Bilanz : So war die Saison des FC Hansa

Top oder Flop: die Analyse zur Spielserie des FC Hansa Rostock

svz.de von
26. Mai 2017, 06:00 Uhr

Trotz Drittklassigkeit lockt der FC Hansa Rostock noch immer eine große Anhängerschar an. In der abgelaufenen Saison fanden über 217.000 Zuschauer den Weg ins Ostseestadion. Ein Höhepunkt war zweifelsohne der 1:0-Sieg der Mecklenburger gegen den Tabellenführer MSV Duisburg. Hansa gehört zudem zu den beiden Clubs, die den Drittliga-Meister gleich zweimal schlagen konnten – nur Wehen Wiesbaden gelang dies noch. Zudem waren es die Heim-Fans, die den höchsten Sieg der aktuellen Spielzeit miterleben durften – ein 5:0 gegen den FSV Zwickau mit gleich fünf verschiedenen Torschützen (Timo Gebhart, Tommy Grupe, Stephan Andrist, Kerem Bülbül und Marcus Hoffmann).

In der Offensive stellte der FC Hansa in dieser Spielzeit keine große Gefahr dar. Top-Torjäger der Rostocker war Rechtsaußen Stephan Andrist mit elf Treffern. Die vier Stürmer der Hanseaten – Marcel Ziemer, Soufian Benyamina, Melvin Platje und Tim Väyrynen – erzielten in der aktuellen Saison insgesamt nur neun Tore.

Allerdings war Hansa in der Fremde schwer zu schlagen. Die Bilanz von sechs Siegen, sieben Remis und lediglich sechs Niederlagen sowie Platz sechs in der Auswärtstabelle kann sich sehen lassen.

Top: Seit langem ohne Abstiegsgespenst

Eine Saison im ruhigen Fahrwasser schippern – das war der Wunsch des FC Hansa und seiner Anhänger. Nach mehreren Jahren gefühltem Dauerabstiegskampf in der 3. Fußball-Liga sollte der Verein zur Ruhe kommen – insbesondere im sportlichen Bereich.

Und tatsächlich, der Rostocker Traditionsclub überwinterte nicht auf einem Abstiegsplatz. Eine völlig neue Situation – für Verein und Anhänger –, denn in beiden Spielzeiten zuvor lauerte zumeist das Abstiegsgespenst beim Weihnachtsfest oder Jahreswechsel im Nacken. Zur Winterpause 2014/15 befand sich der FCH mit lediglich 17 Zählern auf dem 19. Tabellenplatz. Rettung gab es erst am letzten Spieltag, trotz einer 1:2-Niederlage bei Dynamo Dresden, vor allem durch die Schützenhilfe des FC Rot-Weiß Erfurt, der Unterhaching damals 1:0 schlug. Nach der Hinrunde 2015/16 ein ähnliches Bild – 19 Partien wurden bestritten, und es standen 18 Punkte und Rang 18 zu Buche. Zwar wurde die Winterpause (nach erneutem Trainerwechsel) nicht auf einem Nicht-Abstiegsplatz überdauert, aber so richtig vergraulen lassen, wollte sich das Abstiegsgespenst im vergangenen Jahr bis kurz vor dem Ende nicht.

Doch nicht so in dieser (Übergangs-) Saison! Die gefährliche rote Zone der Tabelle konnten die Hanseaten immer wieder auf Abstand halten. Wirklich beten, den roten Strich nicht zu unterschreiten, musste niemand in diesem Jahr. Mehr noch: Hansa knackte bereits am 34. Spieltag die wertvolle 45-Punkte-Marke, die als erklärtes Saisonziel ausgegeben wurde – darüber hinaus sollten eben jene Zähler vor dem Abstieg bewahren. Eine Steigerung, betrachtet man die Historie des Traditionsvereins, der sich in den zurückliegenden Jahren schwer in dieser 3. Liga tat.

Am Ende der Spielzeit ist die Kogge Mittelmaß. Klar ist das ein Wort, das keine Euphorie entfacht oder vor überzeugender Qualität strotzt. Aber vielleicht war dieses Mittelmaß bei so vielen Dramen und dem oftmaligen Zittern bis zum letzten Spieltag in der jüngsten Vergangenheit des ehemaligen Bundesligisten ja auch mal genau das Richtige. Schließlich ist die raue Ostsee stürmisch genug. Marie Boywitt

Flop: Keine richtige Siegermentalität

51. – Einundfünfzigster! Der FC Hansa – seit fünf Jahren drittklassig – gehörte im vergangenen Fußball-Jahr noch nicht einmal zu den Top-50 in Deutschland. Vereine wie der SC Freiburg spielen 1. Bundesliga, der 1. FC Heidenheim oder der SV Sandhausen, der im übrigen Hansa-Keeper Marcel Schuhen verpflichtet hat, agieren in der 2. Bundesliga. Und in der 3. Liga stehen Großaspach, Lotte oder Fortuna Köln vor den Ostseestädtern. Selbst im Fußball-Osten sind die Rostocker aktuell nur noch die Nummer zehn!

Allein vor diesem Hintergrund war die Saison 2016/17 ein Flop. Insgesamt 46 Punkte aus 38 Spielen sind eine herbe Enttäuschung. Vier Heimsiege im Grunde genommen sogar ein Desaster. Das stolze Ostseestadion ein Punktelieferant für die Gegnerschaft, da es die Truppe nicht verstanden hat, die sich bietenden Chancen am Schopfe zu packen. Mehr als einmal waren die Aufstiegsränge für die Mannschaft in Reichweite, doch regelmäßig verließen die Kicker genau in diesen Phasen auf wundersame Weise ihre Kräfte.

Oder wollten sie etwa nicht mehr und haben sich mit der 3. Liga abgefunden? Am 11. Spieltag winkte bei einem Heimsieg gegen den VfL Osnabrück der zweite Platz – 1:2. Auch danach wäre es mehrmals möglich gewesen, der Spitzengruppe so richtig auf die Pelle zu rücken. Doch viermal in Folge nur 1:1 zu spielen (gegen Werder Bremen II, in Magdeburg, gegen Mainz II und in Wiesbaden) ist einfach zu wenig. Einmal mehr wurde dabei deutlich, dass der Truppe die richtige Siegermentalität fehlte. Dass sowohl gegen Bremen II als auch Mainz II vom Verein Extraprämien für Siege ausgelobt worden, unterstreicht diese Tatsache noch.

Dabei mangelte es im Kader nicht an vermeintlichen Hochkarätern für Drittliga-Verhältnisse. Die Stamm-Elf wurde erstmals seit Jahren gehalten, ein großer Umbruch vor der Saison blieb aus. Und nach der starken Rückrunde 2015/16 – 31 Punkte – sollte durchgestartet werden. Allerdings nicht mit einem Team, das im entscheidenden Moment kneift. Die Truppe konnte das in ihr durchaus vorhandene Potenzial nicht konstant abrufen und daher eine enttäuschende Saison nur auf Platz 15 beenden. André Gericke

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