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Skandal-Pokalspiel in Rostock : Krawallfans sperrten die Polizei aus

vom
Aus der Onlineredaktion

Fragen und Antworten zum Pyro-Skandal in Rostock

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Welche Ermittlungserfolge gibt es bereits?
Die Polizei war gestern mit Angaben zu mutmaßlichen Straftätern und den begangenen Straftaten noch sehr zurückhaltend. Die Spezialisten der Ermittlungsgruppe Fußball würden derzeit das umfangreiche Videomaterial auswerten, teilte eine Polizeisprecherin mit. Das Problem bei der Identifizierung der Täter: Die Gewaltfans hatten sich vermummt.

Warum hat sich die Polizei bei den Ausschreitungen zurückgehalten?
Die Polizei begründete ihre Zurückhaltung im Stadion mit einer von Hansa-Anhängern blockierten Tür. Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, wollten die Beamten durch einen Tribünenzugang in den Fan-Block gelangen. Die Tür sei jedoch mit einem Schloss von innen verriegelt worden. „Wir sind da nicht reingekommen, es ist ganz einfach so“, sagte sie. Die Tür musste erst gewaltsam geöffnet werden.

Wie kam die verbotene Pyrotechnik ins Stadion?
Die Polizei verweist dazu auf den Verein, der für die Sicherheit im Stadion zuständig ist. Die Hansa-Verantwortlichen haben derzeit aber noch keine Erklärung. Es habe massive und umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen rund um das Pokalspiel gegeben, heißt es in einer Mitteilung. Die gesamte Anlage sei direkt am Spieltag mit Spürhunden, von Ordnern sowie von Polizisten komplett durchsucht worden.

Experten aus dem Sicherheitsbereich gehen davon aus, dass die Krawallfans ihre Böller, Leuchtfackeln und Vermummungen durch die Einlasskontrollen geschmuggelt haben könnten. Die üblichen Leibesvisitationen böten keine hundertprozentige Sicherheit. Eine Schwachstelle: Wird der Genitalbereich nicht abgetastet, könnten gewaltbereite Fans dort verbotene Gegenstände verstecken. Es sei durchaus üblich, dass die Feuerwerkskörper auch in den Anus eingeführt würden.

Was ist an den Vorwürfen des Einsatzleiters der Polizei gegenüber den Hansa-Verantwortlichen dran?
Hansa-Anhänger hatten während des Spiels ein gestohlenes Hertha-Fanbanner verbrannt. Der Polizei-Einsatzleiter wirft den Vereinsoffiziellen konkret eine Mitwisserschaft vor.

Die Polizei habe beobachtet, wie mehrere Hansa-Anhänger in der Halbzeitpause einen gesperrten Bereich betreten und von dort einen Gegenstand geholt hätten. Vermutlich das Banner. Es müsse dort im Vorfeld des Spiels gelagert worden sein. Die 30 Meter lange Fahne sei nämlich viel zu groß gewesen, um sie durch die Einlasskontrollen zu schmuggeln.

Was hat es mit dem gestohlenen Fan-Banner überhaupt auf sich?
Bei dem angezündeten Transparent handelt es sich um die legendäre Fan-Fahne „Ostkurve Hertha BSC“ aus dem Olympiastadion in Berlin. Das 30 Meter lange Banner wurde im September 2014 gestohlen. Unbekannte waren in der Nacht auf das Stadiongelände gelangt und hatten dort einen Lagerraum der Hertha-Fans geknackt.

Wie aus einem Bericht des Tagesspiegels zu dem Einbruch hervorgeht, wurde bereits unmittelbar nach der Tat vermutet, dass Hansa-Anhänger hinter dem Banner-Diebstahl stecken könnten.

Auch eine zweite Vorahnung bestätigte sich: Die Fahne werde irgendwann wieder auftauchen, vermutlich verbrannt oder zerschnitten, hieß es seinerzeit.

Banner in der Fussballszene: „Die Zerstörung ist eine Machtdemonstration“

Große Zaunfahnen oder Banner können in der Ultra-Szene eine besondere Bedeutung haben.  „Sie sind in der Regel selbstgezeichnet oder handgenähnt“,  erklärt Volker Goll, stellvertretender Leiter der  Koordinationsstelle für Fanprojekte. Für die jeweilige Gruppe haben die Banner daher eine „Riesensymbolik “. Sie sind identitätsstiftend und demonstrieren Zusammenhalt.

 Werden die Banner von Anhängern eines anderen Clubs  erbeutet und anschließend im Stadion gezeigt, zumeist verkehrt herum oder angezündet, kann dies laut Goll für eine Ultra-Gruppe  als „große Demütigung und Niederlage“ empfunden werden.   So lösten sich bereits Ultra-Gruppen aufgrund gestohlener Banner auf oder verließen das Stadion, nachdem ihre geklaute Fahne im Fanblock des Gegners präsentiert wurde. „Die Zerstörung  einer Flagge oder eines Banners ist auch eine maximale Machtdemonstration“, erklärt Fanexperte  Goll weiter.

 

 

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