Hansa Rostock : Sollen wir damit an den Strand?

Zeugwart Andreas Thiem mit dem neuen Ball, von dem der FC Hansa etwa 100 Exemplare besitzt. Das Modell Nike Ordem kostet im Laden 129,95 Euro pro Stück und damit zehn mehr als der Nike Incyte, der in den vergangenen zwei Jahren von den Rostocker Profis benutzt wurde. Beschaffen ist er genauso – aus 40 Prozent Leder, 20 % Polyester, 10 % Baumwolle und 30 % Gummi. Hintergrund: Anders als in der 1. und 2. Bundesliga gibt es in der 3. Liga keinen Einheitsball.
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Zeugwart Andreas Thiem mit dem neuen Ball, von dem der FC Hansa etwa 100 Exemplare besitzt. Das Modell Nike Ordem kostet im Laden 129,95 Euro pro Stück und damit zehn mehr als der Nike Incyte, der in den vergangenen zwei Jahren von den Rostocker Profis benutzt wurde. Beschaffen ist er genauso – aus 40 Prozent Leder, 20 % Polyester, 10 % Baumwolle und 30 % Gummi. Hintergrund: Anders als in der 1. und 2. Bundesliga gibt es in der 3. Liga keinen Einheitsball.

Der neue Ball war gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten hat sich für Zeugwart Andreas Thiem nicht allzuviel geändert

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23. Juli 2015, 21:00 Uhr

Auch Andreas Thiem – ja, er ganz besonders – ist am 23. Mai dem drohenden Super-GAU um Haaresbreite entronnen. Am Ende stand an diesem letzten Spieltag der 3. Fußball-Liga 2014/15 trotz eines 1:2 bei Dynamo Dresden der Klassenerhalt, und so durfte der seit 1988 amtierende Zeugwart des FC Hansa (rein-) feiern. Unvorstellbar, wären die Rostocker ausgerechnet am Tag vor dem 50. Geburtstag des Urgesteins in die Regionalliga abgestiegen!

Immerhin stammt der Mann aus einem völlig anderen Zeitalter. Er war schon beim Verein, als 19 der aktuell 23 Spieler im Kader noch gar nicht geboren, als die Töppen noch alle schwarz waren und der „Wäschekammerverantwortliche“ vor den Spielen Trikots ohne Namen und grundsätzlich nur mit den Nummern von 1 bis 11 für die Start-Elf bereitlegte. In einer Zeit, in der ein Sieg noch mit zwei Punkten belohnt wurde, nur zweimal ausgewechselt werden konnte, als es weder Gelb-Rot noch passives Abseits gab, dafür aber der Torwart alle Rückgaben mit der Hand aufnehmen durfte. Lange ist das her… Es hat sich einiges verändert in Thiems nunmehr 27-jähriger Amtszeit. Nicht nur – leider – die Liga-Zugehörigkeit des FC Hansa…

Die Abläufe zu Beginn einer Saison indes sind immer ähnlich: „Ende Mai hat unser Ausrüster Nike das gesamte Equipment geliefert, Bälle, Trikotsätze, Trainingswäsche, das Übliche. Dann erfolgte erst mal die Bestandsaufnahme – mengenmäßig, also zählen, auf Vollständigkeit prüfen, alles sortieren und die Sachen vorbereiten zum Veredeln, sprich Beflocken. Dadurch war für mich nicht mehr als eine Woche Urlaub drin.“ Die hat er auf Mallorca verbracht.

Der Weg zur Arbeit dauert für Andreas Thiem nach seinem Umzug im November 2014 statt fünf Minuten zu Fuß jetzt von Warnemünde aus 40 Minuten. Die Profis tragen eine andere Kollektion als in der Vorsaison. Und die Mannschaft, „die ist auch neu – genau wie unsere Bälle. Als ich die das erste Mal sah, habe ich gedacht, was ist das denn, sollen wir damit an den Strand gehen? Aber man gewöhnt sich daran. Auf jeden Fall lässt dieses Modell schon mal deutlich weniger Luft als das vorherige.“

Gleichgeblieben ist in all der Zeit Andys Frisur. „Die hat gehalten. Bei mir wie bei Axel Schulz (ehemaliger, noch immer beim FC Hansa beschäftigter Mittelfeld- und DDR-Nationalspieler – d. Red.) – seit 30 Jahren der gleiche Haarschnitt“, grinst sich der Zeugwart eins.

Und die Bälle werden nach wie vor mit dem Kompressor aufgepumpt. „Im Vergleich zu heute war das anfangs aber eine Höllenmaschine. Damit würde ich jetzt Ärger kriegen wegen Lärmbelästigung“, so Andreas Thiem.

Bereits 1988, ungeachtet der noch existierenden DDR, wurde beim FC Hansa übrigens selbstverständlich mit einem westlichen Modell trainiert und gespielt (Tango Pasadena von adidas).

>>Das ganze Magazin zum Start des FC Hansa in die Saison am Freitag in der Printausgabe oder im epaper.
 

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