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Hansa Rostock : „Gut spielen und an sich glauben“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sportpsychologe Tino Stöckel gibt Hinweise im Abstiegskampf

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 20:50 Uhr

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„Abstiegskampf ist auch immer eine Nervenschlacht“, sagte Hansa-Chefcoach Christian Brand vor dem Spiel gegen den VfR Aalen. Was ein Leistungssportler in einer solch angespannten Phase tun kann, verrät Dr. phil.Tino Stöckel, Psychologe am Institut für Sportwissenschaft der Universität Rostock, NNN-Mitarbeiterin Marie Boywitt.

Was geht in einem Sportler nach einer langen Negativ-Serie und nun auch im Abstiegskampf vor? Verunsichert das oder kann ein Profi so etwas „abschütteln“?
Stöckel: Das kann unterschiedlich sein. Es gibt Sportler, die erst in solchen Situationen 100 Prozent geben können, weil sie den besonderen Druck brauchen. Die Mehrzahl der Sportler lässt sich jedoch beeindrucken, bis man irgendwann selbst glaubt, dass man nicht mehr gewinnen kann. Das ist das eigentliche Problem, dass mit jeder weiteren Niederlage oder sieglosem Spiel, diese Überzeugung in einem reift – auch wenn das Potenzial da ist. Abschütteln lassen sich solche Situationen schwierig, da sie häufig weitere Probleme mit sich bringen wie Konflikte im Team, Schuldzuweisungen, Existenzängste oder Motivationslosigkeit – solche Situationen verunsichern jeden, weil er anfängt an den eigenen Qualitäten (oder denen der Kollegen) zu zweifeln. In so einer Situation hilft nur das Erfolgserlebnis – und das ist Definitionssache. Mit klaren, kurzfristigen Zielen kann man bei Sportlern „neue“ Motivation schüren. Dazu die eigene Leistung und die des Gegners objektivieren und selbst-kritisch mit der aktuellen Situation umgehen.

Wie könnte ein Trainer, den Spielern den Druck nehmen – was raten Sie diesem?
Mit klaren Zielvorgaben, dass meint, eine klare Linie vorzugeben, wie es möglich ist, mit den eigenen Mitteln den Gegner zu schlagen. In diesem Konzept muss man jedem Spieler die Bedeutung seiner Rolle klar machen - auch den Auswechselspielern. Nur so kann man im Nachhinein die Leistung bewerten und jeder weiß, dass er wichtig ist. Das hilft ungemein für die eigene Motivation und dabei, konstruktiv mit Niederlagen umzugehen. Wenn das Konzept zu 100 Prozent umgesetzt worden ist, dann geht auch eine Niederlage in Ordnung. Andernfalls kann man objektiv analysieren, wo kurzfristig Verbesserungsbedarf besteht. Das heißt, es geht nur über kurzfristige Zielsetzungen. Jedes Spiel sowie jede Aktion innerhalb einer Partie muss als die Wichtigste betrachtet werden. Das Spiel als Ganzes interessiert erst in der Endabrechnung.

Was können Spieler selbst tun, um sich den Druck zu nehmen und so vielleicht Hemmungen „beseitigen“?
Gut spielen und an sich glauben. Zweifel haben auf dem Platz nichts zu suchen. Es darf nur darum gehen, wie ich die nächste Aktion erfolgreich gestalten kann. Und Spaß und ein wenig Demut sind nicht verkehrt. Habe ich Freude an dem, was ich tue, dann kann ich mich viel besser auch nach Rückschlägen motivieren. Eine etwas fortgeschrittenere Variante wäre, die kommende Partie in der Vorstellung realitätsnah durchzuspielen. Das bedarf aber etwas Training.

Wirkt sich der Druck der Medien, Fans und Vereinsführung auf die sportliche Leistung aus?
Sicher – oder zumindest kann es dazu führen, dass man stärker auf Sicherheit bedacht ist und weniger – auch erfolgsversprechende - riskante Sachen probiert, die auf dem Leistungsniveau im Fußball entscheidend sein können. Oder schlimmer, es kann zu Blockaden führen. Letztlich strebt jeder nach Erfüllung und Anerkennung und versucht Schmach, Leid sowie Schmerz von sich fernzuhalten, das ist das hedonistische Prinzip.
 

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