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Hansa-Zeugwart ist vorbereitet : Andy Thiem hat die Taschen gepackt

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1989 trat er als "Wäschekammerveranwortlicher" seinen Dienst beim FC Hansa an: Zeugwart Andreas Thiem ist der Einzige im Verein, der bei allen vier Aufstiegen dabei war.

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erstellt am 10.Jun.2011 | 04:21 Uhr

Rostock | 1989 trat er als "Wäschekammerveranwortlicher" seinen Dienst beim jetzigen Fußball-Zweitligisten FC Hansa an: Zeugwart Andreas Thiem ist der Einzige im Verein, der bei allen vier Aufstiegen (1991, 1995 und 2007 in die 1. Bundesliga sowie jetzt von der 3. in die 2. Liga) dabei war. Der zweifache Vater und einfache Opa (Enkeltochter Lena ist fünf) hat wie immer auch vor dem Trainingsauftakt am Montag um 14 Uhr alles im Griff.

Trotzdem hält sich bei Andy, wie er eingesteht, die Freude auf die neue Saison bisher in Grenzen. Zum einen, weil ihm die zurückliegende noch in den Knochen steckt - ja, auch von den ganzen Feierlichkeiten habe er am Ende die Nase vollgehabt, und der Urlaub hätte auch etwas länger dauern können als die 14 Tage an der Müritz. Immerhin: Der kapitale Hecht von 96 cm, der ihm beim Angeln an den Haken ging, den hat er noch - filetiert und eingefroren.

"Für mich ist das eine wahnsinnige Umstellung"

Zum anderen bringt der Ausrüsterwechsel für den Zeugwart einen gigantischen Aufwand mit sich: "Für den Verein ist Nike natürlich ein Glücksgriff - stellt das komplette Programm zur Verfügung und gibt noch Geld. Außerdem hast du bei fünf Jahren Laufzeit Planungssicherheit. Aber für mich ist das eine wahnsinnige Umstellung. Ich hatte bis jetzt mit der Firma noch nichts zu tun und fange von der Socke bis zur Winterjacke bei Null an: Wie fallen die Trikots aus, wie die Schuhe... Also, dieses Jahr wird für mich schwer. Im nächsten habe ich dann Erfahrungen gesammelt und brauche nicht soviel zu bestellen, sondern fülle nur auf. Im Moment muss ich an alles denken - bis auf die Bälle, das fällt aus im Lizenzbereich. Da gibt es ja den Einheitsball."

Offiziell ist Andreas Thiem im benachbarten Hansa-Viertel zu Hause, doch sein eigentlicher Wohnsitz, kann man sagen, ist die "Buchte". Dort unten an seinem Arbeitsplatz in den Katakomben der DKB-Arena, wo er im Schnitt zehn Stunden täglich zu finden ist, hat der Zeugwart sogar ein Aquarium mit Black Mollys, Saugwelsen und einem Blutsalmler. Hier legt er jetzt eine kurze Pause ein, um unsere Frage "Stichwort freie Schuhwahl - müssen sich die Profis eigentlich ihre Töppen selber kaufen?" mit Jein zu beantworten: "Schuhe kriegen sie gestellt. Die Spieler können auch auf ihre bisherigen Modelle zurückgreifen, die sind weiter im Bestand. Wenn sie sich allerdings neue zulegen wollen, die nicht von Nike sind, müssen sie die selbst bezahlen."

Und suchen sich die Herrschaften ihre Wunschtreter an Hand beispielsweise eines Katalogs aus und tragen sie in eine Liste ein oder wie funktioniert das?

Ganz anders. Thiem selbst, und nur er allein, ordert kraft seiner 22-jährigen Berufserfahrung sämtliche Fußballschuhe - die unterschiedlichsten Ausführungen und Größen, rund 200 Paar (!), und aus denen können die Kicker dann wählen. Hinzu kommen noch je 55 Paar Lauf-, Freizeit-, Hallen- und Multinockenschuhe sowie 50 Paar Badelatschen, so dass der Zeugwart letztlich die Übersicht über annähernd 1000 Einzelexemplare an nagelneuer "Fußbekleidung" behalten muss.

Oder nehmen wir die Beflockung: Jedes Trikot ist dafür nicht etwa ein-, sondern satte viermal "unterwegs" (Liga-Logo am Ärmel, Hauptsponsor, Ver-einswappen sowie Rückenbeschriftung/ -nummer). Und wer trägt auch hier die Verantwortung? Richtig: Thiem.

Der bei den Partien sogar als Sprinter in Erscheinung tritt. Jeden Dienstag ist der Mann mit den langen Haaren ("Die bleiben, da werden nur regelmäßig die Spitzen geschnitten") mit der Freizeittruppe "Freundeskreis FC Hansa" auf dem Kunstrasen vor der Geschäftsstelle selbst am Ball - hier stammt er her, der beeindruckende Antritt, den der 46-Jährige noch immer hinlegt, wenn er einen Spieler vom Warmmachen zu seiner Einwechslung holen soll.

Bevor Andreas Thiem wieder an seine Arbeit geht, schaut er schon mal, auch wenn ihm noch gar nicht danach zumute ist, voraus auf 2011/12: "Ich hoffe auf einen guten Start, dass wir - ich weiß, jetzt geht es in den Phrasenbereich rein - frühzeitig den Klassenerhalt sicher haben und die Truppe von Verletzungen verschont bleibt."


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