FC Hansa Rostock : „Jetzt ist einfach Feierabend“

Tatort Südtribüne:  Rostocker Fans zünden Bengalos, das Spiel endet im Chaos – trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen.
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Tatort Südtribüne: Rostocker Fans zünden Bengalos, das Spiel endet im Chaos – trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen.

Nach Krawallen sperrt Hansa beim Heimspiel am 3. Oktober 2500 Fans vom Ost-Duell gegen Dresden aus.

svz.de von
24. September 2015, 12:54 Uhr

Es ist kein guter Morgen für die Verantwortlichen des Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock. Nach den Ausschreitungen und Krawallen der Anhänger beim Spiel gegen den 1. FC Magdeburg ringt besonders Hansa-Vorstands-Chef Michael Dahlmann auch einen Tag danach um Fassung: „Wir sind tiefbetroffen darüber, dass Menschen verletzt wurden. Das sind Sachen, die gar nicht gehen, die wir in unserem Stadion nicht sehen wollen.“

Für den Vorstands-Chef gibt es nach den Ausschreitungen, dem Anzünden von Pyrotechnik und dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern nur eine Konsequenz: „Wir werden gegen Dynamo Dresden die Südtribüne schließen.“ Bereits eine Woche vor der Begegnung sind die vorhandenen 2500 Plätze ausverkauft. „Die Tickets werden nicht umgetauscht, es wird kein Geld zurückerstattet. Die bleibt einfach geschlossen an diesem Tag. Ich sehe das als eine gewisse Wiedergutmachung an“, so Dahlmann. Der Kartenvorverkauf wird weitergeführt.

Großinvestor Rolf Elgeti war ebenfalls schockiert über die Ereignisse. Aus diesem Grund habe er sich eine weitere Maßnahme überlegt: Er wird für jedes halbe Jahr, in dem es im Ostseestadion keine Vorkommnisse gibt, 250 000 Euro der Forderung, die er gegen die Ostseestadion GmbH hat, verzichten. Deren Gesamtschulden betragen 20,4 Millionen Euro.

Michael Dahlmann hofft auf eine ähnliche Reaktion der Fanszene wie nach dem Spiel gegen RB Leipzig – eine einsichtsvolle Stellungnahme. Momentan herrsche bei der aktiven Fanszene aber eher betretenes Schweigen zu den Vorkommnissen. „Das war ein Stückweit eine neue Qualität von dem, was unter meiner Verantwortung passiert ist. Jetzt ist einfach Feierabend“, sagt Dahlmann.

Auch Uwe Klein, Sportlicher Leiter beim Drittligisten, kritisiert die Krawalle: „Das ist für uns alle ein Rückfall in die Steinzeit.“

Auch für die Polizei waren die Ausschreitungen am Mittwochabend ein neues, trauriges Kapitel in Bezug auf Fanübergriffe: Im Anschluss an das Spiel zogen etwa hundert vermummte Hansa-Anhänger am Polizeizentrum in der Ulmenstraße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt vorbei und bewarfen das Gebäude mit Steinen. „Es war wie ein Schwarm, der auf einmal über uns hereinbrach“, beschreibt Yvonne Hanske von der Polizeiinspektion Rostock.

Bereits bei der Anreise der Magdeburg-Anhänger gab es Übergriffe: Der Fanzug wurde mit Gegenständen beworfen, wodurch zwei Scheiben zu Bruch gingen.

Um die Übergriffe auf Unbeteiligte vor Spielbeginn aufzuarbeiten, bei denen es Verletzte gab, wird der Verein mit der Polizei zusammenarbeiten. „Wir hatten zusätzliche HD-Kameras im Einsatz und werden den Sicherheitsbehörden die isolierten Aufnahmen geben, damit die Täter identifiziert werden können“, verspricht Dahlmann.

Sport- und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sieht den Vorstand und seinen Vorsitzenden in der Pflicht: „Der Verein trägt die Verantwortung für die Sicherheit im Stadion. Es muss erwartet werden, dass der Vorstandsvorsitzende sich höchstpersönlich mit den Problemen auseinandersetzt.“ Gleichzeitig fordert er, dass der Vorstand auf die Polizei zugeht und mit ihr bespricht, wie die Sicherheit besser wahrgenommen werden könne. „Irgendwie muss die Pyrotechnik ja in die Blöcke kommen. Ausschlussverfahren und Aberkennung der Mitgliedschaft sollten in Erwägung gezogen werden. Auch vor dem Aussprechen von Stadionverboten darf nicht zurückgeschreckt werden“, fordert Caffier weiter.

Der Deutsche Fußball-Bund hat die Ermittlungen nun aufgenommen, die Strafe für Hansa steht noch aus. Den Dialog mit den Fans wird Vereins-Chef Michael Dahlmann nicht abbrechen: „Das wäre der falsche Weg.“

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