FC Hansa Rostock : Lutz Bongarts ist dankbar, dass Hansa in der 3. Liga spielt

Lutz Bongarts Silvester 2015 am Strandseiner Wahlheimat Kühlungsborn mit dem reich bebilderten Buch von den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona, für das er zusammen mit Herausgeber Günther Jauch verantwortlich zeichnete.  Fotos: Lutz Bongarts
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Lutz Bongarts Silvester 2015 am Strandseiner Wahlheimat Kühlungsborn mit dem reich bebilderten Buch von den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona, für das er zusammen mit Herausgeber Günther Jauch verantwortlich zeichnete.

Der Stammgast darf im Winter-Trainingslager der Rostocker Fußballer nicht fehlen: Am Montag fliegt der Globetrotter der Sportfotografie in die Türkei

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02. Januar 2016, 08:00 Uhr

„Ich habe genug Hektik gehabt. Jetzt schließe ich immer erst mal ein Thema ab, bevor ich mich mit dem nächsten beschäftige.“

Sportfotograf Lutz Bongarts ist der Wandel vom Workaholic zum Entschleunigten gelungen: Er entschloss sich, von der deutschen Nationalmannschaft hin zu einem vermeintlich
x-beliebigen Fußball-Drittligisten zu „wechseln“…

Am Montag reist Bongarts in die Türkei – einen Tag, bevor die Fußballer des FC Hansa ihr Trainingslager-Quartier im „Titanic Beach Lara“ bei Antalya beziehen: „Ich bin zwei Hotels weiter untergebracht, zu Fuß sieben, acht Minuten entfernt.“

„Ich liebe Reisen, habe Hummeln im Hintern“

Seit 2008 ist Lutz Bongarts ununterbrochen dabei, wenn die Hanseaten für eine Januar-Woche auf Reisen gehen. Warum tut sich das eine Koryphäe, ein Globetrotter der Sportfotografie Jahr für Jahr an – immer den gleichen Verein ins Camp zu begleiten? Der Mann war immerhin bei Olympischen Spielen, bei Fußball-Welt- und -Europameisterschaften Stammgast. Jetzt ist er’s beim FC Hansa. Und nur noch bei Hansa.

„Ich mag die Atmosphäre, wenn die Mannschaft im Ausland ist, mag es, das Besondere zu spüren. Das ist mehr persönlich, als einfach nur in Rostock auf dem Trainingsplatz zu stehen“, versucht Lutz Bongarts seine „Tradition“ zu begründen und ergänzt: „Einmal hat es was mit der Vergangenheit zu tun. Ich fotografiere seit 35 Jahren, war auch immer in den Trainingslagern der ganzen großen Bundesligisten, zum Beispiel mit dem Hamburger SV in den USA. Das Zweite ist: Ich liebe Reisen, habe Hummeln im Hintern. Mich interessieren Land und Leute. Das schließt Mecklenburg-Vorpommern ein. Auch da komme ich teilweise an Orte, die ich sonst nie kennenlernen würde. Deshalb fahre ich auch zu Landespokalspielen immer rechtzeitig los und bin langsam unterwegs. Ich liebe Landschaften und schöne Orte.“

Vom Workaholic zum Entschleunigten

Der 59-Jährige war mit der nach ihm benannten Agentur zwischen 1982 und 2004 sehr erfolgreich. Dann hat er sie verkauft. Wobei es das Label Bongarts noch immer gibt. Das wird vom jetzigen Inhaber weiter betrieben.

