FC Hansa Rostock : Kompp bekommt Gänsehaut

Der neue und der alte Boss: Markus Kompp (links) löste den kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Dr. Chris Müller ab und ist seit Dienstag der neue Vorstands-Chef des FC Hansa.
Der neue und der alte Boss: Markus Kompp (links) löste den kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Dr. Chris Müller ab und ist seit Dienstag der neue Vorstands-Chef des FC Hansa.

… wenn er jeden Morgen auf dem Weg zur Geschäftsstelle das Ostseestadion sieht. Hansas neuer Vorstands-Chef im Interview

svz.de von
20. November 2015, 06:00 Uhr

Seit Dienstag ist Markus Kompp neuer Vorstands-Chef des Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock. NNN-Mitarbeiter André Gericke sprach mit dem 33-Jährigen über seinen Dienstantritt sowie die anstehenden Aufgaben.

Herr Kompp, am Dienstag wurden Sie vorgestellt. Am Mittwoch haben Sie sich alles angeschaut. Wie sind die ersten Eindrücke?
Markus Kompp: Da fällt mir nur ein Wort ein: Wahnsinn. Ich bin durch die Geschäftsstelle geführt worden, war im Stadion und in den Katakomben. Es ist sensationell, was hier infrastrukturell da ist.

Haben Sie damit gerechnet?
Ja, klar. Ich kannte den FC Hansa vorher schon, auch wenn ich zuletzt in einem Dorf wie Rehden arbeitete. Dort war alles beschaulich und gemütlich. Doch jetzt bin ich bereit, so eine Sache anzugehen. Ich wusste, was auf mich zukommt und dass der Verein extrem wichtig ist für die gesamte Region. Wenn ich hierherfahre und das Stadion sehe, dann kriege ich eine Gänsehaut. Das überrascht mich jedesmal. Als ich an den vergangenen drei Tagen aufgewacht bin, habe ich gedacht: Was ist passiert?! Aber ich freue mich drauf und wollte das auch. Deswegen macht es mir nichts aus, wenn jetzt das Handy schon morgens klingelt und ich kurz vor dem Einschlafen noch eine Nachricht lese.

Mit was haben Sie sich schon beschäftigt?
Ich habe ein paar Zahlen gesehen, aber so detailliert noch keinen Einblick bekommen. Mit Herrn Klein (Sportlicher Leiter – d. Red.) habe ich mich ausgetauscht. Jetzt muss ich mir aber noch ein genaueres Bild machen, was die Zahlen und das Sportliche angeht.

In beiden Bereichen sieht es nicht gerade rosig aus…
Mit dem Wirtschaftlichen kann man langfristig das Sportliche bewegen. Jetzt müssen wir schauen, dass wir wirtschaftlich wieder nach oben kommen. Der FC Hansa ist auf einem guten Weg mit den ganzen Plänen und der Ausgliederung. Dann wird sich das Sportliche ergeben. Doch natürlich muss man auch die aktuelle Saison betrachten und schauen, dass man das Bestmögliche erreicht.

Wie stehen Sie zur bevorstehenden Ausgliederung des Lizenzspielerbereichs?
Eine Ausgliederung ist alternativlos. Das wurde in der Vergangenheit auch schon öfter erwähnt. Man muss aber auch wissen, dass es eine große Chance ist für den Verein.

Wie wollen Sie die Fans und Mitglieder weiter davon überzeugen?
Indem wir sie auf dem Weg mitnehmen und ihnen mögliche Ängste nehmen. Ich kann verstehen, dass der eine oder andere Bedenken vor
etwas Neuem hat. Doch es ist nicht nur alternativlos, sondern eben eine große Chance. Die Chance muss man hervorheben. Nur gemeinsam mit den Fans, den Mitgliedern, Sponsoren und der Stadt kommen wir wieder auf einen guten Weg.

Sie haben in Bayreuth bereits Erfahrungen mit einer Ausgliederung gesammelt. Können Sie davon etwas bei Hansa anwenden?
Was ich mitnehmen kann, ist, dass man dafür 17 Stunden täglich arbeiten muss. Das werde ich auch hier tun. Wenn alle zusammenarbeiten, dann klappt das auch. Ich kann jetzt nicht Eins zu eins etwas von Bayreuth auf Hansa übertragen. Das wäre fahrlässig. Doch ich weiß, wie man das Ganze angeht, wie die Details aussehen. Wir haben ja auch fähige Leute im Aufsichtsrat und in der Geschäftsstelle.

