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Hansa: Christian Brand im Interview : Die Gier auf den Sieg erhöhen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hansa-Cheftrainer Christian Brand wagt im Interview einen Ausblick auf die kommende Saison – bei allen Spielern sieht er „noch Luft nach oben“

Rostock Morgen beginnt für den FC Hansa Rostock die neue Saison in der 3. Fußball-Liga beim SSV Jahn Regensburg.  Für  Chefcoach Christian Brand ist es die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Im Gespräch mit Marie Boywitt gibt der 44-Jährige einen Ausblick auf die neue Spielzeit.

Herr Brand, wagen wir zunächst einen Rückblick: Wie zufrieden sind Sie mit dem vergangenen Saisonverlauf?

Christian Brand: Zu dem Zeitpunkt, als ich hierher gekommen bin, war die Stimmung sehr bedrückt im Gesamtverein. Es ging um die Sanierungsmaßnahmen außerhalb des Platzes und natürlich um die unbefriedigende und schwierige sportliche Situation. Von daher bin ich sehr froh, dass wir am Ende Zehnter geworden sind.

Also hatten die Sparpakete mit den Entlassungen Einfluss auf die Spieler?

Das kann man nicht trennen – bei Hansa Rostock gehört alles zusammen. Es ist alles eng miteinander verwoben – die Mitarbeiter fiebern mit der Mannschaft mit und klar, ging den Spielern das nahe.

Sie übernahmen das Team von Karsten Baumann, kann man nun von Ihrer Mannschaft sprechen?

Ich würde das nicht in Namen unterscheiden. Als Trainer muss man mit den Spielern arbeiten und sie verbessern. Es spricht für die Flexibilität der Jungs, dass sie schnell gemerkt haben, worum es mir geht – um Weiterentwicklung.

Welches Fazit ziehen Sie aus der Vorbereitung?

Grundsätzlich ist es okay, was wir gemacht haben.  Gegen den HSV war mir zu wenig Siegeswillen dabei. Da hätte ich mir mehr Aktion gewünscht, viel mehr Aggressivität in einzelnen Zweikampfsituationen. Es geht dabei vor allem um  die Haltung, mit der war ich zwischendurch nicht so einverstanden.  Wir haben einfach so mitgespielt. Dennoch waren viele richtig gute Dinge dabei: Wir kommen mehr dahin,  dass sich die Mannschaft gegenseitig motiviert und antreibt. Das finde ich gut. Gerade mental müssen wir stärker werden, wir müssen uns mehr zwingen, Spiele zu gewinnen und gewinnen zu wollen. Fußballerisch haben wir eine Weiterentwicklung gesehen, aber wir müssen in jedem Spiel gegen Selbstzufriedenheit ankämpfen.

Einige Male gelang dies in der zurückliegenden Saison…

Ja, aber wir haben gesehen, was uns  das an Energie gekostet hat, Spiele zu gewinnen. Wir müssen  die Gier auf den Auswärtssieg erhöhen. Denn wir haben nur gut 30 Prozent unserer Punkte auswärts geholt. Wenn wir eine gute Mannschaft werden wollen, müssen wir auswärts viel präsenter, bissiger und griffiger sein.

Ist das Team  breit genug aufgestellt für die Drittliga-Saison?

Es reicht ja nicht, wenn man 28 oder 29 Leute im Kader hat. Sie müssen die Mannschaft qualitativ voranbringen. Von daher ist es mir lieber, ich habe eine Truppe von 23 oder 24 Leuten, die Druck machen – und jeder seine Leistung zeigen muss. Das pusht nach oben.

Hansa konnte weitestgehend alle Leistungsträger halten – ist das ein Vorteil?

Ich denke schon. Es greifen Automatismen auf dem Platz. Wir haben keinen Stammspieler verloren – das ist mega wichtig. Eine Eingewöhnungsphase für Neuzugänge  fällt für uns weg.

Wie lange dauert denn der  Integrationsprozess?

Das kann schon bis zu einem halben Jahr dauern. Heutzutage wird viel zu schnell mit Neuverpflichtungen umgegangen. Man erwartet  von Profis, dass sie sofort funktionieren. Dabei spielt das private Umfeld eine extrem wichtige Rolle. Man braucht bei diesem Integrationsprozess Geduld.

Von welchem Spieler erwarten Sie in der neuen Saison den größten Sprung?

Von allen, denn ich glaube, bei allen ist noch Luft nach oben.

Wie schätzen Sie die 3. Liga in der kommenden Saison ein? Wen sehen Sie vorn?

Das ist schwierig zu sagen, es gibt sechs neue Mannschaften – fast ein Drittel der Liga. Ich glaube, dass Duisburg sehr stark ist, da sie viele Spieler aus dem Zweitligakader halten konnten. Aber ich denke, dass es wieder sehr eng wird, es werden Mannschaften unten reingeraten, die andere Ziele haben. Man muss 38-mal richtig wach sein, um eine vernünftige Runde spielen zu können.

Mit Jahn Regensburg ist Ihr Ex-Verein aufgestiegen: Wie gehen Sie an diese Begegnungen heran?

Ich freue mich, dass ich dahin komme. Aber ich will dort gewinnen, der sportliche Erfolg mit Hansa steht über allem.

Wie schätzen Sie den Saisonstart anhand der Gegner ein?

Das ist schwierig. Gerade unser zweites Spiel gegen  Preußen Münster wird eine richtig harte Nuss. Das ist ein schwerer Gegner, sie haben viele Neuzugänge geholt. Aber im Fußball ist es wichtig, dass man als Team funktioniert. Es geht darum, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Was für eine Mannschaft  können die Fans  auf dem Platz erwarten?

Ich möchte, dass die Mannschaft bestimmt auftritt. Dass sie das Selbstvertrauen aus der Rückrunde fortführt, aber ohne Überheblichkeit. Sie sollen demütig an die Aufgaben herangehen, aber trotzdem auch selbstsicher. Der  Zuschauer soll sehen, das ist eine Mannschaft mit einer guten Ausstrahlung und Haltung, die das Spiel unbedingt gewinnen will.

Ich denke, an der Art, wie wir spielen – schnell und vertikal nach vorne – wird sich nichts ändern. Eine unserer größten Stärken ist unser Speed in der Offensive und aus dem Mittelfeld heraus. Zudem haben wir sehr oft zu Null gespielt. Wenn wir es noch häufiger hinbekommen, an die 100 Prozent zu kommen, wird es ein tolles Jahr werden…

Haben Sie eine Punktvorgabe?

44 Punkte, dann werden wir wahrscheinlich nicht absteigen.

 

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erstellt am 28.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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