Hansa muss die Zukunftschance nutzen

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09. Mai 2012, 09:21 Uhr

Der FC Hansa hat die Chance auf eine Zukunft. Dass die Rostocker Bürgerschaft gestern dem Rettungspaket für den Verein zustimmte, ist ein Sieg der Fans auf der ganzen Linie. Denn die beeindruckenden und friedlichen Aktionen der Hansa-Anhänger, die deutschlandweites Echo finden, haben die Gemeindevertreter der Hansestadt Rostock augenscheinlich überzeugt, sich rasch und nachhaltig mit der drohenden Insolvenz des Clubs zu beschäftigen. So zumindest empfinden es viele Menschen. Die Rostocker Stadtvertreter haben mit ihrem gestrigen "Ja zum FCH" ein deutliches Signal gesetzt und damit tausenden Menschen aus dem Herzen gesprochen. Nun müssen sie dieses Votum auch tragen und mithelfen, dass die Finanzspritzen entsprechende Wirkung für den Club, die Stadt und das Gemeinwohl zeigen. Das sind sie ihren Wählern schuldig - vor allem auch jenen, die der Hilfe für Hansa kritisch, skeptisch oder ablehnend gegenüber stehen. Leute aus diesem Lager werden weiter wachsam sein, was mit den Steuergeldern passiert.

Wohl auch deshalb, weil dem Bekenntnis der Bürgerschaft für Hansa ein fader Beigeschmack anhaftet. Denn zwischenzeitlich drängte sich Insidern und Außenstehenden gleichermaßen der Eindruck auf, als wollten einige Kräfte Hansa zum Spielball für ihre Interessen in der Stadtpolitik machen. Das ist gefährlich!

Es passt beispielsweise nicht zusammen, dass jemand die Hilfe für den FC Hansa generell in Frage stellt und fast im selben Atemzug den Antrag auf Mitgliedschaft im Club abgibt. Ja, das eine darf das andere nicht ausschließen. Aber so zeitnah hat das etwas Geschmäckle. Hansa ist für Rostock und Mecklenburg-Vorpommern zu bedeutsam, um möglicherweise als Speerspitze benutzt zu werden. Kritisches Hinterfragen jedoch sollte der Politik und den Mitgliedern des Vereins mit Blick auf den derzeitigen Schuldenberg künftig ein höheres Gut sein.

Gottlob gibt es nun wieder Hoffnung auf bessere fußballerische und finanzielle Zeiten für Hansa. Jedoch erfüllt sie sich nur dann, wenn jetzt an allen Ecken angepackt wird. Die Fans dürfen trotz ihres phänomenalen Einsatzes nicht nachlassen. Sie müssen den Weg des entschlossenen, aber friedlichen Einstehens für ihren FC Hansa unbedingt beibehalten. Sportlich steht die Aufgabe, eine Mannschaft in die 3. Liga zu schicken, mit der sich die Anhänger identifizieren können. Wirtschaftlich sind die Club-Verantwortlichen gefordert, die Balance zwischen Sparen und Investition an den richtigen Stellen zu finden. Gelingt dies, ist der gestrige Entscheid der Bürgerschaft sinnvoll. Weil der FC Hansa nur dann wirklich die vielleicht historische Chance auf eine Zukunft besitzt.

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