„Ich fühlte mich ausgebrannt“, erzählt der gebürtige Hamburger. „Ich war ein Workaholic. Sieben Tage die Woche zu arbeiten war für mich normal. Ich lebte aus dem Koffer und war dessen irgendwann überdrüssig. 20 Jahre unter anderem jedes (!) Spiel mit der Nationalmannschaft – es ist mir zu turbulent geworden. Ich wollte entschleunigen.“

Seit 20 Jahren in Kühlungsborn sesshaft

Lutz Bongarts änderte sein bisheriges Berufsleben radikal. Dass er nicht mehr auf Teufel komm raus den Auslöser betätigen musste, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, kam ihm dabei zugute. Da es ihm die Ostseeküste immer schon angetan hatte, wurde er zudem vor
20 Jahren in Kühlungsborn sesshaft: „Früher wusste ich manchmal nicht mehr, wo ich überhaupt bin. Heute kann ich mich auch mal einfach nur hinsetzen und in Ruhe einen Kaffee trinken.“

Bongarts – noch heute begeisterter Läufer mit der Erfahrung von u. a. acht Marathons – war ein talentierter Leichtathlet. Er brachte es bis in Endläufe Deutscher Meisterschaften. Seine Paradedisziplin waren die 800 Meter (1:48 Minuten). Sehen lassen kann sich ebenfalls seine 100-Meter-Bestzeit von 10,7 Sekunden. Über die Leichtathletik kam der Norddeutsche auch zur Sportfotografie: War er in der Staffel Startläufer, blieb ihm noch genug Zeit, um sich rasch seinen Apparat zu schnappen und die ihm folgenden Kameraden beim Zieleinlauf abzulichten…

Es folgte eine intensive Karriere mit Reisen um den ganzen Erdball. Die ist nun quasi zu Ende. Lutz Bongarts hat im Herzen Mecklenburgs seinen Lebensmittelpunkt gefunden, geht nun ausschließlich noch bei den hiesigen Fußball-Profis seiner Leidenschaft nach. „Ich bin dankbar dafür, dass Hansa in der 3. Liga ist“, sagt er und begründet: „Ich habe genug in höheren Ligen fotografiert. In Rostock erinnert mich viel an alte Zeiten. Von den Bayern kriege ich heute noch Weihnachtspost, aber hier begrüßen mich der Pförtner und der Ordner.“

Am Dienstag wird er derjenige sein, der hallo sagt. Nämlich seinen „Motiven“ von zu Hause, wenn er sie beim Einchecken ins „Titanic Beach Lara“ fotografiert.

Mal sehen, was die Woche in der Türkei so zu bieten hat. In einem Trainingslager kann sich schließlich viel ereignen. Auch kuriose Geschichten wie diese, die Lutz Bongarts 2008 in den Vereinigten Arabischen Emiraten erlebte: „Damals war Hansa unter Trainer Frank Pagelsdorf in Dubai. Die Mannschaft flog zwischendurch zu einem Testspiel gegen die iranische Nationalmannschaft und hing danach drei Tage auf dem Flughafen in Teheran herum, weil dort ein Schnee-Chaos herrschte. In Dubai waren nur zehn Reservespieler geblieben. Es war aber ein Test gegen Abu Dhabi vereinbart worden, den der
Verein nicht ausfallen lassen wollte. Da wurden die mitgereisten Journalisten und auch ich gefragt, ob wir uns Trikots anziehen und zumindest mit auf die Bank setzen würden, um den Kader aufzufüllen! Ich hatte sogar schon von meinem Einsatz als Rechtsaußen geträumt, denn als jugendlicher Fußballer war das meine Position. Es wurde aber nichts daraus. Nachts um halb drei kehrte die Mannschaft zurück, und mit dem Spiel hat noch alles geklappt.“

Zur Person:

Lutz Bongarts, eine Legende der Sportfotografie, wurde am 26. Januar 1956 in Hamburg geboren. Er nahm u. a. 13 Olympische Spiele sowie je sieben Fußball-Welt- und -Europameisterschaften wahr. Der Wahl-Kühlungsborner wurde vom Verband Deutscher Sportjournalisten viermal für das Sportfoto des Jahres ausgezeichnet (Rekord). Obgleich „Wessi“, fotografierte er schon zu DDR-Zeiten in den 80-er Jahren auch bei den Spielen  der Hansa-Fußballer und Empor-Handballer.

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