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Hansa Rostock : Brand: Keinen Riesenschritt gemacht, aber viele kleine

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Hansa-Cheftrainer blickt im Interview zurück und schaut voraus: Die Saison ist noch nicht zu Ende!

Noch steht ein Spiel aus in der 3. Fußball-Liga 2015/16. Dennoch blickt Christian Brand, Cheftrainer des FC Hansa, bereits vor der Partie heute ab 13.45 Uhr im Ostseestadion gegen Halle im Gespräch mit Redakteur Peter Richter zurück auf die bisher 18 Spiele unter seiner Verantwortung. Die restlichen Saisonhöhepunkte kommen ebenso zur Sprache wie die geplante künftige Entwicklung.

Herr Brand, wie hat sich Ihnen die Situation beim FC Hansa dargestellt, als Sie die Mannschaft im Dezember übernahmen?

Als schwierig. Die Mannschaft stand tief im Tabellenkeller. Der Verein befand sich in einem gelähmten Zustand. Die Spieler waren unruhig – wie das immer ist, wenn ein neuer Trainer kommt. Aber wir haben das gemeinsam alles weggewischt, die Mannschaft nahm sofort meine neuen Ideen und Impulse auf und legte einen guten Start hin.

Zwei Spiele, vier Punkte, und Hansa ging auf einem Nichtabstiegsplatz in die Winterpause. Es folgte das Trainingslager in der Türkei. Wegen der widrigen Witterungsbedingungen in Rostock verdoppelte sich der ursprünglich geplante Aufenthalt dort kurzfristig…

… und es war richtig, das zu machen. Man muss auch die mittel- und langfristige Wirkung sehen. Dadurch, dass wir eine Woche verlängerten, hatten wir noch mal acht Einheiten plus ein Spiel und Zeit, uns noch mehr aneinander zu gewöhnen – und ich konnte mir ein genaueres Bild machen. Rückschläge wie das 1:5 bei Fortuna Köln im ersten Spiel nach der Winterpause sind normal. Wichtig ist, dass dann alle ruhig bleiben, weiterarbeiten und sich nicht vom Weg abbringen lassen. Ich bin mit sehr viel Demut dabei: Hart Arbeiten ist das, was zählt. Das haben wir gemacht, und das hat sich genauso ausgezahlt wie die Verlängerung des Trainingslagers.

Welches war für Sie der Moment dieser Saison, an dem Sie ganz sicher waren, das hier nimmt ein gutes Ende?

Eine Schlüsselrolle kam den Spielen in Cottbus und gegen Kiel zu. Das war die entscheidende Phase. Da hat die Mannschaft mit ihren beiden 1:0-Siegen ganz, ganz wichtige Zeichen gesetzt. Die Spieler sahen, sie haben gegen jeden eine Chance, wenn sie sich voll verausgaben und reinknallen.

Gut einen Monat später wurde mit dem 1:0 in Großaspach sowie dem 2:0 gegen den VfB Stuttgart II im Prinzip schon der Deckel draufgemacht.

Großaspach war ein Big Point, aber das Selbstvertrauen hatte sich die Mannschaft schon vorher angeeignet. Wir sind zum Beispiel nach Dresden gefahren, zu der klar stärksten Mannschaft der Liga, um dort was zu holen – und wir haben was geholt! Danach sagten wir, in Großaspach holen wir wieder was – und haben drei Punkte eingefahren. Die Mannschaft hatte den Hunger entwickelt, Spiele zu gewinnen.

Es steht noch ein Punktspiel aus, würden Sie dennoch schon die Saison bilanzieren wollen?

Nein. Ein Fazit ziehe ich nach dem Landespokalfinale am 28. Mai, dann erst ist diese Saison zu Ende. Nach der letzten Liga-Partie gegen Halle werden wir den Spielern eine Pause gönnen, zwei, drei Tage, an denen wir uns nicht sehen, wo sie die Köpfe frei kriegen und was mit ihren Familien unternehmen sollen. Vor dem Cup-Finale gegen Schönberg haben wir am 21. Mai anlässlich der
Feier zum 50. Geburtstag des Vereins noch das Testspiel gegen den 1. FC Union Berlin. Das ist eine mehr als gute Gelegenheit, wieder in den Wettkampfmodus zu kommen.

