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Hansa Rostock : Einst gegen die Bayern – bald gegen Schönberg?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Am Leuchtturm des Ostfußballs droht Finsternis: Für Hansa geht es morgen um alles

von
erstellt am 22.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Vor zehn Jahren noch gegen den FC Bayern, ab August vielleicht gegen den FC Schönberg – in Punktspielen: Der FC Hansa Rostock, der Leuchtturm des Ostfußballs aus Wende- und Nachwendezeit, hat seine Leuchtkraft schon lange eingebüßt. Jetzt drohen obendrein der Abstieg in die 4. Liga und das Anbrechen ganz finsterer Zeiten.

Wollten wir zynisch sein, ließe sich sagen: Noch ist doch gar nichts raus, vielleicht schafft es Schönberg ja nicht in die Regionalliga. Allerdings scheinen die Aufstiegschancen der Maurinestädter als Tabellenführer der NOFV-Oberliga Nord größer als die Nichtabstiegschancen der Rostocker. Um Hansa mit einem Sieg morgen bei Dynamo Dresden die Rettung aus eigener Kraft vorauszusagen, muss man angesichts der aktuellen Rostocker Formkurve schon mächtig um die Ecke denken.

Hansas Vorstands-Chef Michael Dahlmann ist naturgemäß ein solcher Querdenker. Doch auch wenn er im Brustton der Überzeugung sagt: „Ein Abstieg steht nicht zur Debatte“, stellt sich unweigerlich die bange Frage: Wie ginge es weiter für den FC Hansa, sollte die Realität die Debatte ad absurdum führen?

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Der gerade erst neugewonnene Mäzen Rolf Elgeti hat bereits erklärt, dem FC Hansa auch im Abstiegsfall zur Seite stehen zu wollen. Das nährt die Hoffnung, dass der chronisch klamme Verein zumindest bei der Lizenzerteilung nicht die seit Jahren gewohnte Zitterpartie hinlegen und am 28. Mai seine Zulassung erhalten würde.

Wie allerdings Elgetis finanzielle Hilfe eine Etage tiefer aussähe, ob er zum Beispiel wie im Falle des Drittligaverbleibs vorgesehen auch einem Regionalligisten FCH in Sachen Stadionkosten den Rücken gleichermaßen freihalten würde, das bliebe abzuwarten.

Auf die Nutzung des Ostseestadions könnten die Hanseaten nicht verzichten, denn nur dieses und das in Neustrelitz sind offiziell regionalligatauglich. Schönberg könnte als Aufsteiger in seinem „Stadion light“ vorerst per Sondergenehmigung spielen, die für Hansa nicht infrage käme.

Klar ist, dass der Rostocker Verein in der 4. Liga weitere finanzielle Einschnitte zu beklagen hätte. Fernsehgelder würden nicht mehr wie in der 3. Liga fließen. Und sicherlich würde es sich auch ein Teil der seit zehn Jahren immer wieder leidgeprüften Fangemeinde reiflich überlegen, ob man sich zum Teil sogar recht weite Fahrten antun und sein Geld in Tickets anlegen will, um Auerbach, Bautzen oder Meuselwitz zu sehen.

Das wären „Kassengift“-Spiele, die zu Zuschauerschwund und Umsatzeinbußen führen würden. Die aber kann gerade ein Absteiger nicht gebrauchen, der im ersten Jahr natürlich alles für einen direkten Wiederaufstieg tun müsste. Für Hansa käme erschwerend hinzu, dass es sich bereits um den vierten Abstieg seit 2008 handeln würde – wenn auch um den ersten in diese Tiefe. Allgemein gilt: Wiederaufstieg ist letztlich teurer als Klassenerhalt. Wo aber sollte das Geld dafür herkommen bei einem Verein, der seit Jahren einen millionenschweren Schuldenberg vor sich herschiebt – außer vielleicht von Rolf Elgeti?

Und: Mit wem wäre der Wiederaufstieg überhaupt zu erreichen? Welche Hansa-Spieler haben Verträge, die auch für die 4. Liga gelten? Das Gros könnte sicherlich gehen – wohl sogar ablösefrei. Und auch die kürzlich erfolgte Vertragsverlängerung mit Trainer Karsten Baumann stünde mindestens wieder auf der Kippe.

Am besten wäre es natürlich, es käme gar nicht zum Horrorszenario und Hansa bliebe in der 3. Liga. Außer mit dem erwähnten Sieg in Dresden, bietet sich dafür seit Tagen bekanntlich eine weitere Option: Sollte Zweitliga-Absteiger VfR Aalen bis zum 28. Mai keine 5,4 Millionen Euro auftreiben, erhielte er keine Drittliga-Lizenz und würde in die Regionalliga strafversetzt. Damit könnte Hansa sogar als Tabellen-18. noch die Klasse halten. Und erinnern wir uns: Auf die gleiche Weise (damals blieben die Offenbacher Kickers ohne Lizenz) durfte der sportliche Absteiger Darmstadt 98 vor gerade erst zwei Jahren in der 3. Liga weiterspielen. Und heute klopft Darmstadt ans Tor zur Bundesliga…

 

Hansas Gegner?

Im Falle eines Abstieges könnte der FC Hansa in der Regionalliga auf diese Gegner treffen:

1. FC Magdeburg*
FSV Zwickau
Wacker Nordhausen
Hertha BSC II
BFC Dynamo
FC Carl Zeiss Jena
Berliner AK 07
Germania Halberstadt
TSG Neustrelitz
VfB Auerbach
SV Babelsberg 03
Budissa Bautzen
ZFC Meuselwitz
Viktoria 1889 Berlin
RB Leipzig II
FC Schönberg 95**
*) bei einem Scheitern gegen Kickers Offenbach um Drittligaaufstieg
**) bei Aufstieg aus der Oberliga

 

 

 

 

 

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