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Hansa Rostock : Fans wehren sich gegen Spaltung des Vereins durch Ultras

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die normalen Hansa-Anhänger kritisierten lautstark die Zwischenfälle im Spiel gegen Hertha

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Verstörende Szenen im Rostocker Ostseestadion: Raketen werden auf Fanblocks und den Rasen abgefeuert, offene Feuer auf der Tribüne und zahlreiche Vermummte zeigen sich gewaltbereit. Zuletzt gab es solche Szenen bei den Ausschreitungen während des G20- Gipfels in Hamburg zu sehen. Am Montagabend war allerdings das DFB-Pokal-Spiel der 1. Hauptrunde zwischen dem Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock gegen den Bundesligisten Hertha BSC (0:2) Schauplatz von Ausschreitungen, sodass die Partie in der zweiten Hälfte sogar für rund 20 Minuten unterbrochen werden musste. Erschreckende Bilder, die aber schon längst keine Ausnahmen mehr sind, denn immer wieder sorgen Ultras für Zwischenfälle, gerade auch auf Seiten des FC Hansa. Am Montagabend hatten die übrigen Anhänger auf der Nord-, Ost und Westtribüne die Nase gestrichen voll und skandierten in Richtung Südtribüne, den Platz der Ultras im Ostseestadion:

„Und Ihr wollt Hansa Rostock sein!“

Denn erst kürzlich verurteilte der Deutsche Fußball-Bund die Hanseaten erneut zu einer Geldstrafe. Neben den 12 000 Euro müssen die Rostocker auch in zwei Auswärtsspielen ohne eigene Fans auskommen, zwei weitere Partien in der Fremde wurden zur Bewährung ausgesetzt. Nichts Neues für den Club, dessen finanzieller Schaden in jeder Saison immens ist. In der abgelaufenen Spielzeit mussten die Hansestädter insgesamt 26 000 Euro an Geldstrafen zahlen, hinzu kam das Geisterspiel Anfang des Jahres gegen Jahn Regensburg, wobei der wirtschaftliche Schaden mehr als 200 000 Euro betrug. In der Saison 2015/16 wurde der Club wegen 14 Vorfällen zu Geldstrafen in Höhe von insgesamt gut 50 000 Euro verurteilt. In der Spielzeit zuvor waren es in etwa 19 000 Euro. Auch in den Jahren davor wurde der FC Hansa regelmäßig mit Geldstrafen wegen Zwischenfällen mit Beteiligung seiner Fans belegt.

Eine Entwicklung, die gewiss auch den Aufsichtsrat, das oberste Vereinsgremium, beschäftigt. Pikant: Diesem gehört als eine Art Fanvertreter auch Sebastian Eggert an, Mitbegründer einer der führenden Ultra-Gruppierungen „Suptras“, die auch mit der Fanszene Rostock e.V. zusammenarbeitet. Aufgrund seiner guten Vernetzung in der aktiven Fanszene muss sich der Aufsichtsrat auch die Frage gefallen lassen, weshalb es nicht gelingt, derartige Vorfälle wie am Montagabend zu verhindern.

„Und Ihr wollt Hansa Rostock sein!“

Neben den Finanzen bedeuten die Strafen auch jedes Mal einen herben Imageverlust für den einstigen Leuchtturm des Fußball-Ostens und natürlich auch für die Hansestadt Rostock sowie das Land Mecklenburg-Vorpommern. Immerhin sahen 3,84 Millionen TV-Zuschauer am Montag in der ARD die Eskalationen auf der Tribüne. Unter ihnen waren gewiss auch einige potenzielle Geldgeber oder Sponsoren. Somit entwickelt sich eine Art Teufelskreis für den Club, der über sein schlechtes Image aufgrund dieser Zwischenfälle Probleme hat, neue Geldquellen zu akquirieren. Hinzu kommt, dass normale Zuschauer abgeschreckt werden, ins Stadion zu gehen.

„Und Ihr wollt Hansa Rostock sein!“

Die Ultras agieren aber nicht nur auf den Rängen bei Heim- oder Auswärtsspielen rücksichtslos, sondern machen zum Teil auch vor der eigenen Mannschaft nicht halt. So erhielt Flügelflitzer Christopher Quiring nach einer Trainingseinheit den Ratschlag einiger Ultras, in Warnemünde am Strand seine Wade zu bedecken. Hintergrund: Der gebürtige Berliner, der den Nachwuchsbereich des 1. FC Union durchlief, verleiht der Sympathie für seinen Heimatclub mit einem Tattoo Ausdruck. Diese Drohung ist äußerst bedenklich, zumal es dann die gleichen Personen sind, die sich über seine Leistung auf dem Platz aufregen. Aber wie soll ein junger Spieler so mit freiem Kopf agieren? In einer offenen und demokratischen Gesellschaft sollte es möglich sein, Sympathien für jeden Verein ausdrücken zu dürfen, ohne Angst vor Bedrohung oder Gewalt haben zu müssen.

„Und Ihr wollt Hansa Rostock sein!“

Durch ihre Aktionen sorgen die Ultras zudem für eine Spaltung. Für eine Spaltung des Vereins an sich, der sich in mehrere Lager aufteilt, sowie der Anhängerschaft, die teilweise derart zerstritten ist, dass eine lösungsorientierte Kommunikation nicht möglich ist, weil die Fronten verhärtet sind.

 

Hansa-Boss  Marien: „Gemeinsamer Dialog an einem runden Tisch“

Was sagen Sie zum Vorwurf, das verbrannte Hertha-Banner sei über vereinseigene Strukturen  des FC Hansa ins Ostseestadion gelangt?

Gegenseitige Schuldzuweisungen sind in keiner Weise hilfreich und zielführend.  Die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld und während des Spiels waren extrem hoch. Seit Sonnabend war das gesamte Stadiongelände durch Ordnungskräfte abgesichert und am Spieltag wurde die Anlage unter anderem mit Spürhunden  durchsucht. Alle Maßnahmen des Vereins  sind in Absprache mit den Sicherheitsbehörden und allen voran der Polizei erfolgt.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie trotz zahlreicher Gespräche  immer wieder so enttäuscht werden?

Es geht einzig und allein um Hansa und darum, gemeinsam Lösungen im Sinne des Vereins zu finden. Enttäuscht bin ich darüber, dass einige – und hier werde ich mich nicht für das Wort Vollidioten entschuldigen oder mich rechtfertigen – unser Wohnzimmer in Brand setzen.

Fühlen Sie sich ausreichend vom DFB unterstützt im „Kampf“ gegen die Ultra-Szene?

Nein, weil der sich zuspitzende Konflikt zwischen den Fanszenen und dem DFB auf dem Rücken des Fußballs und auf dem Rücken der Vereine ausgetragen wird. Es wird Zeit, auf diese Entwicklung zu reagieren und wir setzen uns ein für den gemeinsamen Dialog an einem runden Tisch. Ein Verein kann dieses – auch gesamtgesellschaftliche Problem – allein und aus eigener Kraft nicht lösen.


 

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