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Geburtstagswunsch: Ein Saisoneinsatz

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erstellt am 19.Jun.2011 | 05:23 Uhr

Rostock | Wenn ein Bart die Öffentlichkeit mehr beschäftigt als der Mensch, aus dessen Kinnpartie er sprießt, dann kann man Matthias Holst verstehen. Der beidfüßige Innenverteidiger von Fußball-Zweitligist FC Hansa und "Inhaber" der wallenden Haarpracht würde diese "am liebsten überhaupt nicht mehr thematisieren. Ich möchte so wenig wie möglich Unruhe stiften." Zumal die eigentliche Geschichte ja die ist, wie es zum stattlichsten Bart der Vereinsgeschichte kam.

Holst, damals Neuzugang vom Zweitligisten SC Paderborn 07, wurde 2010 verpflichtet. Er kam mit einer vermeintlich weniger gravierenden Blessur des linken Knies. Doch die erwies sich als Knorpelschaden vierten Grades. Damit war für den Vater dreier Töchter (Clara Lina/5, Laila Marlie/3, Mila Luna/wird im August 2) nicht nur die Saison 2010/11 schon zu Ende, bevor sie überhaupt begann - ihm drohte das völlige Berufssport-Aus. "Existenzangst war es vielleicht nicht", erinnert er sich, "aber man befasst sich doch ernsthaft damit, was nach dem Fußball kommen könnte. Denn sonst verdrängt man ja schnell, denkt, es geht ewig so weiter. Aber ich habe auch immer daran geglaubt, dass ich zurückkomme."

Der ausgebildete Anlagenmechaniker sagte der schweren Verletzung den Kampf an - und rasierte sich fortan nicht mehr. Hansa-Manager Stefan Beinlich jüngst beim Trainingsauftakt: "Er sieht jetzt einige Jährchen älter aus, als er in Wirklichkeit ist, aber er sagt, der Bart kommt erst ab, nachdem er sein erstes Pflichtspiel für Rostock bestritten hat." Also frühestens am 15. Juli, wenn die

2. Bundesliga 2011/12 beginnt. Wobei der gebürtige Husumer zwischen 2003 und 2005 ja bereits für die "Zweite" des FCH 50 Einsätze bestritt und fünf Tore erzielte.

"Holzer" machte seit über 13 Monaten kein Punktspiel mehr. Nach einem Jahr behutsamen Aufbaus, fast ohne Ball am Fuß, absolvierte er erst Montag vor einer Woche bei besagtem Trainingsstart wieder eine volle Einheit im Kreise der Mannschaft.

Beschwerden verspürt er nicht - toi, toi, toi. Klar, dass einer wie Holst, der viel Zeit hatte, Geduld zu lernen, zu seinem gestrigen Geburtstag keine großen Geschenke haben wollte. Er lege ohnehin auf materielle Dinge nicht so großen Wert (die Ausnahme von der Regel ist die Harley Davidson Streetbob, die er sich voriges Jahr anschaffte), würde sich freilich "über ein gemaltes Bild von meinen Töchtern sehr freuen", verriet der Nordfriese vorher. Sein einziger, bescheidener Wunsch neben Gesundheit im Allgemeinen lautet, "dass ich in der bevorstehenden Saison einen Einsatz bekomme", denn man müsse sich erst mal kleine Ziele setzen.

Dann würde sich der Kreis schließen - und auch der Bart fallen. Der übrigens dem Weltrekord des Norwegers Hans Langseth (1846 - 1927) von 5,33 Meter (!) noch lange keine Konkurrenz macht.

Davon abgesehen gibt es andere Dinge als sein Aus-

sehen, die Matthias Holst von seinen Kollegen unterscheiden. Zum Beispiel die Fußballschuhe. Der nunmehr 29-Jährige trägt als Einziger im 25-Mann-Kader keine Töppen von adidas oder Nike, sondern bevorzugt den Ausrüster Umbro: "Das stammt aus meiner Paderborner Zeit. Damals hatten die mich angesprochen, und da wir uns sonst damals selbst Schuhe hätten kaufen müssen, habe ich seitdem mit denen ein mündliches Abkommen."

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