zur Navigation springen

Bilanz : Querelen verdrängen den Sport

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Öffentliche Schlammschlacht der Führungsgremien

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Nicht nur auf dem Rasen ging es beim Drittligisten FC Hansa Rostock in der Saison 2015/16 hoch her, auch abseits des Fußballplatzes kochten die Emotionen mehrfach über. Phasenweise drängten die Streitigkeiten in den Führungsgremien oder in die Öffentlichkeit gelangter interner E-Mail-Verkehr den Sport in den Hintergrund. Gerade im Herbst 2015 überschlugen sich die Ereignisse, war eine Schlammschlacht im Gange. Der damalige Aufsichtsrats-Chef Harald Ahrens und Vorstandsboss Michael Dahlmann gerieten aneinander, als es um den Einstieg von Immobilien-Experte Rolf Elgeti als Investor beim FC Hansa ging.

Täglich gelangten neue brisante Internas an die Öffentlichkeit, beide Seiten beharrten auf ihren Standpunkten. Einen Gewinner dieser Schlammschlacht auszumachen war unmöglich, der große Verlierer dagegen stand fest: Hansa Rostock. Anstatt sich auf den Sport – die Mannschaft befand sich in einer Abwärtsspirale – zu konzentrieren, wurde das Negativ-Image des Clubs immer mehr „aufpoliert“.


Geschäftsstelle vorübergehend gesperrt


Am 1. Oktober des vergangenen Jahres nahm Vorstandsboss Michael Dahlmann mehr oder weniger freiwillig seinen Hut, nachdem die Geschäftsstelle zuvor wohl auf Initiative von Harald Ahrens von Polizei und privatem Wachschutz vorübergehend gesperrt wurde. Angeblich wurde Dahlmann, der weiter Sympathien in der aktiven Fanszene genießt, der Abgang mit 150 000 Euro versüßt. Kurios: Anfang April 2016 teilte der FC Hansa in einer Pressemitteilung mit, dass der Ex-Chef „mehrere Pflichtverletzungen, Verstöße gegen die Auskunftspflichten, mehrfache Überschreitungen der Vertretungsbefugnis, arbeitsrechtliche Verstöße gegen die Verschwiegenheitspflicht in mehreren Fällen und Verstöße gegen die Satzung des Vereins“ begangen habe. Weiter hieß es, dass dem Verein dadurch ein deutlicher finanzieller Schaden entstanden sei, allerdings könne Dahlmann nicht in Regress genommen werden.

Dass der Aufsichtsrat um Harald Ahrens die Mitgliederversammlung im November „überleben“ würde, schien von vornherein ausgeschlossen. Lediglich Torsten Völker überstand nach einer heißen und phasenweise auch turbulenten Zusammenkunft die Misstrauensfrage. Andere Mitglieder des Aufsichtsrates hatten schon zuvor ihren Rücktritt
erklärt. Fernsehkoch Rainer Lemmer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Helgas Kitchen, wurde der neue Chef des höchsten Kontrollorgans und versuchte fortan Ruhe in den Club zu bringen. Mitte November trat Markus Kompp die Nachfolge des kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Dr. Chris Müller (Senator der Hansestadt Rostock) an, welcher nach dem Rücktritt Dahlmanns ehrenamtlich die Geschäfte des Vereins übernommen hatte.


Erneut auf der Suche nach Vorstandsboss


Der unerfahrene Kompp, zuletzt beim Regionalligisten Rehden tätig, sollte die Kogge sportlich wie wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen sowie die Ausgliederung der Profi-Abteilung und damit den Einstieg des Investors Rolf Elgeti vorbereiten. Der 33-Jährige zeigte sich anfangs als Macher, setzte mehrere Sparpakete um, beurlaubte Sportdirektor Uwe Klein und Trainer Karsten Baumann. Mit der Verpflichtung von Christian Brand als neuem Coach bewies Kompp eine glückliche Nase und schloss mit dem Klassenerhalt die sportliche Baustelle.

In puncto Ausgliederung gab es allerdings aus Reihen der zuständigen Arbeitsgruppe, in der unter anderem führende Köpfe der Ultras mitwirkten, öffentliche wie auch versteckte Kritik an der Arbeitsweise von Kompp, der vor drei Wochen aus privaten Gründen seinen Rücktritt zum Saisonende erklärte. Damit muss wieder ein neuer Vorstands-Chef gesucht werden.

Zuvor war am 17. April mit 95-prozentiger Zustimmung die Ausgliederung der Profi-Abteilung beschlossen worden. Rolf Elgeti erwarb 45 Prozent der Anteile an der neuen Gesellschaft, verzichtete im Gegenzug dafür auf rund zehn Millionen Euro aus dem Stadionkredit, den er der Deutschen Kreditbank abgekauft hatte. Der Schuldenstand des FC Hansa verringerte sich auf 11,6 Millionen Euro. Um die Kogge wieder flottzumachen, sind jedoch weitere Einschnitte nötig. Wie groß die ausfallen, werden die kommenden Monate zeigen – und im Sinne des Vereins hoffentlich ohne öffentliche Schlammschlacht.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen