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FC Hansa Rostock : Ausgliederung auf gutem Weg

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rainer Lemmer, Aufsichtsratschef des FC Hansa, zieht eine erste Zwischenbilanz – Sanierung wichtig für ein Überleben in der 3. Liga

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erstellt am 18.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Seit dem 2. November ist Rainer Lemmer Aufsichtsratschef beim Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock. Im Gespräch mit Marie Boywitt und André Gericke blickt der Vereinsboss auf die ersten Monate seiner Tätigkeit zurück.

Herr Lemmer, wie bewerten Sie Ihre bisherige Amtszeit?
Rainer Lemmer: Als ich anfing oder besser als wir begonnen haben, setzten wir uns einige Ziele. Es sollte zunächst einmal absolute Ruhe einkehren, weil uns das alle sehr gestört hat. Zum anderen wollten wir die Sanierung begleiten und auch die Ausgliederung. Ich glaube, Ruhe ist reingekommen. Mit der Sanierung sind wir auf einem sehr guten Weg und mit der Ausgliederung auch.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Ausgliederung?
Der größte wirtschaftliche Nutzen ist, wenn die Ausgliederung bis zum 30. Juni vollzogen ist. Das ist absolut realistisch. Es hängt aber natürlich von vielen verschiedenen Faktoren ab. Ich gebe allen Protagonisten recht, dass  Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht. Man hatte anfangs versucht, sich am Termin im Januar zu orientieren, was vielleicht im Ergebnis nicht gut war.

Ein zu ambitioniertes Ziel?
Das würde ich nicht sagen, doch man ist natürlich von anderen Faktoren und Personen abhängig, die unbewusst Termine beeinflussen. Hätten alle mitgespielt, wäre es vielleicht auch gegangen.

Was fehlte im Januar noch?
Es mussten verschiedene Auskünfte eingeholt werden. Die sind jetzt vorhanden. Die Verhandlungen mit Herrn Elgeti sind abgeschlossen. Ich denke, dass  in Kürze die Bekanntgabe des Datums der außerordentlichen Mitgliederversammlung erfolgen wird – immer in Abstimmung mit den handelnden Personen und der Arbeitsgruppe Ausgliederung.

Wie oft trifft sich die Arbeitsgruppe?
Das hängt sehr von den Themen und von entsprechender Zuarbeit ab. Ich selber bin auch nicht immer dabei. Aber wir treffen uns regelmäßig in großer, wie auch kleiner Runde.

Wie groß ist der Einfluss der schlechten sportlichen Situation auf die Ausgliederung und die Sanierung des Vereins?
Das ist natürlich das alles Entscheidende. Was helfen uns ein Sanierungskonzept, irgendwelche Sparmaßnahmen und eine Ausgliederung, wenn dann zum Schluss, die  elf Leute auf dem Platz nicht die Leistung bringen, die notwendig ist, um die Klasse zu halten. So plump das ist: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Es ist alles nichts wert, wenn wir die Klasse nicht halten.

Im vergangenen halben Jahr gab es einige große Einschnitte. Unter anderem wurden Mitarbeiter  entlassen und verschiedene Sparmaßnahmen eingeleitet. Wie weit ist der FC Hansa, um in der 3. Liga überlebensfähig zu sein?
Das muss ja das Ziel sein, dass das irgendwie funktioniert. Andere Vereine bekommen das auch hin, und mit unserem Etat hätten wir eigentlich alle Möglichkeiten. Wir müssen uns nur eingestehen, dass wir 3. Liga sind. Das ist immer sehr schwierig. Es sind harte Einschnitte, keiner macht das gerne. Aber einer muss es mal machen. Wir als Aufsichtsrat gucken aber genau hin, dass das auch umgesetzt wird.

Ihre Vorgänger im Aufsichtsrat ließen eine Innenrevision durchführen. Haben Sie diesbezüglich schon Ergebnisse?
Bei dieser Innenrevision traten im operativen Geschäft einige Sachen auf. Daher gab es eine weitere Tiefenprüfung. Diese Ergebnisse sind noch nicht auswertbar. Es gab noch keine Handlungsempfehlung. Es geht darum, in wie weit man das rechtlich auswerten kann.

Zudem sieht man Sie im Vergleich zu Ihren Vorgängern relativ häufig beim Training. Wollen Sie damit sozusagen Flagge zeigen?
Als ich mich dazu entschlossen habe, den Posten anzutreten, war klar, dass ich vielleicht mehr machen werde als andere. Letztlich muss aber jeder selber für sich die Frage beantworten, inwieweit man das betreibt. Man kann auch alle acht Wochen kommen, die Vorstandsbeschlüsse unterschreiben und  wieder nach Hause gehen. Das ist nicht meins. Wenn ich  etwas anpacke, weil ich der Meinung bin, dass es bislang nicht so lief, mache ich es auch mit großer Energie. Für mich ist es wichtig, die Strömungen aus erster Hand mitzubekommen und nicht über Dritte. Daher bin ich oft beim Training, war im Trainingslager und häufig bei den Spielen. Ich suche schon den Kontakt zu den wichtigen Personen, nämlich denen auf dem Rasen.

Zuletzt gab es auch einige Gespräche mit Spielern…
Das war sehr sinnvoll, vertrauensvoll und auch sehr offen. Ich bin schon der Meinung, wenn man mit seinen Worten etwas bewirken will, bringt das nicht viel in der Zeitung. Ich muss mir ja erst mal ein Vertrauensverhältnis aufbauen, mir alle Informationen einholen, die möglich sind, um mir ein umfassendes Bild zu machen. Erst dann kann ich mir eine Meinung bilden. Ob ich die dann öffentlich kund tue oder unter vier Augen mit dem Spieler, ist wahrscheinlich situationsabhängig. Ich halte es für sinnvoll, erst einmal mit Leuten zu reden, weil man auch seine Wahrnehmung gespiegelt bekommt.

Letztlich hat die Herangehensweise gefruchtet, wie das 3:0 über Aalen bewies…
Ich finde, man sollte das nicht zu hoch hängen. Die Hauptarbeit machen die Trainer. Das waren  ruhige Gespräche, in denen ich gesagt habe, wo meiner Meinung nach die Knackpunkte liegen könnten. Wir haben es zum Beispiel verglichen, weil ich sehr fußballinteressiert bin, wie es bei den anderen Stationen der Spieler war. Auch mit der Situation im vergangenen halben Jahr und ob mein Bild nah an der Realität ist. Viele waren sehr selbstkritisch, bei einigen gab es auch einen Aha-Effekt.

Kam es bei allen Spielern an?
Die Jungs sind schon in Ordnung und auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es gibt schon Leute, die sind froh darüber, wenn das mal einer in Ruhe erzählt. Dann gibt es Leute, die haben die Gespräche wahrscheinlich schon 50-mal geführt. Da findet man dann weniger Zugang.

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