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Hasenwinkel : Vivaldi unter dichten Wolken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in Hasenwinkel / 250 Leser unserer Zeitung begeistert

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2014 | 07:33 Uhr

Man muss tief in Archiven graben, um mehr über die Temperaturen in zurückliegenden Jahrhunderten zu erfahren. Für den Sommer 1724 lieg die Vemutung nahe, dass es ein heißer war. Denn in Antonio Vivaldis im Jahr darauf veröffentlichten „Vier Jahreszeiten“ kann man im „Sommer“ die drückende Hitze geradezu körperlich spüren, bevor Sturm und Regen endlich Abkühlung bringen.

Gestern, als Vivaldis „Sommer“ auf dem Programm des Festspielkonzertes in Hasenwinkel stand, war es genau andersherum. Regen und Kälte gingen dem „Sommer“ voraus. 1400 Konzertbesucher ließen sich dadurch die Vorfreude jedoch nicht verderben. Als sich die Tore zum Open-Air im Schlosspark öffneten, waren Regenschirme und -capes zwar noch unverzichtbare Requisiten. Doch schon eine Stunde später, als Festspiel-Intendant Dr. Markus Fein und der stellvertretende Chefredakteur dieser Zeitung, Max-Stefan Koslik, 250 Abbonnenten zu einer einführenden Gesprächsrunde mit dem Trompeter Gabor Boldoczki begrüßten, verzogen sich die Wolken.

Boldoczki, der auf direktem Weg aus seiner Heimatstadt Budapest angereist war, verriet, dass ihm der Temperatursturz doch zu schaffen machte, beim Abflug schwitzte er immerhin noch bei 30 Grad. 2010, als er Preisträger in Residence der Festspiele war, habe er Hasenwinkel aber auch anders kennengelernt, erzählte der Weltstar. Damals sei es so heiß , dass er sogar zur Abkühlung in den nahegelegenen See gesprungen sei. Für seine drei Trompeten, die während des Konzerts zum Einsatz kommen sollten, wäre zwar selbst strömender Regen kein Pro-blem . Doch die Muskeln spürten schon, ob es angenehm warm oder feucht sei, verriet der Ungar. Und demonstrierte dann dem amüsierten Publikum, mit welchen Übungen er seine Lippen in so einem Fall zu lockern versucht.

Lacher erntete auch der Schweizer Komponist Gotthard Odermatt, der auf die Frage des Intendanten, wie es ihm denn in Mecklenburg gefalle, antwortete: „Ich nehme an, wenn es nicht regnet, sehr gut.“ Er sei bisher noch nicht über Berlin hinausgekommen. Aber da er nun erfahren habe, dass es in Mecklenburg auch eine Schweiz gibt…

Odermatt hatte im Auftrag der Festspiele für Boldoczki und den zweiten Solisten des Abends, den Oboisten Albrecht Mayer, ein „Capriccio a due“ komponiert, das gestern zur Uraufführung kam. Es sei ja sehr selten, dass Trompete und Oboe gemeinsam musizierten, in so einem Werk müssten aber beide gleichberechtigt zur Geltung kommen, erklärte der junge Komponist. Die Interpreten hätten die Noten erst vor fünf Wochen erhalten, so Boldoczki. Und da er zu dieser Zeit auf Konzertreise war, hatte er nur drei Wochen Zeit, um das Stück einzustudieren. Mehr als genug – das Publikum der Uraufführung jedenfalls reagierte mit lang anhaltendem Applaus.

Den gab es auch immer wieder für die Potsdamer Kammerakademie, die unter der Leitung der Violinistin Yuki Kasai weit mehr als „nur“ die Begleitung der Solisten in Vivaldis Konzert D-Dur für Trompete und Streicher und Mozarts Konzert für Oboe und Orchester war. Mit Vivaldis „Sommer“ und Auszügen aus Telemanns Tafelmusik wusste das Orchester auch allein zu begeistern. Das zwischendurch dann wieder einige Regentropfen fielen, tat dem Musikgenuss keinen Abbruch.

Ohnehin, so hatte man den Eindruck, war das Konzert ein Treffen alteingesessener Festspielfans. Henning Stiege z. B. war eine Woche zuvor bereits in der Neubrandenburger Konzertkirche. „Wir versuchen jedes Jahr, zwei oder drei Konzerte zu besuchen“, erzählt der Lübzer. In diesem Jahr stehen noch die Ludwigsluster Klassik und das Open-Air in Klütz auf seinem Programm. Dort wird er unter Umständen auch auf Gernot Glanitz aus Warin treffen. Denn auch er ist regelmäßiger Konzertgänger – in diesem Jahr will er noch nach Redefin und nach Ulrichshusen fahren – und langjähriger Leser unserer Zeitung. Von ihr würde er sich wünschen, dass sie auch etwas häufiger von Kozenten aus Neukloster und Umgebung berichten würde. Das ist vorgemerkt.

 

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