zur Navigation springen

50 Jahre FC Hansa Rostock : Keine Party auf der Kogge, aber Land in Sicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Den 50. Geburtstag des FC Hansa hatten sich wohl alle Beteiligten anders vorgestellt. Der Fußball-Drittligist steckt in der Krise – sportlich wie finanziell. Selbst die für heute geplante Jubiläumsfeier „Hansa forever“ wurde aufgrund der bitteren Aktualität verschoben. Die große Zeit des Klubs von der Ostsee ist lange her, die Zukunft ungewisser denn je. Dabei hatte sich der am 28. Dezember 1965 durch die Herauslösung der Fußballabteilung des SC Empor Rostock gegründete Verein vor allem nach der Wende den Ruf als „Leuchtturm des Ostens“ erarbeitet. War der Klub zu DDR-Zeiten eher als „Fahrstuhlmannschaft“ denn als Spitzenteam aufgefallen, änderte sich dies nach 1990. Auch weil der Klub im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nicht so viele Spieler an Westklubs verlor. Seine größten Erfolge feierte Hansa daher, als die DDR schon Geschichte war. Im Mai 1991 sicherte sich der Klub die letzte „DDR-Meisterschaft“ in der NOFV-Oberliga und damit einen Platz in der ersten gesamtdeutschen Bundesliga. Wenig später folgte mit dem Pokalsieg das erste Double der Vereinsgeschichte. Ein Baustein des Erfolgs: Uwe Reinders, der als einer der wenigen Westtrainer im Sommer 1990 den Gang in den Osten gewagt hatte. Mit Erfolg.

1991 trat der FC Hansa erstmals in der Bundesliga an – und thronte nach einem 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg am ersten Spieltag an der Tabellenspitze. Eine Woche später folgte sogar ein Sensationssieg bei Bayern München, den direkten Abstieg am Ende der Saison verhinderte dies jedoch nicht. Reinders war da nach internen Streitigkeiten längst geschasst.

1995 kehrte der Klub in die Bundesliga zurück – und sollte zehn Jahre dort bleiben. Mit Spielern wie Stefan Beinlich, Marko Rehmer, Oliver Neuville oder Sergej Barbarez gelang dem Klub Jahr um Jahr der Klassenerhalt. 1996 und 1998 wurde man sogar Sechster. 1999 rettete sich Hansa im legendären Abstiegsfinale noch durch ein 3:2 beim VfL Bochum. Mit 412 Spielen hat der FCH mehr Bundesliga-Partien absolviert als alle anderen Ost-Klubs zusammen. Zeitweise war Hansa der beliebteste Klub im Osten – noch vor Bayern München.

Umso trister ist dagegen die Realität. Seit dem Abstieg 2005 hält der Absturz mit nur kurzen Unterbrechungen an. Anstatt mit sportlichem Erfolg macht der Klub mit internen Problemen und finanziellen Sorgen Schlagzeilen. Auch Teile der Fanszene schaden immer wieder dem Image. Mehrmals stand Hansa vor der Insolvenz, das Führungspersonal wechselte fast so häufig wie die Trainer.

Als Tabellen-16. droht dem Klub wieder einmal der erste Absturz in die Viertklassigkeit. Aber nach vier Punkten aus den zwei Spielen unter dem neuen Trainer Christian Brand scheint weit in der Ferne doch wieder Land in Sicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen