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Ermittlungen beim Drittligisten : Hansa-Vorstandschef Dahlmann tritt zurück

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Der FC Hansa Rostock kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach dem Abwenden der Insolvenz und dem knapp geschafften Drittliga-Verbleib ging es sportlich langsam wieder aufwärts, ehe Querelen in der Führungsetage nun die Existenz des Traditionsclubs erneut gefährden.

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 10:27 Uhr

Beim Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock ist das nächste Kapitel eines schier unendlichen Krisenszenarios aufgeschlagen worden.

Der Vorstandsvorsitzende Michael Dahlmann hat heute den Rücktritt von seinem Amt angeboten, um Schaden vom Verein abzuwenden. Der Aufsichtsrat des F.C. Hansa Rostock hat das Angebot einstimmig angenommen. Michael Dahlmann dazu: "Ich wünsche mir, dass die Fans meine Entscheidung respektieren und im Spiel gegen Dynamo Dresden unsere Mannschaft friedlich und gewaltfrei unterstützen." Bis zur Bestellung des neuen Vorstandes werden die Geschäfte satzungsgemäß durch die beiden verbliebenen Vorstandsmitglieder Rainer Friedrich und Constanze Steinke kommissarisch weitergeführt.

Die Geschäftsstelle des Vereins war heute von der Polizei dicht gemacht worden. Keiner der Mitarbeiter durfte das Haus betreten. Angeblich sollten Spezialkräfte zum Einsatz kommen, um eine Durchsuchung vorzunehmen. Diese fand jedoch nicht statt. Unterdessen wurde die Geschäftsstelle wieder von der Staatsanwaltschaft freigegeben. Die genauen Umstände dieser Aktion sind noch unklar.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Rostock hat Ermittlungen gegen Dahlmann aufgenommen. „Es liegt eine Anzeige wegen Untreue am Vereinsvermögen vor“, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Harald Nowack. Für den 37-jährigen Vorstandschef des Fußball-Drittligisten wurde der Druck dann zu groß.

Am Donnerstag berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass Dahlmann Nähe zur extremen Fanszene hat. In dem vorliegenden Schriftverkehr involviert ist auch Rolf Elgeti, der neue Großinvestor des Traditionsclubs. Zwar beteuerte dieser immer wieder, sich nicht ins Tagesgeschäft des Vereins einzumischen. Doch laut Mail-Verkehr arbeitet er offenbar mit an der Demission des Aufsichtsrates um den Vorsitzenden Harald Ahrens. „Offen gesagt: Mir reicht's! Ich kann diese Stümperei nicht mehr mitansehen. Und auch wenn ich mich jetzt noch unpopulärer mache: Ich werde am 1.11. für den Aufsichtsrat kandidieren. Für den Fall einer Wahl verspreche ich Euch, mich mit voller Kraft für die Sanierung unseres Vereins einzusetzen“, ließ Elgeti in einem Fanforum des Vereins publizieren, weil es „gerade wegen geschlossener Geschäftsstelle nicht möglich“ sei.

Der tiefe Riss zwischen Hansa-Vorstand und dem Aufsichtsrat wird auch  in einem Schriftwechsel deutlich, in dem es um die Destabilisierung des höchsten Vereinsgremiums geht. „Wenn zwei oder mehr zurück treten, umso besser“, schreibt der Finanzfachmann Elgeti unter anderem an Dahlmann und an Roman Päsler, den Vorstandsvorsitzenden der Fanszene Rostock e.V.

Hansa-Investor Elgeti soll im Juli dem Aufsichtsrat angeboten haben, auf acht Millionen Euro seiner Forderungen (insgesamt 20 Millionen) zu verzichten, wenn der Aufsichtsrat den 2016 auslaufenden Vertrag mit Dahlmann vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert hätte. Das Kontroll-Gremium lehnte aber ab. Das bestätigte Dahlmanns Anwalt Peter-Michael Diestel, selbst von 1994 bis 1997 Hansa-Präsident, der „Bild-Zeitung“.

Hansas Aufsichtsrat, der am Donnerstag auf der Geschäftsstelle tagte,  besteht nach vier Rücktritten nur noch aus fünf Mitgliedern. Tritt ein weiterer zurück, ist das höchste Vereinsgremium nicht mehr beschlussfähig. Deshalb soll auf der Mitgliederversammlung am 1. November eine Nachwahl stattfinden. Auf der Versammlung des über 10 000 Mitglieder zählenden Vereins wird auch über die Ausgliederung der Profiabteilung abgestimmt.

Dahlmann ist seit Februar 2013 im Amt und war wegen seiner Kontakte zu den Ultras immer wieder kritisiert worden. Er hatte aber stets betont, den Dialog mit allen Anhängern führen zu wollen, selbst nach gewalttätigen Auseinandersetzungen zuletzt mit Fans des 1. FC Magdeburg. Am Rande der Partie hatten sich Anhänger beider Vereine mit Raketen beschossen. Hansa reagierte mit der Schließung der Südtribüne, der Heimstatt der extremen Szene, für das Heimspiel an diesem Samstag gegen Dynamo Dresden.

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