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FC Hansa Rostock : Der Herr der Klamotten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zeugwart Andreas Thiem hat seit 26 Jahren die Kogge im Blut: „Und das wird sich auch nicht ändern“

von
erstellt am 24.Jan.2015 | 08:36 Uhr

Meistbeschäftigt im Winter-Trainingslager des FC Hansa: auch in diesem Jahr eindeutig die Physiotherapeuten. Frank Scheller und Tobias Hamann sind praktisch rund um die Uhr für die Spieler da. Auch Zeugwart Andreas Thiem hat, wenn vielleicht nicht unbedingt Stress, so doch flott hintereinander weg zu tun. Der Ausflug zur Landzunge La Manga del Mar Menor am auch für ihn freien Donnerstagnachmittag war für ihn „die einzige Gelegenheit, mal was von Land und Leuten zu sehen. ,Aschi’ (Heiko Aschenbrenner, Hansa-Busfahrer und zugleich WG-Mitbewohner sowie rechte Hand von Thiem – d. Red.) und ich holten uns einen Mietwagen. Wir haben uns ein bisschen umgesehen, Kaffee getrunken, uns ein schönes Gezapftes geholt und in die Sonne gesetzt.“


Thiem sortiert nach seinem System


Nach der Rückkehr ins Appartment 591/592 im „Las Lomas Village“: Hier herrscht Ordnung. Das fängt mit den Säcken voller Bälle im Flur an. Im Wohnbereich hängen die Leibchen nach Farben sortiert an Haken, ist die unterschiedlichste Arbeitsbekleidung der Fußball-Profis fein säuberlich auf Stühle, Couch, Regale verteilt. Selbstverständlich wird auch der terrakotta-geflieste Fußboden mit einbezogen. Hier stehen Wäschekörbe voller Stutzen und Radlerhosen, dort große Metallkoffer – und im Türrahmen zum Balkon steht Thiem, der Herr der Klamotten. Derjenige, der hier durchsieht, denn da ist System drin – sein System.
„Ich stehe um 6.30 Uhr auf“, schildert der 49-Jährige seinen Tagesablauf. „Nach dem Frühstück pumpe ich 30 Bälle auf, gebe die Sachen fürs erste Training aus. Danach wackel ich zur Rezeption und hole die saubere Wäsche vom Vortag ab. Dann heißt es Auspacken, Sortieren und Zusammenlegen. Wenn die Spieler vom Training kommen, zähle und sortiere ich die benutzten Klamotten. Dann muss ich mich mit dem Mittagessen sputen, denn bis 14 Uhr müssen die Sachen bei der Rezeption sein. Danach habe ich etwa anderthalb Stunden frei, bis nach dem zweiten Training die gleiche Prozedur erfolgt: Zählen, Sortieren, Rezeption.“ Jetzt, nach dem Abendbrot, schreibt Thiem noch den Zeitplan für den nächsten Tag auf ein „Poster“ im A2-Format und klebt ihn mit Tape-Pflaster an die Wand.


„111 Gründe, Hansa Rostock zu lieben“


In der Regel ist 20.30 Uhr Feierabend. Dann spielt Andreas Thiem am Laptop Solitaire, löst Kreuzworträtsel, schaut im Fernsehen Handball-WM. Oder der Udo-Lindenberg-Fan liest. Noch eingeschweißt ist freilich die
Biographie von Udos ehemaligem Bodyguard Eddy Kante „In meinem Herzen kocht das Blut“. Die steht erst mal hintenan. Denn das Buch, in dem „Andy“ aktuell schmökert, hat deutlich mehr Priorität: Es sind allen Ernstes die „111 Gründe, Hansa Rostock zu lieben“ von Kieran Brown.
Welches ist für ihn, Thiem, der Grund, Hansa Rostock zu lieben, außer, dass es sich um seinen Arbeitgeber handelt? Da wird der seit 1988 beim Club beschäftigte einstige „Wäschekammer-Verantwortliche“ fast grantig: „Was soll so ’ne Frage?! Ich hab’ seit 26 Jahren die Kogge im Herzen – und das wird sich auch nicht ändern!“

Deshalb ist der Zeugwart auch voller Hoffnung, dass es noch klappt mit dem Klassenerhalt, „weil wir in schwierigen Zeiten schon einige Klippen umschifft haben. Allerdings war die Lage noch nie so prekär. Deshalb ist jetzt jeder gefordert, an die Substanz zu gehen – auf und neben dem Platz.“

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