zur Navigation springen

Interview zum Sanierungspaket : Hansa spart weitere halbe Million ein

vom

Robert Marien und Christian Hüneburg vom Hansa-Vorstand erklären im Interview das dritte Sanierungspaket des Vereins

svz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 16:41 Uhr

Der FC Hansa Rostock verfolgt konsequent seinen Ende 2015 eingeschlagenen Kurs der wirtschaftlichen Konsolidierung. Am Dienstag veröffentlichte er die wesentlichen Punkte des inzwischen dritten Sanierungspakets, mit dem etwa 500000 Euro eingepart werden sollen. Dietmar Tahn und Peter Richter hatten kurzfristig die Möglichkeit, bei den Vorstandsmitgliedern Robert Marien (Marketing und Vertrieb) und Christian Hüneburg (Finanzen und Verwaltung) detaillierter nachzufragen.

Herr Hüneburg, Herr Marien, was ist auf den Punkt gebracht der Grund für die dritte Runde drastischer Sparmaßnahmen beim FC Hansa?
Christian Hüneburg: Die Kosten sind zu hoch, das ist die Message. Wir haben in der Verwaltung und im Bereich der Sachkosten zu viel Geld ausgegeben. Bei der Sanierung drei geht es explizit um die Verwaltung des Lizenz- und Nachwuchsbereiches. Diese ist für Drittliga-Verhältnisse zu teuer. Hier müssen wir unabdingbare Anpassungen vornehmen. Die Maßnahmen insgesamt sollen langfristig dazu führen, dass wir wieder mehr Geld in die erste Mannschaft investieren können. Wir geben im Moment 30 Prozent von unserem Umsatz für den Spieleretat der Profis aus. Andere vergleichbare Vereine liegen bei 38 bis 40. Wer mittelfristig aufsteigen will, braucht 45 Prozent.

Robert Marien: Wir wollten in den zurückliegenden Monaten den Bereich Sport bewusst nicht in der Saisonphase angehen – darum der Zeitpunkt für das dritte Sanierungspaket jetzt. Wir wollen uns damit  konsolidieren. Das bedeutet, nicht ständig gegen den Abstieg  zu spielen, nicht bis kurz vor Schluss zittern zu müssen, sondern früher den Klassenerhalt klar zu machen.

Das dritte Sanierungspaket beinhaltet die betriebsbedingte Kündigung von vier Mitarbeitern. Lassen Sie uns konkret darüber sprechen. Wieso die Trennung von Teammanager René Chaberny?
Hüneburg: Die Strukturen in der Verwaltung bei den Profis waren zu umfangreich, selbst für das Niveau 2. Bundesliga. Der Bereich, um den sich René Chaberny kümmerte, wird intern aufgefangen, die Arbeit umverteilt. Wir haben auch nicht mehr so viele ausländische Spieler und müssen also nicht alle immer  zu jedem Amt begleiten.

Marien: Wir werden die Spieler ein bisschen mehr in Richtung Selbstständigkeit schubsen. Ein Teammanager ist auch bei anderen Vereinen keine Vollzeitstelle, sondern da macht das zum Beispiel der Co-Trainer mit. Es wird auch einiges  wegfallen, zum Beispiel in der Pflege. Das Wichtigste wird aber aufgefangen, wobei wir uns daran orientiert haben, was unabdingbar ist.

Sanierungspaket 3. Die wesentlichen Punkte
  • Es wurden vier betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen
  • Tätigkeitsfelder werden intern aufgefangen, die Arbeit umverteilt
  • Hansa II mit kleiner Personaldecke und ehrenamtlichem Trainer
  • Plätze im Internat werden reduziert, Unterbringung künftig teurer
  • Anpassung der Monatsbeiträge der Nachwuchsspieler
  • Einsparungen in der medizinischen Betreuung
  • Mittelvorgabe für Hotels und Einholung von je drei Angeboten
  • Einnahmen durch Vermietung von VIP-Parkplätzen

Roland Kroos trainiert derzeit die zweite Mannschaft des FC Hansa in der Oberliga. Bald nicht mehr. Wer wird das dann an seiner Stelle tun?
Marien:  Lassen Sie mich an dieser Stelle  zunächst zum Ausdruck bringen, dass uns sämtliche Kündigungen menschlich leid tun, zumal  die Mitarbeiter Verdienste um den Verein haben. Allerdings hatten  wir im Nachwuchs über Jahre nicht den Output, den wir benötigen. Aus der Ausbildung schaffen es einfach zu wenige Spieler in den Kader für die 3. Liga. Die A- und B-Junioren sind aus der Bundesliga abgestiegen, und wenn ich unseren Aufwand von einer Million Euro pro Saison sehe, dafür  kommt  nicht genug oben an. Auch die Qualifikation der Trainer spielt eine Rolle, weil das Bestandteil der Auflagen für die Zertifizierung des Nachwuchsbereiches ist (Roland Kroos verfügt über die B-Lizenz – d. Red.). Wir wollen Paul Kuring (Trainer A-Junioren – d. Red.) und Marco Vorbeck (B-Junioren – d. Red.) von der A-Lizenz perspektivisch an den Fußball-Lehrer heranführen, um uns auch in dieser Hinsicht eines Tages aus den eigenen Reihen aufstellen zu können.

Hüneburg: Wir haben zehn Prozent unseres Umsatzes in den Nachwuchsbereich gesteckt. Bei anderen Vereinen macht das fünf bis sechs Prozent aus. Und die Durchlässigkeit war nicht gegeben bzw. nicht gut genug.

