Hansa Rostock : Pannewitz will Müllfahrer werden

Durch den Hinterausgang verließen gestern Mittag Kevin Pannewitz (r.) und sein Berater Willy Kausch die Geschäftsstelle des FC Hansa Rostock.
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Der Ex-Hansa-Kicker scheitert an sich selbst : Heute wiegt er mehr als 100 Kilo und spielt in der 6. Liga.

Er galt als großes Talent im deutschen Fußball, doch heute ist Kevin Pannewitz 23 Jahre alt, wiegt 102 Kilogramm – und seine Profi-Karriere ist beendet, ehe sie richtig begann. Statt in der Bundesliga zu spielen und möglicherweise ein Millionengehalt zu kassieren, läuft Pannewitz demnächst für den Sechstligisten VSG Altglienicke auf. Um finanziell über die Runden zu kommen, hat er sich bei der Berliner Stadtreinigung als Müllfahrer beworben. „Ich bin an mir selbst gescheitert, ich habe den Kampf gegen mich verloren“, sagt Pannewitz. Viel zu oft habe er den Verlockungen durch Fast Food und Süßigkeiten nachgegeben, sich zu sehr auf sein Talent verlassen: „Ich hätte jemanden gebraucht, der 24 Stunden auf mich aufpasst.“

Dabei erhielt der defensive Mittelfeldspieler in seiner Karriere mehr als nur eine Chance. Nachdem er mit 17 Jahren sein Profi-Debüt für den damaligen Zweitligisten FC Hansa gab und zu Lehrgängen der U19-Nationalmannschaft eingeladen wurde, schien ihm eine steile Karriere bevorzustehen. Doch im Höhenflug verlor Pannewitz die Bodenhaftung. Bei Hansa fiel er mit Übergewicht und Ausflügen ins Nachtleben negativ auf.

Dennoch holte Trainer Felix Magath den damals 20 Jahre alten Problemspieler zum Bundesligist VfL Wolfsburg. Doch auch dessen berüchtigtes Zirkeltraining mit Medizinbällen half kaum. Zwar nahm Pannewitz fast 15 Kilo ab, doch auf dem Rasen agierte er entsprechend kraftlos. Schließlich setzte der Jo-Jo-Effekt ein…

Nach nur einem Jahr wurde der Vertrag einvernehmlich aufgelöst. Mehr noch nahm Kevin Pannewitz aber der Krebstod seiner Mutter mit. Regionalligist Goslarer SC gab ihm eine neue Chance, aber erneut hielt Pannewitz nicht durch.

Jetzt also VSG Altglienicke. Aber der Ex-Hanseat träumt ohnehin nicht mehr von der großen Karriere: „Meine Fehler wurden bestraft, aber alles ist okay so. Ich habe mit allem abgeschlossen, ich will jetzt ein bodenständiges Leben führen.“ Er und Freundin Jill erwarten im Oktober ihr erstes Kind, es soll ein Junge werden. Auch deshalb hat sich der frühere Profi bei der Müllabfuhr beworben.

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