spielte zudem auf Bewährung.

Auch Hertha-Manager Preetz machte deutlich, dass der Einfluss der Clubs auf die Randalierer und gewaltbereite Fans eingeschränkt ist. „Den müssen sie mir zeigen, der da auf die Fans einwirken kann“, sagte der einstige Stürmer zu den aktuellen Vorfällen: „Das ist schlichtweg unmöglich.“ Und Hansa-Trainer Pavel Dotchev bemerkte: „Wir distanzieren uns davon, wir können so was nicht ändern, nur versuchen, Vorbilder zu sein. Es ist leider so. Sehr schade, dass so etwas beim Sport, beim Fußball noch passiert.“ Die späten Tore zum 2:0 (0:0) für Hertha vor 22 400 Zuschauern durch die späten Tore von Mitchell Weiser (86. Minute) und Vedad Ibisevic (90.+2) wurden quasi zur Randnotiz. Sogar ein Spielabbruch war nicht mehr auszuschließen. Marien berichtete von der klaren Ansagen des Referees: „Noch eine Aktion in dem Ausmaß und das Spiel wird abgebrochen. Es war schon nahe dran.“

 

Nach der lange fraglichen Fortsetzung der Partie erzielten vor 22.400 Zuschauern Mitchell Weiser in der 86. Minute und Vedad Ibisevic (90.+2) die späten Tore zum 2:0 für den Favoriten.

Der Drittligist präsentierte sich defensiv gut organisiert und ließ zunächst kaum Möglichkeiten der Berliner zu. Pal Dardai hatte neben Kapitän Ibisevic mit Alexander Esswein eine zweite Spitze aufgeboten, die auch an den ersten beiden Halbchancen des Favoriten beteiligt war. Doch erst war Esswein nicht entschlossen genug (19.), dann verpasste Salomon Kalou dessen Hereingabe knapp (28.).

Den Rostockern, die zuletzt 2007/08 in der Bundesliga gespielt hatten, fehlten in der Offensive die Durchschlagskraft und die Ideen.

Zwar mühte sich der wuchtige Marcel Ziemer als zentraler Stürmer, setzte auch immer wieder seinen Körper ein. Für Gefahr vor dem Hertha-Tor aber konnte Hansa nicht sorgen. Für die laufende Saison hatte der Nordclub sein Team mit Trainer Pavel Dotchev und zahlreichen Neuzugängen völlig neu aufgestellt.

Der zweite Durchgang hatte gerade begonnen, da unterbrach Schiedsrichter Robert Hartmann die Partie kurzzeitig. Die ersten richtigen fußballerischen Höhepunkte in den zweiten 45 Minuten setzten Vladimir Darida und Kalou. Zunächst traf Darida den Pfosten, den anschließenden Seitfallzieher von Kalou parierte Hansa-Keeper Janis Blaswich stark (63.).

Eine knappe Viertelstunde vor dem Ende unterbrach Hartmann die Partie dann zum zweiten Mal. Der Referee schickte beide Teams in die Kabinen. Erst nach 18 Minuten ging es weiter – kurz darauf traf Weiser zum 1:0, ehe Ibisevic für die endgültige Entscheidung sorgte.

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