Aber es wird doch weiter eine zweite Mannschaft geben, oder? Und für die muss es ja auch weiterhin einen Trainer geben.
Marien: Die zweite Mannschaft wird nicht abgeschafft, auch wenn sie eigentlich ein Luxus ist, wenn man bedenkt, dass wir allein in diesen Bereich einen Etat von 230 000 Euro reingesteckt haben. Auf solch einem großen Fuß können wir aber nicht mehr leben. Die „Zweite“ wird künftig nur noch eine kleine Personaldecke haben, sie wird vor allem gebildet aus Spielern der A-Jugend als unserer wichtigsten Nachwuchsmannschaft sowie Profis, die in der 3. Liga jeweils nicht zum Einsatz kommen.

Hüneburg: Es ist angedacht, dass der A-Junioren-Coach sozusagen der Cheftrainer von beiden Teams ist und die zweite Mannschaft bei ihren Spielen von einem Ehrenamtler betreut wird. Vom bisherigen Etat bleibt ungefähr noch ein Viertel.

Kommen wir zum zweiten Zeugwart Alexander Kodera, der vor allem im Nachwuchsbereich tätig war.
Hüneburg: Auch seine Aufgaben inklusive  Beflockung der Trikots werden intern aufgefangen. Bei den A-Junioren haben wir zum Beispiel bereits damit angefangen, dass sie ihre Sachen selber waschen. Sie können die vorhandenen Waschmaschinen nutzen und müssen das über einen Plan, wie das ja auch bei der Kabinenreinigung gang und gäbe ist, organisieren, dass das also immer reihum geht.

Mit Thomas Engels verzichtet der Verein künftig auch auf einen Sozialpädagogen.
Marien:  Wir haben im Personalstamm des Nachwuchses weiterhin Mitarbeiter, die in der Lage sind, die pädagogischen Arbeiten zu übernehmen. Auch das Internat spielt im dritten Sanierungspaket eine Rolle. Hier  haben wir im Augenblick 26 Plätze, die wir auf 18 reduzieren werden. Internatler müssen zudem grundsätzlich Stammspieler sein. Einen Fußball-Tourismus können wir uns nicht leisten.

Hüneburg: Auch bei den Beiträgen der Spieler für die Unterbringung im Internat werden wir uns zumindest an das „untere Mittelfeld“ anpassen müssen. Bei uns sind derzeit 170 Euro monatlich zu zahlen. Das Übliche auf der Ebene ostdeutscher Vereine sind 320 bis 420 Euro. Wir werden stufenweise erhöhen, im ersten Schritt um etwa 50 Prozent auf 250 Euro, nach einem Jahr auf 320.

Auch die Mitgliedsbeiträge der Nachwuchsspieler steigen…
Marien: Da liegen wir im Moment bei  2,50 Euro im Monat. Üblich sind 15 bis 18 Euro. Wir werden um zehn Euro erhöhen und liegen damit immer noch deutlich im „Mittelfeld“ bzw. sozusagen „auf den Abstiegsrängen“.

Ebenso soll in der medizinischen Betreuung der Profis eingespart werden.
Marien: Die Frage ist, was kann sich der Verein leisten. Wir hinterfragen alles, natürlich auch Ärzte- und Physiotherapeuten-Kosten. In diesem Bereich liegen wir mit einem sechsstelligen Betrag pro Saison ebenfalls höher als vergleichbare Vereine. Und wenn wir die Auskunft  bekommen, dass die Fitnesswerte der Spieler auch anderweitig und günstiger ermittelbar sind, dann brauchen wir das Equipment für Laktattests nicht mehr einzukaufen.

Weitere Sparposten ist neben  den sogenannten „Frei-Trikots“ auch die  Unterbringung der Lizenzspieler in Hotels vor Auswärtspartien…
Hüneburg: Jeder braucht natürlich  ein Bett und eine Dusche, es muss ein Ess- und ein Besprechungszimmer geben. Aber das Hotel kann auch ruhig 30 Kilometer vom Spielort entfernt sein, das muss sich nicht direkt in der Stadt befinden, wenn es dadurch billiger wird. Wir werden jeweils drei Angebote einholen, und es wird eine Mittelvorgabe praktiziert.

In dem Zusammenhang: Wird womöglich das Winter-Trainingslager gestrichen?
Marien: Nein. Allerdings wird es nicht nach Spanien oder Portugal gehen. Das würde eine mittlere fünfstellige Summe kosten. In der Türkei haben wir Anfang dieses Jahres fast die Hälfte gespart. Wir orientieren uns an vergleichbaren Größenordnungen, also nicht Sonnenhof Großaspach, sondern zum Beispiel Hallescher FC, und legen das Preis-Leistungs-Verhältnis zugrunde. Insofern ist geplant, wieder in die Türkei zu fliegen.

Ein sehr interessanter Punkt ist die Vermarktung von VIP-Parkplätzen. Wie ist das zu verstehen?
Hüneburg: Wir haben fast 1100 eigene Parkplätze. Die wurden bisher großzügig vergeben an die Veranstaltungsorganisation, an Mitarbeiter, Spielerfrauen, Presse usw. Das ist eine Regelung, da müssen wir ran, haben auch schon Stück für Stück unsere Einnahmen auf 3000 bis 4000 Euro gesteigert. Es gibt freie Kapazitäten, da kann sich jeder über unsere Ticketing-Abteilung auf die Warteliste setzen lassen. Die Kosten für einen Parkplatz belaufen sich auf zehn Euro pro Spieltag. Es gibt auch die Möglichkeit, eine „Jahreskarte“ zum Preis von 90 bis 160 Euro zu erwerben.

Marien: Ich würde gern noch betonen wollen, dass wir zwar  leider  um Härtefälle und teilweise erhebliche Einschnitte nicht herumkommen, dass wir jedoch sanieren müssen, um die Zukunft des FC Hansa Rostock positiv gestalten zu können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen