Er liebt seine "ganz tollen Jungs"

<strong> Ogrinc im Kraftraum: </strong>'Andere lesen Bücher, ich mache Fitness. Die braucht man schon, wenn man am Tag 2000-mal aufs Tor schießt.'
Ogrinc im Kraftraum: "Andere lesen Bücher, ich mache Fitness. Die braucht man schon, wenn man am Tag 2000-mal aufs Tor schießt."

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24. Januar 2013, 07:58 Uhr

Rostock | Der fitteste Torwarttrainer im deutschen Profi-Fußball heißt…

"Ah, nein, da tue ich mich schwer!" Alexander Ogrinc reagiert wie erwartet auf die Aufforderung, den Satz zu ergänzen. Aber wer ihn kennt, wer ihn im täglichen Umgang mit "seinen Jungs" Jörg Hahnel, Kevin Müller und Johannes Brinkies erlebt, der weiß: Der 44-Jährige würde in einer Fitness-Wertung unter den 56 Kandidaten der 1. bis 3. Liga mit Sicherheit einen Medaillenplatz belegen. So wie 1985, als er im Trikot der deutschen U16-Nationalmannschaft Vize-Weltmeister wurde. Später kam er unter anderem auf elf Einsätze in der 2. Bundesliga, alle für Rot-Weiß Essen.

Warum aber ist Alexander Ogrinc nun so derart durchtrainiert, dass er seinen Schützlingen jede noch so anstrengende Übung locker vormacht? "Einen Tag ohne Sport gibt es bei mir praktisch nicht. Ganz selten, dass ich mal nichts mache. Da müssen schon Weihnachten, Geburtstag und Ostern auf einen Tag fallen. Laufen, Rennradfahren, ,Pumpen’ - das gehört irgendwie dazu. Andere lesen Bücher, ich beschäftige mich mit Fitness. Ich muss ja auch meinen Apparat in Schwung halten", liefert er die Antwort und begründet: "Man braucht schon eine gewisse Fitness, wenn man am Tag 2000-mal aufs Tor schießt. Es ist wichtig, dass man sich da in Schuss hält. Ich stand fast 20 Jahre im Tor, habe schon einiges hinter mir: zweimal die Achillessehne gerissen, Knie-operationen links und rechts, eine Schulter-OP. Das muss man kompensieren mit Kraft. Wenn du da nicht eine entsprechende Muskulatur aufbaust, geht dieser Job nicht mehr."

Nicht zuletzt setzt Ogrinc auf seine Vorbildwirkung: "Wenn man das vorlebt, ist das für die Spieler auch ein bisschen Motivation. Denn die sagen sich, wenn der Mitte-Vierzigjährige das macht, werde ich das auch können."

Doch wenn man sich zum Beispiel den fast bulligen "Pommes" Brinkies so anschaut - verliert man als Keeper bei viel Muskelmasse nicht an Beweglichkeit, Geschmeidigkeit, Spritzigkeit? "Wenn du zuviel Eisen biegst, kann das passieren", sagt Alexander Ogrinc. "Aber ich arbeite nicht mit Eisen, sondern mit dem eigenen Körper, mit Stabilisationsübungen: Liegestütze, Kniebeugen, Klimmzüge in x Varianten. Und ich sage: In erster Linie ist für einen Torwart wichtig, dass er den Ball hält, und nicht, dass er Mister Adonis wird."

Nur in Sachen Ernährung taugt Ogrinc nicht zum Vorbild: "Ich esse alles, um so fettiger, desto besser. Ich bin wie ein Mülleimer beim Essen, bin kein Kostverächter, im Gegenteil." Aber er weiß, dass er sich auch diesbezüglich auf die Vernunft des ihm unterstellten Trios verlassen kann, von dem er sagt: "Das sind ganz tolle Jungs. Ich mag jeden einzelnen, ich liebe sie. Es macht brutal Spaß, mit ihnen zu arbeiten."

Der Mann mit den slowenischen Wurzeln arbeitet die zweite Saison in Rostock, und er tut es mit Inbrunst, denn "Hansa ist ein ganz großer Begriff in Deutschland, auch wenn wir jetzt nur in der 3. Liga sind. Das hier war mal der drittbeliebteste Verein in Deutschland, das sagt alles aus. Es ist superschön, hier tätig sein zu dürfen - zumal da, wo andere Urlaub machen." Inzwischen hat Alexander Ogrinc sogar wieder einen Spielerpass - erstmals, seit er 2007 beim Bonner SC in der Oberliga Nordrhein seine aktive Laufbahn beendete und die als Torwarttrainer begann.

Enthüllung: Wie er zu seinen extremen O-Beinen kam

Dass er aktuell voll einsatzberechtigt ist, kam so: Müller war verletzt ausgefallen. Am 6. Oktober bei Arminia Bielefeld stand Brinkies zwischen den Pfosten, übernahm sich aber bei dem Versuch, die Qualität seiner Abstöße zu verbessern, zog sich eine Oberschenkelzerrung zu und musste ausgewechselt werden. Hahnel übernahm ab der 72. Minute und rettete schlussendlich den 1:0-Auswärtssieg. Wäre nun aber auch der Routinier noch ausgeschieden, ein Feldspieler hätte zwischen die Pfosten gemusst. Und spätestens da sah es dann Coach Marc Fascher angeraten zu reagieren und stellt inzwischen über seinen Assistenten augenzwinkernd fest: "Wenn ich den Kader benenne und er ist nicht nominiert - das längste Gesicht zieht er. Der ist so extrem ehrgeizig, einmalig, der Junge." Ogrinc spielt den Doppelpass: "Ich versuche mich im Training anzubieten."

Und dann verrät der dreifache Vater (er hat einen 18-jährigen Sohn und zwei Töchter, die 15 bzw. 13 sind), wie er zu seinen extremen O-Beinen kam, die selbst die des Weltmeisters 1990 Pierre Littbarski in den Schatten stellen: "Als ich ungefähr acht Jahre alt war, hatten alle meine Vorbilder bei mir zu Hause im Dorf (Kuppenheim - d. Red.) krumme Beine. Zum Beispiel der Klaus Beverungen (vorher Bundesliga-Profi bei Schalke 04, Eintracht Frankfurt und FC St. Pauli - d. Red.). Das war ein überragender Spieler, der konnte super Freistöße schießen und flanken. Da habe ich mich also bei jeder Gelegenheit auf die Außenkanten meiner Füße gestellt, weil ich auch so krumme Beine haben wollte. So bekloppt, im Nachhinein! Dafür kann ich jetzt aber gute Flanken von Rechtsaußen schlagen mit dem Fahrwerk!"

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