FC Hansa Rostock: Marco Vorbeck : Heute trainiert er selbst die Talente

Marco Vorbeck mit Ehefrau Mirela (geboren in Bosnien-Herzegowina, kam aber schon als Kind nach Bayern, macht sich gerade in Kröpelin und Umgebung als Immobilienmaklerin selbstständig) und Sohn Lionel Marco sowie dessen Kuscheltier Hasi. Der Zweieinhalbjährige „ist technisch veranlagt, scrollt mein Handy durch und macht Videos an“, so der stolze Papa. „Autos und Motorräder findet er cool. Fußball spielt er auch schon. Der knallt da die Dinger durch die Gegend…“
Marco Vorbeck mit Ehefrau Mirela (geboren in Bosnien-Herzegowina, kam aber schon als Kind nach Bayern, macht sich gerade in Kröpelin und Umgebung als Immobilienmaklerin selbstständig) und Sohn Lionel Marco sowie dessen Kuscheltier Hasi. Der Zweieinhalbjährige „ist technisch veranlagt, scrollt mein Handy durch und macht Videos an“, so der stolze Papa. „Autos und Motorräder findet er cool. Fußball spielt er auch schon. Der knallt da die Dinger durch die Gegend…“

Marco Vorbeck, früherer Kapitän der A-Jugend, kehrte 2015 zum FC Hansa zurück und führte die B-Junioren sofort in die Bundesliga

svz.de von
25. Juni 2016, 05:00 Uhr

Natürlich ist der Erfolg nicht allein sein Verdienst. Er aber ist gewissermaßen das Gesicht der Rückkehr des FC Hansa in die Fußball-Bundesliga: Marco Vorbeck, erst seit 2015 wieder in Rostock, hat die B-Junioren des Vereins auf Anhieb auf Platz zwei der Regionalliga Nordost und damit zum Aufstieg geführt.

Damit schließt sich nach 16 Jahren ein Kreis. Im Februar 2000 hatten NNN das Talent Vorbeck porträtiert – den verlässlichen Knipser, Kapitän der Hansa-A-Junioren, Bewohner des Vereins-Internats, ihn, der zu so vielen Hoffnungen Anlass gab. Karriere hat der gebürtige Kühlungsborner dann zwar wie erwartet gemacht, doch sie endete verletzungsbedingt zu früh schon im Alter von noch nicht 28 Jahren, nach gerade mal 76 Spielen in der 1. und 2. Bundesliga.

Und heute? Da ist er selbst derjenige, der sich um die begabten jungen Leute kümmert.

„,Früher waren meine Haare schneeweiß’, ,Ohne Ohrringe fühle ich mich nackt’ – ja, das waren noch Zeiten. Und was, 70 Kilo habe ich damals gewogen? Heute sind es 86“, amüsiert sich Marco Vorbeck – jetzt körperlich robuster, aber nach wie vor drahtig-schlank in der Ü 35 des Kröpeliner SV hobbykickend – beim Blick auf den alten Zeitungsausschnitt.

Auch dass er auf dem Weg zum Abitur aufschreiben musste, wann und wie oft er lernt, kam seinerzeit zur Sprache. „Es stimmt, ich habe früher nicht viel gemacht, fand das nicht so entscheidend, ob da nun am Ende Zwei Komma oder Drei Komma steht. Aber man wird ja auch reifer. In der Ausbildung war ich viel besser als in der Schule.“

Als er Jung-Profi war, hätte er zu Werder Bremen, zu Borussia Dortmund wechseln können, „aber ich hing an Rostock, bin ja irgendwo auch Hansa-Fan, und so habe ich auch auf sehr viel Geld verzichtet“. Er wollte eigentlich nie woanders hin. Doch es ergab sich anders…

Mit erst 27 sollte der seit gestern 35-Jährige beim 3:0 des FC Augsburg gegen die SpVgg Greuther Fürth am
9. Dezember 2007 sein letztes Profi-Spiel machen. Kurz darauf erlitt er einen Sehnenriss. Außerdem stellte sich heraus, dass offenbar bereits zu seiner Zeit bei Dynamo Dresden (2005 bis 2007) die Bänder im anderen Fuß regelrecht zerfetzt waren.