Also das Fazit dann später, aber geht vielleicht trotzdem schon mal eine kleine Bestandsaufnahme?

Ich würde sagen, wir haben keinen Riesenschritt nach vorn gemacht, aber die Mannschaft hat viele kleine Schritte vollzogen. Wir haben eine Grundordnung, dass die Offensiven auch verteidigen und die Defensiven auch etwas nach vorn machen. Und es ist uns gelungen, den einen oder anderen Gegner offensiv zu bespielen und sofort unter Druck zu setzen. Gegen Aalen (3:0), Wehen Wiesbaden (4:0) und Erfurt (3:1) war das gut zu sehen. Allerdings funktionieren solche Auftritte nur, wenn wir den Gegner 90 Minuten spielerisch und kämpferisch bearbeiten. Diese Balance hat die Mannschaft in der Rückrunde in den meisten Fällen gefunden. Sie hat sich fußballerisch weiterentwickelt, aber wir haben noch brutal viel Arbeit vor uns.

Welche konkret?

In der Spieleröffnung müssen wir uns verbessern und auf dem Feld wacher werden. Insgesamt muss jeder aktiver sein. Wir wollen in der kommenden Spielzeit zielstrebiger spielen und offensiveren, schnelleren, attraktiveren Fußball zeigen. Wir wollen vier bis sechs hochkarätige Chancen pro Halbzeit kreieren.

Wer waren in Ihren Augen die Gewinner der Saison in der Mannschaft?

Ich möchte keinen Spieler einzeln hervorheben. Unsere große Stärke ist, dass wir ein homogenes Team sind. Alle in der Gruppe haben ihren Job gut gemacht. Jeder hatte seine gewisse Rolle, auch die, die nicht spielten. Ich versuchte den Jungs vom ersten Tag an mitzugeben, dass es hier nicht um den Einzelnen geht, sondern um den FC Hansa Rostock, und dass sich jeder in den Dienst der Mannschaft stellen muss. Das haben die Spieler getan.

Eine Frage zur Disziplin: Wir haben hier Spieler, die wegen einer Unmenge gelber Karten und dazu noch Platzverweisen in der laufenden Saison viermal gesperrt waren. Das kann Ihnen kaum gefallen?!

Manchmal fehlte die emotionale Ausgeglichenheit. Aber „Erde“ zum Beispiel (Dennis Erdmann – d. Red.) hat, seit ich da bin, nur fünfmal Gelb kassiert und sich extrem selber diszipliniert. Auch Marco Kofler hat sich verbessert. Dass allerdings Offensivspieler wie Tobias Jänicke und Michael Gardawski zehn gelbe Karten
bekommen, das ist zuviel.
Daran müssen wir arbeiten.

Was dürfen wir nach einer – auch wenn noch ein Spiel auszutragen ist – gelungenen Rückrunde in der Saison 2016/17 erwarten?

Wir möchten nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben, von Anfang an mit Selbstvertrauen spielen und zeigen, dass sich hier was getan hat. Ich nenne keinen Tabellenplatz, möchte keine Prognose abgeben, nur soviel: Auch ich hoffe auf eine ruhigere Saison, als es die laufende gewesen ist. Aber die 3. Liga ist eine unglaublich schwierige Liga, deshalb müssen wir hellwach sein und werden Vollgas geben, um einen guten Saisonstart zu erreichen. Alles andere baut sich darauf auf. Was die personelle Planung betrifft, suchen wir derzeit Spieler für links vorn und links hinten sowie für den Sturm.

Sie sind sicherlich auch froh, in der Pause zwischen der alten und neuen Saison mal etwas entspannen zu können, und werden bestimmt viel Zeit mit Ihren Kindern verbringen?

Ja, klar. Meine Kinder wohnen in der Schweiz bei meiner Ex-Frau. Während der Saison habe ich versucht, sie regelmäßig zu besuchen. In ihren Sommerferien kommen meine 16-jährige Tochter, die ja während meiner aktiven Zeit bei Hansa in Rostock geboren wurde, und mein zwölfjähriger Sohn zu mir nach Warnemünde. Darauf freue ich mich schon sehr.

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