"Ich werde ja sehen, was passiert..."

<strong>Schöner Ausblick</strong> sowohl sportlich als auch von der Optik: Sargis Adamyan, hier im Außenlift des Hotels IC Santai, in dem der FC Hansa während des Trainingslagers in Belek untergebracht war, könnte morgen zum ersten Mal im Profi-Kader stehen. <foto>Peter Richter</foto>
Schöner Ausblick sowohl sportlich als auch von der Optik: Sargis Adamyan, hier im Außenlift des Hotels IC Santai, in dem der FC Hansa während des Trainingslagers in Belek untergebracht war, könnte morgen zum ersten Mal im Profi-Kader stehen. Peter Richter

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24. Januar 2013, 08:10 Uhr

Rostock | Sargis Adamyan, Offensivkraft aus der Ober-liga-Vertretung des FC Hansa, durfte sich in der Wintervorbereitung bei den Fußball-Profis des Vereins empfehlen - und hat zumindest nicht an Boden eingebüßt.

"Ich will nur reinschnuppern und werde dann ja sehen, was passiert. Ich habe mir vorgenommen, alles zu geben, jede Trainingseinheit Gas zu geben, alles andere wird von allein kommen, denke ich", hatte der 19-Jährige seine große Chance vorher kommentiert - und sie anschließend recht vernünftig genutzt.

Familie wandert 1998 aus Armenien ein

Sargis wurde 1993 in der armenischen Hauptstadt Jerewan geboren. Sein Vater Vatchagan hatte dort eine Schuhfabrik. Nachdem das Geschäft nicht mehr wie gewünscht lief, wanderte die Familie 1998 nach Deutschland aus, wurde zunächst in Ueckermünde ansässig. 2004 zogen die Adamyans nach Neubrandenburg. Der Vater arbeitet mittlerweile als Lkw-Fahrer, Mutter Anahit in einer Bäckerei. Sargis hat mit Anna (29), Lusine (27) und Lilit (24) drei Schwestern.

2005 begann er beim 1. FC Neubrandenburg 04 mit dem Fußball - mit dem Fußball im Verein, um es korrekt auszudrücken. Denn natürlich kickte er bereits, bevor er zwölf war, und nicht erst seit sieben Jahren: Er ist noch ein echter Straßenfußballer.

2009 folgte der Wechsel zum FC Hansa, wo Adamyan in der B- und A-Jugend ebenso wie bislang in der zweiten Männermannschaft stets Stammspieler war - ob als Mittelstürmer oder im linken Mittelfeld. Zu seinen größten Erfolgen zählte das Erreichen des DFB-Pokalfinals 2011 mit den A-Junioren, das denkbar unglücklich mit 2:2/3:5 im Elfmeterschießen (auch Sargis trat an und verwandelte) an den SC Freiburg ging. In beiden A-Jugend-Jahren traf er zweistellig, verpasste kaum eine Begegnung. Ab der Saison 2012/13 im Kader des FC Hansa II, lief er immer von Beginn an auf, brachte es in 14 Partien auf je drei Tore und Vorlagen. Die Belohnung kam bei der letzten Trainingseinheit der "Zweiten" vor der Winterpause, als ihm Coach Axel Rietentiet mitteilte, "dass ich die Vorbereitung erst mal oben mitmache. Ich habe mich gefreut."

Auf Flugplatz Antalya für 150 Euro "freigekauft"

Adamyan war also auch dabei, als die Mannschaft für eine Woche ins Trainingslager in das türkische Belek reiste. Doch es ging zu mitternächtlicher Stunde auf dem Flughafen Antalya gar nicht gut los. Trouble bei der Passkontrolle: Statt eines Einreisepapiers für zehn Euro musste der Armenier entweder ein 30-Tage-Visum für 150 Euro "lösen" - oder er hätte nicht ins Landesinnere gedurft! Teammanager René Chaberny klärte den Fall - und Sargis dankte es mit guten Leistungen in den Übungseinheiten sowie zwei beherzten Testspiel-Auftritten gegen den FC Augsburg (1:4) und Les Astres FC de Douala (3:0). Wobei er im Duell mit den Kamerunern eine Vorlage von Michael Blum klug gegen die Laufrichtung des Torwarts zum 1:0 verwertete. In allen fünf Vorbereitungspartien war der dreifache Onkel dabei, traf dabei dreimal ins Schwarze.

Einst Landesmeister im Tischtennis

Dass Sargis Adamyan bis vor kurzem ausgerechnet Lucas Albrecht (SV Babelsberg 03, stürmte bis Jahresende 2012 für Hansa) als sein Vorbild benannte, hat natürlich seine Gründe: "Das war mehr ein Scherz. Ich verstehe mich mit ihm gut, wir sind Freunde. Ich kenne ihn schon lange, er kommt auch aus Neubrandenburg, und ich will den gleichen Weg gehen wie er, also es bis zu den Profis schaffen."

Lieblingssportler des Lichtenhägers ist Profi-Boxer Awetik Abrahamjan, besser bekannt als Arthur Abraham alias King Arthur. Weil er aus Armenien stammt und in Deutschland groß raus kam. Nun muss es ja nicht gleich neben King Arthur im Boxen eines Tages auch einen King Sargis im Fußball geben, wenngleich: Im Tischtennis hat er sich die Krone schon mal aufgesetzt. In seiner frühen Jugend, noch in Ueckermünde, ist Adamyan einst Landesmeister von Mecklenburg-Vorpommern geworden. Und beim FC Hansa stehen zumindest die Chancen nicht schlecht, dass er für das Spiel morgen gegen Preußen Münster zum Kader gehört.

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