Das Ende vom Lied – mit Ablauf des Vertrages beim FCA 2009 endete Vorbecks Laufbahn als Berufsfußballer: „Ich war ein Dreivierteljahr raus. Im Nachhinein ärgere ich mich. Ich hätte gern noch weiter 2. Bundesliga oder Regionalliga (damals dritthöchste Klasse –
d. Red.) gespielt, aber es hat sich sportlich nichts mehr ergeben. Und ich musste zusehen, dass ich Geld verdiene.“

Nachdem Marco Vorbeck 2009/10 über die „Zweite“ von 1860 München versuchte, sich noch mal fit zu machen und für höhere Aufgaben zu empfehlen („Trainer Ewald Lienen wollte mich in die 2. Liga hochziehen, doch auch daraus wurde letztlich nichts“), schloss sich der Mecklenburger 2010 dem Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim an und begann eine Lehre zum Bankkaufmann, nach deren erfolgreichem Abschluss er auch als solcher in der Sparkasse Rosenheim hinterm Schalter stand: „Das ist kein schlechter Beruf, absolut in Ordnung, hat Spaß gemacht. Aber ich wollte wieder hauptberuflich in den Fußball.“

Abgesehen von Kreisklasse-Auftritten beim FC Halfing konzentrierte sich der frühere U21-Nationalspieler nunmehr auf den Aufbau seiner Trainer-Laufbahn, ging bei 1860 Rosenheim zielstrebig die ersten Schritte. Seit 2015 hat Vorbeck die
A-Lizenz. Im gleichen Jahr bewarb er sich, weil er am liebsten zurück in die Heimat wollte, u. a. beim FC Hansa – und wurde angenommen.

Ein Glücksgriff des Vereins, der mit seiner U 17 nun wieder in der höchsten Spielklasse vertreten ist – und auch in der B-Jugend-Bundesliga auf die Dienste von Marco Vorbeck setzt. Der, mittlerweile ausgestattet mit einem Vertrag bis 2018, baut nicht nur in Detershagen bei Kröpelin fast direkt gegenüber dem Haus seiner Mutter, in dem er aufwuchs, sein eigenes Familienheim, er betont zudem: „Wenn man was anfängt, sollte man es auch bis zum Ende durchziehen.“ Will sagen, klar soll der Fußball-Lehrer-Schein irgendwann für ihn ein Thema sein. Doch erst mal kommt die Mission Bundesliga-Klassenerhalt. Der Coach ist zuversichtlich, „weil ein Großteil der Jungs sehr selbstständig ist im Vergleich zu uns damals. Es ist zudem natürlich nicht zum Nachteil, dass ich mich in die Spieler hineinversetzen kann. Ich bin zwar streng, kann aber auch verstehen, wenn sie ein bisschen müde sind. Dann dürfen sie auch mal fünfe gerade sein lassen. Ich lege allerdings Wert auf Disziplin.“

Und Marco Vorbeck kündigt an, neue Akzente setzen zu wollen. Zum Beispiel Boxen ins Training seiner Spieler (von denen etwa die Hälfte zum jüngeren Jahrgang
gehörte, also in den Genuss der Bundesliga kommt) zu integrieren, „damit auch mal andere Körperregionen beansprucht werden“.

Zur Person: 38-mal 1. Liga

Marco Vorbeck wurde am 24. Juni 1981 in Kühlungsborn geboren. Der bei Traktor Kröpelin und der TSG Neubukow „groß“ gewordene Stürmer kam für den FC Hansa zu 38 Einsätzen in der 1. Bundesliga, in denen er sechs Tore erzielte (2001 bis 2005). Auf weitere 38 Spiele und sieben Treffer brachte er es in der 2. Bundesliga (Dynamo Dresden 29/6, FC Augsburg 9/1). Seine Trainer-Laufbahn begann A-Lizenz-Inhaber Vorbeck als Nachwuchskoordinator beim TSV 1860 Rosenheim, dessen U 19 (2011 bis 2013) und U 17 (2013 bis 2015) er betreute (Aufstieg 2014 mit der U 17 in die Bayernliga). In Rostock führte der seit gestern 35-Jährige die B-Junioren (U 17) auf Anhieb in die Bundesliga zurück.

Peter Richter


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