Sehen Sie den FC Hansa nach Bayreuth und Rehden als den nächsten Schritt auf Ihrer Karriereleiter?
Meine Karriere interessiert mich gar nicht. Nach dem Motto lebe ich seit sechs Jahren. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich damals sicher einen leichteren Weg einschlagen und als Wirtschaftsjurist in irgendein Unternehmen gehen können. Ich habe mich aber dafür entschieden, in den Fußball zurückzugehen, nachdem ich nach 18 Jahren verletzungsbedingt aufhören musste. Ich wollte wieder im Vereinsleben aktiv werden. Als sich die Chance in Bayreuth ergeben hat, habe ich das ehrenamtlich ein halbes Jahr gemacht. Mir ging es nie um mich, sondern um den Verein. Und wenn der Club erfolgreich ist, dann ist ganz klar, profitieren alle davon: Mitglieder, Fans, Sponsoren, Mitarbeiter und alle im Umfeld des Vereins.

Was ist Ihr Spezialgebiet, wo sehen Sie Ihre Stärken?
Es ist durchaus so, dass ich durch das Wirtschaftsjura-Studium ein bisschen zahlenaffin und auch juristisch bewandert bin. Doch ich möchte mich jetzt nicht festlegen, sondern mir ein Vorstandsteam zusammensuchen und dass wir dann auch im Team arbeiten.

Wie weit sind diesbezüglich Ihre Planungen?
Die Namen habe ich noch nicht im Kopf. Das möchte ich mir auch noch ein paar Tage offen lassen. Ich bin jetzt zwei Tage hier, in denen schon eine Menge auf mich eingeprasselt ist. Ich möchte mir jetzt ganz sachlich alles anschauen, meine Eindrücke sammeln und dann das Beste für Hansa entscheiden.

Haben Sie schon mit Ihren Vorgängern gesprochen?
Mit Dr. Chris Müller (zuvor kommissarischer Vorstands-Chef – d. Red.) habe ich mich ausgetauscht. Es wird eine ordentliche Übergabe geben. Wir werden uns auch noch öfter treffen. Mit Herrn Dahlmann (Vorgänger von Dr. Chris Müller – d. Red.) hatte ich bislang noch keinen Kontakt. Man wird sich mit Sicherheit irgendwann mal im Stadion sehen.

Gab es schon Kontakt mit Investor Rolf Elgeti?
Wir hatten schriftlich Kontakt, und ich habe ihn darum gebeten, dass das persönliche Kennenlernen noch etwas nach hinten gestellt wird. Dafür hat er vollstes Verständnis, weil einfach andere Sachen wichtiger sind. Ich muss mir jetzt erst mal einen Einblick verschaffen in die ganzen Zahlen, wie alles abläuft. Wenn ich das durchgearbeitet habe, dann werde ich mich auch mit ihm zusammensetzen.

Welche Ziele haben Sie mit dem FC Hansa?
Ein Ziel werde ich jetzt nicht formulieren. Aber es ist ganz klar, dass wir, wenn wir gute Arbeit leisten, eine Chance haben. Jedem ist bewusst, der FC Hansa ist sowohl sportlich als auch wirtschaftlich am Boden. Jetzt müssen wir Aufbauarbeit leisten. Wir können über irgendwelche Ziele reden, wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Vorher brauchen wir uns nicht mit der Bundesliga zu beschäftigen. Normalerweise ist es so, dass man, wenn man Sport betreibt, gewinnen möchte. Die Jungs trainieren jeden Tag, um am Wochenende erfolgreich zu sein. Wir müssen die Grundlage schaffen, dass es so funktioniert. Dann ist es auch normal, dass es sportlich wieder nach oben geht. Der FC Hansa Rostock ist kein Verein, der in die 3. Liga gehört.

Am Sonnabend geht es nach Erfurt. Gibt es von Ihnen eine Ansage an die Mannschaft?
Da halte ich mich zurück. Da ist der Herr Klein der Fachmann. Aber ein Sieg ist nie verkehrt an einem Sonnabend oder Sonntag oder Freitag...

Sind Sie live im Stadion?
Ich werde auf jeden Fall vor Ort sein. Ich freue mich drauf.

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