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Hansa: Auf einmal wieder Zweitligist

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erstellt am 28.Mai.2010 | 09:02 Uhr

Bielefeld | Trotz neuer Finanzhilfen in Millionenhöhe droht dem hochverschuldeten Fußball-Traditionsklub Arminia Bielefeld weiter die Insolvenz und der Totalabsturz. Die Stadt Bielefeld beschloss gestern auf einer öffentlichen Ratssitzung eine Soforthilfe in Höhe von 500 000 Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen wird zwei Millionen Euro Verbindlichkeiten aus der Stadionpacht stunden. Trotzdem muss der Zweitligist noch 2,35 Millionen Euro zusammenkratzen, um der Deutschen Fußball Liga (DFL) bis Mittwoch 15.30 Uhr die für die Erteilung der Lizenz notwendigen finanziellen Garantien vorzulegen.

150 Menschen im Sitzungssaal, zumeist Arminia-Fans, und Hunderte vor dem Rathaus verfolgten die Debatten der politischen Parteien. Dabei kam es zu tumultartigen Szenen und im Anschluss zu Handgreiflichkeiten. Dem die Versammlung leitenden Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) drohte die Kontrolle über die Zusammenkunft zu entgleiten. Es musste sogar die Polizei eingreifen, Fans schimpften am Ende "Fahrt zur Hölle" und "Totengräber!".

Das Geschehen wurde dank eines Live-Tickers im Internet von Tausenden Interessenten mitverfolgt, darunter nicht wenige Hansa-Anhänger. Für die Summe von einer halben Million Euro stimmten alle Parteien mit Ausnahme der Linken (dagegen) und der SPD (enthielt sich). Diese 500 000 gibt es aber nur, wenn der designierte neue Arminia-Boss Wolfgang Brinkmann seinen Posten beim Verein nicht antritt bzw. als Geschäftsführer bei den Stadtwerken aussteigt - wegen eines möglichen Interessenkonflikts.

Die Gesamtverbindlichkeiten der Arminia belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro. Die Hälfte ist durch ein Engagement aus der Privatwirtschaft abgedeckt. Am Donnerstag hatte der Klub zunächst um einen Kredit von 4,85 Millionen Euro gebeten. Das wurde im Hauptausschuss der Stadt abgelehnt. Obwohl sich das Land zur Hilfe bereit erklärte, lag die Schmerzgrenze der Mehrheit im Stadtrat bei 500 000 Euro. Nur die SPD zeigte Bereitschaft, einen Kredit über die volle Höhe zu gewähren.

Gelingt es nicht, das fehlende Geld aufzutreiben, würde der FC Hansa als Verlierer der Abstiegs-Relegation wieder hochrücken und nicht in die 3. Liga müssen. Bei Bielefeld hingegen gingen sowohl die ausgegliederte Profi-Abteilung als auch der Gesamtverein in die Insolvenz. Die Zwangsversetzung bis hinunter in die Kreisliga C wäre möglich, am wahrscheinlichsten aber eine Zurückstufung in die Klasse, in der die zweite Mannschaft der Arminia spielt - die fünftklassige NRW-Liga.
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