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Hansa-Kapitän Amaury Bischoff : Ich bin nicht Messi oder sonstwer

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hansa-Kapitän Amaury Bischoff kehrt nach Rot-Sperre zurück. Im Interview betont der Regisseur, dass er ein Teil der Mannschaft sei

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erstellt am 13.Sep.2017 | 08:00 Uhr

Vor fünfeinhalb Wochen sah Hansa-Kapitän Amaury Bischoff im Heimspiel gegen den SV Meppen (1:2) die rote Karte und wurde anschließend für drei Partien in der 3. Fußball-Liga gesperrt. Aufgrund von DFB- und Landespokal – in den Partien dieser Wettbewerbe durfte der Regisseur mitwirken – ist die Liga-Pause für den Routinier sechs Wochen lang. Am Sonnabend ab 14 Uhr im Heimspiel gegen den SV Werder Bremen II könnte Bischoff im Ostseestadion wieder die Fäden im Spiel der Rostocker ziehen. NNN-Redakteur André Gericke sprach mit Amaury Bischoff.

Amaury Bischoff, wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Bischoff: Die Zeit war sehr lang und schwierig. Ich liebe Fußball und lebe für den Fußball. Natürlich möchte ich im Stadion sein, doch einfach nur gucken und den Kollegen nicht helfen zu können, ist brutal schwer. Ich habe die Zeit aber auch für mich genutzt, um zu arbeiten, und Extra-Schichten geschoben. Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist.

Wie haben Sie die Auftritte Ihrer Kollegen gesehen?

Eigentlich spielen wir guten Fußball und im Vergleich zum vergangenen Jahr auch komplett anders. Mit der Idee vom Trainer, über Ballbesitz-Fußball zum Erfolg zu kommen, klappt es ganz gut. Doch wir dürfen es mit dem Ballbesitz nicht übertreiben, sondern müssen auch zielstrebig sein und natürlich Tore schießen. Damit meine ich nicht nur Soufian Benyamina. Alle, die auf dem Platz stehen, können Tore erzielen. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass einige Spieler wie Alibaz, Hilßner oder Blaswich erst seit ein paar Wochen bei uns sind.

War es am Wochenende beim 0:2 in Magdeburg besonders schwer zuzuschauen, weil die Mannschaft dort verloren hat?

Es ist egal, ob wir gewinnen oder verlieren, ich möchte immer dabei sein. Und wenn die Jungs verlieren, verliere ich natürlich auch, selbst wenn ich nicht spiele. Beim Gewinnen ist es genauso. Wenn man weiß, dass man am Wochenende nicht spielt, sind die Wochen immer ziemlich lang. Ich habe versucht, die Jungs im Training zu fordern, so gut ich es konnte. Ich bin ein Teil der Mannschaft und gebe einfach immer das Beste.

Wie sehen Sie den Start mit elf Punkten aus sieben Partien?

Er ist gut, doch ich trainiere jetzt seit drei Monaten mit dieser Mannschaft und weiß, dass wir noch besser spielen und bessere Ergebnisse erzielen können. Wir müssen vielleicht noch einen Tick dreckiger und aggressiver sein. In der 3. Liga ist es in den Partien anfangs eine Kampfsache, und wenn man danach gut Fußball spielen kann, ist es immer ein Vorteil.

Zu einem Heimsieg hat es in den bisherigen drei Anläufen gegen Großaspach (0:0), Meppen (1:2) und Münster (1:1) nicht gereicht. Warum klappt es mit einem Erfolg am Sonnabend gegen Werder Bremen II?

Wir haben in den drei Heimspielen gute Leistungen gebracht, aber was am Ende zählt, ist das Ergebnis. Wenn wir wieder so auftreten, dann wird es auch klappen. Wir sollten versuchen, daran anzuknüpfen, und nichts anderes probieren, sondern genauso aggressiv und druckvoll Fußball spielen. Wir haben einfach unsere Chancen nicht genutzt.

Was muss sich ändern, damit Hansa die nötigen Tore macht?

Der Ball muss über die Linie. Das ist das eine Prozent, was uns bislang gefehlt hat. Wir hatten immer fünf bis sieben Chancen. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass wir in der 3. Liga sind, und da kann nicht alles klappen. Wir befinden uns aber auf einem sehr guten Weg. Wenn wir jetzt vor dem Tor einen Tick hungriger und noch ein bisschen aggressiver sind, werden wir den Ball auch reinmachen. Wir müssen die Situation erzwingen. Und das jeder Spieler. Alle können Tore schießen. Jedem muss bewusst sein, dass er den entscheidenden Treffer erzielen kann. Für mich ist es wichtig, dass die Jungs das wissen und merken.

Da schließen Sie sich sicher mit ein. In 23 Drittliga-Partien für Hansa gelang Ihnen bislang erst ein Tor...

Na klar nehme ich mich mit. Wenn ich als Sechser aufgestellt werde, ist es sicher nicht so einfach. Doch es gibt auch die Chance bei Freistößen, und da habe ich in der 3. Liga auch schon ein paar reingemacht.

Der Trainer fordert mehr Abschlüsse, auch aus der Distanz. Ist das auch ein Mittel, um die Tor-Armut zu besiegen?

Wir sehen jede Woche in den verschiedenen Ligen Tore aus 20, 25 oder 30 Metern. Warum sollte das bei uns nicht auch klappen. Wir haben Spieler, die sehr gut schießen können. Es ist eine Möglichkeit.

Ihre Teamkollegen haben Sie in den drei Spielen gut vertreten. Gehen Sie davon aus, als Kapitän automatisch wieder in die Start-Elf zurückzukehren?

Ich bin jetzt nicht mehr 20 Jahre alt, sondern 30 und erfahren genug. Es geht nicht mehr um meine Person, sondern um die Mannschaft. Wenn wir gewinnen, bin ich froh, auch wenn ich nicht spiele. Natürlich lebe und liebe ich den Fußball und möchte immer auf dem Platz sein, aber wenn der Trainer der Meinung ist, dass ein anderer Spieler auflaufen soll, dann ist es gut. Ich werde meine Rolle als Kapitän von der Bank oder von der Tribüne ganz genauso machen und die Jungs fordern. Ich bin sozusagen nicht Messi oder sonstwer, sondern ein ganz normaler Spieler, ein Teil von unserer Mannschaft.

Jetzt steht eine englische Woche mit zwei Heimspielen in Folge an. Ist es auch die Chance, nach dem guten Start ein Zeichen zu setzen?

Natürlich können wir ein Zeichen setzen, aber in erster Linie für uns. Wir sagen oft, dass wir dieses Potenzial haben. Das haben wir auch, aber wir müssen es nun auch durch Ergebnisse beweisen. Wir sollten aber zunächst nur über Bremen II reden. Das ist eine sehr gute Mannschaft, vor allem fußballerisch. Fast jeder, der in einem Profi-Verein aktiv ist, hat mal in einer U 23 oder U 19 gespielt. Es sind alles sehr gute junge Spieler, die schnell und technisch gut sind. Wir brauchen aber keine Angst zu haben, weil wir auch gut kicken und zocken können. Erst einmal müssen wir aggressiv und dreckig sein, um dann auch spielerisch zu überzeugen. Sollten wir es schaffen, die drei Punkte zu holen, bin ich davon überzeugt, dass wir sie dann auch gegen Zwickau holen werden.

 

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